Ein Arm trägt eine tickende Uhr mit Blutstropfen.

Animation: Marta Pucci

Menstruation

Was ist "normal"? Länge und Schwankungen des Menstruationszyklus

*Übersetzung: Judith Quijano

Das Wichtigste zum Thema:

  • Als Zykluslänge bezeichnet man die Anzahl der Tage zwischen dem ersten Tag deiner Menstruation und dem Tag, bevor deine nächste Menstruation anfängt

  • Bei Erwachsenen, die nicht hormonell verhüten, dauert ein typischer Zyklus 24 bis 38 Tage

  • Hormonelle Verhütungsmittel können die Länge und die Schwankungen deines Zyklus beeinflussen

Der Menstruationszyklus ist weit mehr als nur deine Periode – er entspricht den rhythmischen Änderungen deines Reproduktionssystems. Die Änderungen während des Menstruationszyklus werden von Hormonen wie Östrogen, Progesteron, dem follikelstimulierenden Hormon, dem luteinisierenden Hormon und anderen Hormonen gesteuert (1). Sie lösen das Wachstum der Follikel (Beutel, die mit einer Flüssigkeit gefüllt sind, die die Eizelle ernährt), die Freisetzung der Eizelle (Eisprung) und das Wachstum und die Ablösung der Gebärmutterschleimhaut (auch als Menstruation bekannt) aus (1).

Dein Menstruationszyklus lässt dich wissen, wenn alles normal läuft, wenn dein Körper eine Veränderung durchmacht oder wenn etwas nicht so ist, wie es sein sollte. Zwar sind manche Variationen in deinem Zyklus üblich, doch könnte ein konstant unregelmäßiger Zyklus das erste erkennbare Symptom dafür sein, dass in deinem Körper irgendetwas nicht stimmt.

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Was heißt überhaupt "normal"?

Beim Thema Zykluslänge werden vom ärztlichen Fachpersonal immer wieder spezifische Begriffe verwendet, die in bestimmten Situationen klinisch klingen oder sogar Angst machen können. Solltest du selbst zum Thema Zyklusdauerschwankungen recherchieren, könnten dir die Begriffe "abnorme uterine Blutung" oder "unregelmäßiger Zyklus" begegnen.

Es ist wichtig zu wissen, dass jeder Körper anders und dass ein Zyklus nicht jeden Monat gleich ist, auch wenn er einem Muster folgt. Änderungen in diesem Muster sind nicht unbedingt pathologisch und können als "normal" gewertet werden. Das ärztliche Fachpersonal verwendet Begriffe wie "abnorme uterine Blutung" oder "unregelmäßig", um Abweichungen vom Durchschnitt zu beschreiben, die über bestimmte Parameter hinausgehen (3). Eine Variation, die vom Durchschnitt abweicht, könnte für dich vollkommen normal sein und keinen pathologischen Grund haben, während sie für eine andere Person auf ein Problem hindeuten könnte (oder umgekehrt). Die einzige Möglichkeit, um sicher zu sein, ob dein Zyklus außerhalb der "Norm" liegt, ist ein Gespräch mit deinem ärztlichen Fachpersonal. Nur so kannst du einen anderen Grund ausschließen.

Da das Word "normal" Menschen das Gefühl vermitteln kann, "jenseits der Norm" oder "anormal" zu sein und da die Bedeutung von "normal" je nach Kultur unterschiedlich ist, wählen wir stattdessen bewusst andere Begriffe wie "typisch" oder "üblich".

Sei dir nur der Tatsache bewusst, dass dein ärztliches Fachpersonal möglicherweise klinischere Begriffe wie die oben genannten verwendet.

Wie lang ist der Zyklus "typischerweise" bei Menschen, die hormonell verhüten?

Zyklusdauer bei Erwachsenen

Die typische Zyklusdauer bei einem:r Erwachsenen, der:die nicht hormonell verhütet, liegt im Durchschnitt bei 24 bis 38 Tagen (3).

Zyklusdauerschwankungen sind üblich (4). Binnen eines Jahres kann der Abstand zwischen dem längsten und dem kürzesten Zyklus bis zu 9 Tage variieren und sich dennoch noch im regelmäßigen Rahmen befinden (5). Eine typische Variation ist zum Beispiel, dass ein Zyklus 25 und der nächste 33 Tage lang ist.

Zyklusdauer bei Jugendlichen

Die Zyklusdauer bei Jugendlichen rund um die Menarche (erste Menstruation) kann stark variieren (6). Es kommt häufig vor, dass deine Zyklen in den ersten Jahren nach deiner ersten Menstruation unregelmäßig sind (7). Das bedeutet, dass die Menstruation nicht unbedingt immer zur gleichen Zeit im Zyklus auftritt und dass sie von Zyklus zu Zyklus variieren kann. Im Laufe der Pubertät wird der Zyklus immer vorhersehbarer und ähnelt zunehmend dem Zyklus im Erwachsenenalter, auch wenn weiterhin Schwankungen möglich sind (6-8).

In den ersten Jahren nach der ersten Menstruation liegt die durchschnittliche Zykluslänge bei einem:r Jugendlichen bei 21 bis 45 Tagen. Sie kann jedoch manchmal länger oder kürzer sein (8).

Nach Beginn der Menarche ist es möglich, dass du nicht jeden Monat einen Eisprung hast. Je weiter du in deiner Pubertät bist, desto wahrscheinlicher ist es, dass du in den meisten Zyklen ovulierst (6).

Warum Zyklusschwankungen auftreten

Die Länge deines typischen Zyklus wird von deinem Alter, deinen Genen, deiner Gesundheit, deinem Body-Mass-Index (BMI), deinen Verhaltensweisen und Verhütungsmitteln beeinflusst (9, 10).

Wenn du bereits seit einigen Jahren deine Menstruation hast, sollte sie in jedem Zyklus etwa gleich lang ausfallen. Dennoch können ab und zu Schwankungen vorkommen. Die Länge deines Zyklus hängt von deinen Hormonen ab. Diese können durch Faktoren wie deine Ernährung, Jetlag, Nachtschichten, Stress, Sport oder die Einnahme der Notfallpille (Pille danach) schwanken (11-18). Starkes Rauchen sowie chronischer und exzessiver Alkoholkonsum können sich ebenfalls auf deine Zykluslänge oder Schwankungen auswirken (19-21).

Der Menstruationszyklus kann schwanken, wenn der Eisprung nicht regelmäßig stattfindet. Das kann an Gesundheitsproblemen wie dem polyzystischen Ovarialsyndrom (PCOS) oder einer Schilddrüsenerkrankung liegen (22, 23). Ein unregelmäßiger Eisprung und schwankende Menstruationen treten zudem häufiger in bestimmten Lebensphasen auf, etwa während der Pubertät, nach der Geburt, während des Stillens und der Perimenopause (der Übergang zur Menopause) (1, 24, 25).

Wie lang ist der Zyklus typischerweise bei Menschen, die hormonell verhüten?

Kombinierte Verhütungsmittel (z. B. die Pille, der Verhütungsring, das Verhütungspflaster)

Kombinierte Verhütungsmittel wie die Pille, der Vaginalring oder das Verhütungspflaster setzen synthetische Formen von Östrogen und Progesteron im Körper frei (26). Bei einer Einnahme wie ärztlich verordnet hindern diese Verhütungsmittel deine Eierstöcke daran, sich auf die Freisetzung einer Eizelle vorzubereiten (26). Dies unterbricht den üblichen Zyklusrhythmus deines Körpers, wodurch das Verhütungsmittel das Wachstum und die Ablösung der Gebärmutterschleimhaut regulieren kann (1).

Die Blutungen, die bei der Einnahme von kombinierten Verhütungsmitteln auftreten, sind keine echte Menstruation. Hierbei handelt es sich vielmehr um Entzugsblutungen, die auf die Unterbrechung der Hormoneinnahme in der Placebo-Phase (Pillen, die keine Hormone enthalten) zurückzuführen sind oder in der Woche auftreten, in der du die Pille, das Verhütungspflaster oder den Verhütungsring nicht nutzt.

Die Pille

Blutungen während der Einnahme der Pille finden in der Placebo-Phase (ohne Hormone) statt, da in dieser Zeit keine Hormone mehr eingenommen werden. Auf diese Weise kannst du je nachdem, wie viele hormonhaltige Pillen du vor der Pause eingenommen hast, planen, wann du bluten wirst.

Verhütungspillen sind in der Regel in Packungen mit Tabletten für einen 28 Tage langen "Zyklus" dosiert: Dabei enthalten 21 bis 24 Pillen aktive Hormone, während 4 bis 7 Pillen hormonfrei sind. Alternativ kann vorgesehen sein, dass man an diesen Tagen keine Pille einnimmt (9). Manchmal ist die Placebo- oder pillenfreie Phase nach 84 hormonhaltigen Pillen vorgesehen, sodass eine Blutung ungefähr jede drei Monate stattfindet (26). Manche Pillen sehen keinerlei Pause in der Einnahme hormonhaltiger Pillen vor, sodass die Menschen, die sie einnehmen, gar keine Blutungen mehr haben (26). Solltest du gerade damit anfangen, die Pille einzunehmen oder die Pille unregelmäßig einnehmen, sind Schmierblutungen oder Durchbruchblutungen möglich (9, 26).

Vaginalring und Verhütungspflaster

Der Vaginalring (Verhütungsring) und das Verhütungspflaster wirken bis zu vier Wochen empfängnisverhütend (26). Der Vaginalring enthält Östrogen und Gestagen, wird für 21 Tage in die Vagina eingeführt und anschließend für 7 Tage entfernt. Das Entfernen verursacht eine Blutung (26). Das Verhütungspflaster richtet sich ebenfalls nach dem 4 Wochen-Muster: Es wird über die Dauer von drei Wochen wöchentlich gewechselt, woraufhin eine Woche "ohne Pflaster" folgt, in der eine Entzugsblutung auftritt (26). Beide Verhütungsmethoden verursachen ungefähr alle 28 Tage Entzugsblutungen (26).Manche Menschen entscheiden sich dafür, die Blutungsphase bei den Verhütungsmitteln auszulassen, indem sie die hormonfreien Tage überspringen und die hormonhaltigen Pillen, das Verhütungspflaster oder den Vaginalring durchgehend verwenden (26). Indem du auf diese Weise verhütest, wirst du jedes Mal dann bluten, wenn du entscheidest, eine Hormonpause einzulegen. Das bedeutet, dass eine Blutung auftreten wird, wenn du aufhörst, hormonhaltige Pillen einzunehmen, wenn du den Vaginalring entfernst oder das Verhütungspflaster abnimmst (1). Eine Durchbruchblutung oder Schmierblutung ist bei längerer und durchgängiger Verwendung üblich (27).

Verhütugsmittel, die nur Gestagen enthalten (z. B. die Minipille, die Verhütungsspritze, das Hormonimplantat, die Hormonspirale)

Es gibt verschiedene hormonelle Verhütungsmethoden, die jeweils unterschiedliche Arten und Mengen von Hormonen beinhalten. Einige Verhütungsmittel enthalten keine Östrogene, sondern ausschließlich Gestagen – eine synthetische Form von Progesteron (28). Zu diesen Methoden gehören die Gestagen-Pille (auch Minipille genannt), Gestagen-Spritzen (Verhütungsspritze), Gestagen-Implantate oder Hormonspiralen (28).

Die Minipille

Wenn du reine Gestagen-Pillen zur Verhütung verwendest, kann es sein, dass du keinen typischen Menstruationszyklus hast. Gestagen-Pillen beeinflussen den Zyklus der Reproduktionshormone, indem sie die Eierstöcke am Reifen und an der Freisetzung von Eizellen hindern. Somit wird eine Befruchtung durch Spermien unmöglich (28-30). Außerdem reduzieren sie das typische Wachstum der Gebärmutterschleimhaut und verdünnen diese (28).

Manche Menschen, die die Minipille einnehmen, haben unregelmäßige, schwächere oder ausbleibende Blutungen (28).

Verhütungsspritze und Hormonimplantat

Die Verhütungsspritze und das Hormonimplantat wirken, indem sie den Eisprung stoppen, was wiederum den Hormonzyklus verhindert (28, 31). Beide Verhütungsmethoden können unvorhersehbare oder unregelmäßige Blutungsmuster verursachen (28, 31). Die Anzahl Blutungs- oder Schmierblutungstage nimmt in der Regel bei Verwendung der Verhütungsspritze oder des Hormonimplantats mit der Zeit ab und kann insbesondere bei Menschen, die mit der Verhütungsspritze verhüten, zu ausbleibenden Blutungen führen (32-35). All diese Veränderungen sind für diese Verhütungsmittel typisch.

Die Hormonspirale

Während der Anwendung einer Hormonspirale ist es möglich, dass du keinen typischen Zyklus hast. Deine Zykluslänge und deine Menstruation können sich je nachdem verändern, welche Hormonspirale du bereits wie lange verwendest.

Die meisten Menschen haben trotz Nutzung der Hormonspirale weiterhin einen Eisprung (36-38). Je länger du die Hormonspirale bereits hast und bei den Hormonspiralen mit weniger Gestagen ist ein Eisprung wahrscheinlicher (36, 38, 39). Das Blutungsmuster bei der Verwendung der Hormonspirale gibt nicht unbedingt Aufschluss darüber, wann der Eisprung im Zyklus stattfindet – so kannst du keine Blutungen haben und trotzdem regelmäßg ovulieren (36, 37).

Unregelmäßige schwache Blutungen oder Schmierblutungen sind insbesondere in den ersten Monaten nach dem Einsetzen der Hormonspirale möglich (9). Die Blutungen nehmen in der Regel mit der Zeit ab und manche Menschen mit Hormonspirale bluten irgendwann gar nicht mehr (9).

Und wie wirkt sich die Kupferspirale auf deinen Zyklus aus?

Die Kupferspirale sollte deine Zykluslänge nicht beeinflussen, da sie keine Hormone enthält. Du wirst während deines Zyklus die gleichen Östrogen- und Progesteron- Schwankungen haben wie vor dem Einsetzen der Kuperspirale (40). Das bedeutet, dass ein Großteil deiner Zyklen 24 bis 38 Tage lang sein sollte. Das entspricht der typischen Zykluslänge bei Erwachsenen (3). Manche Menschen mit Kupferspirale stellen möglicherweise fest, dass ihre Menstruation stärker und länger ist oder haben unregelmäßige Schmierblutungen, jedoch verbessern sich diese Nebenwirkungen mit der Zeit (9).

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Dieser Artikel wurde ursprünglich am 17. Mai 2018 veröffentlicht.

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