Exklusives Website-Angebot 🎁 25% Rabatt auf Clue Plus
Jetzt abonnieren
Close-up of a person in nude-colored underwear with hands on their thighs, illustrating an article about vaginismus

Foto über Envato. Stockfoto. Gestellt mit einem Model.

Lesezeit: 16 min

Alles über Vaginismus

Symptome, Ursachen und Behandlung

Das Wichtigste zum Thema

  • Bei Vaginismus verkrampfen sich die Muskeln rund um die Vagina unwillkürlich. Dadurch kann das Eindringen in die Vagina schmerzhaft oder sogar unmöglich werden.

  • Zu den Symptomen gehören ein Engegefühl, Brennen, stechende Schmerzen sowie Angst oder Anspannung vor oder während der vaginalen Penetration.

  • Es gibt keine eindeutig feststehende Ursache. Die Angst vor Schmerzen, frühere Erfahrungen und bestimmte Erkrankungen können jedoch eine Rolle spielen.

  • Bei vielen Betroffenen bessern sich die Beschwerden durch eine Behandlung, die Beckenbodenphysiotherapie, Vaginaldilatatoren und Psychotherapie kombinieren kann.

  • Wenn du deine Symptome in der Clue App trackst, kannst du dich besser auf Gespräche über Vaginismus mit medizinischem Fachpersonal vorbereiten.

Was ist Vaginismus?

Vaginismus ist eine Erkrankung, bei der sich die Muskeln rund um die Vagina unwillkürlich zusammenziehen, wenn versucht wird, etwas in die Vagina einzuführen (1). Das kann beispielsweise beim Einführen eines Penis, Fingers, Sexspielzeugs oder Tampons passieren (1).

Auch bei einer gynäkologischen Untersuchung kann es dazu kommen, wenn medizinisches Fachpersonal versucht, bei der inneren Untersuchung einen Finger oder ein medizinisches Instrument wie ein Spekulum in die Vagina einzuführen (2).

Diese Muskelanspannung geschieht unwillkürlich. Das bedeutet, dass die betroffene Person ihre Muskeln nicht bewusst anspannt (3). Dadurch kann das Eindringen in die Vagina schmerzhaft oder in manchen Fällen sogar unmöglich werden (4).

Vaginismus kann bereits beim ersten Versuch einer vaginalen Penetration auftreten. Er kann sich aber auch erst entwickeln, nachdem das Eindringen in die Vagina zuvor problemlos und ohne Beschwerden möglich war (3). Alle Menschen mit einer Vagina können Vaginismus bekommen (3). Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten. Welche davon am besten geeignet ist, hängt von den jeweiligen Symptomen und möglichen Einflussfaktoren ab (4).

Wie häufig ist Vaginismus?

Schätzungen zufolge sind zwischen 1 und 6 von 100 Menschen mit einer Vagina von Vaginismus betroffen (4). Wie häufig die Erkrankung tatsächlich vorkommt, ist allerdings nicht genau bekannt. Das liegt unter anderem daran, dass manche Betroffene keine medizinische Hilfe suchen oder keine Diagnose erhalten (4).

Vaginismus: Welche Symptome gibt es und wie fühlt er sich an?

Vaginismus kann sich bei jeder Person anders äußern. Neben körperlichen Beschwerden können auch emotionale Reaktionen im Zusammenhang mit vaginaler Penetration auftreten (2,4).

Die Muskeln rund um die Vagina können sich bereits vor oder während eines Penetrationsversuchs verkrampfen (4). Dabei kann ein Engegefühl am Vaginaeingang entstehen. Auch Brennen oder stechende Schmerzen sind möglich (3,4). Das Eindringen in die Vagina kann dadurch schwierig, schmerzhaft oder unmöglich sein (5). Beim Sex mit vaginaler Penetration kann die Person, die mit dem Penis eindringt, das Gefühl haben, gegen eine „Wand“ zu stoßen (2).

Manchmal treten Angst oder Anspannung schon vor dem Versuch einer vaginalen Penetration auf, besonders wenn die betroffene Person damit rechnet, dass es wehtun wird (4). Das kann dazu führen, dass sie vaginale Penetration oder andere Formen von Intimität vermeidet und weniger Interesse an Sex hat (4). Menschen mit Vaginismus können jedoch weiterhin sexuell erregt werden und sexuelle Aktivitäten genießen, bei denen nichts in die Vagina eingeführt wird (3).

Die Symptome von Vaginismus können das Selbstwertgefühl, das emotionale Wohlbefinden und Beziehungen belasten (6). Über Sex zu sprechen, fällt nicht allen leicht. Deshalb behalten manche Betroffene ihre Beschwerden für sich. Das kann Schamgefühle verstärken und dazu führen, dass sie sich zunehmend isoliert fühlen (7).

Primärer und sekundärer Vaginismus

Medizinisches Fachpersonal unterscheidet verschiedene Formen von Vaginismus danach, wann die Symptome erstmals aufgetreten sind (8):

  • Primärer Vaginismus (auch lebenslanger Vaginismus genannt): Die Symptome traten bereits beim ersten Versuch einer vaginalen Penetration auf. Seitdem war das Eindringen in die Vagina nie ohne eine Verkrampfung der Vaginalmuskulatur oder Schmerzen möglich (5,7).

  • Sekundärer Vaginismus (auch erworbener Vaginismus genannt): Früher war das Eindringen in die Vagina problemlos und schmerzfrei möglich. Erst später wurde es schmerzhaft oder schwierig, beispielsweise nach einer körperlichen Verletzung, einer Infektion oder einer Geburt (5,7).

Generalisierter und situativer Vaginismus

Medizinisches Fachpersonal unterscheidet Vaginismus auch danach, in welchen Situationen die Symptome auftreten (7). Wenn die Symptome bei jeder Form der vaginalen Penetration auftreten, spricht man von generalisiertem oder globalem Vaginismus (7).

Wenn die Symptome nur bei bestimmten Formen der Penetration auftreten, spricht man von situativem Vaginismus (7). Beispielsweise kann eine Person problemlos und ohne Schmerzen oder Muskelverkrampfungen einen Tampon einführen, beim Sex oder bei einer vaginalen Untersuchung jedoch Vaginismus-Symptome haben.

Was verursacht Vaginismus?

Die Forschung hat bisher keine eindeutige Ursache für Vaginismus gefunden. Die Angst vor vaginaler Penetration, die Erwartung von Schmerzen und die automatische Muskelreaktion des Körpers scheinen dabei eine Rolle zu spielen (7,9).

Auch schmerzhafte Erfahrungen und Vorstellungen, die Angst vor Penetration auslösen, können zur Entstehung von Vaginismus beitragen (7,9). Allerdings können nicht alle Betroffenen einen konkreten Auslöser benennen. Häufig spielen mehrere Faktoren zusammen.

Zu diesen möglichen Faktoren gehören (7,9):

Angst, Muskelverkrampfung und Schmerzen

In Befragungen nannten Frauen mit Vaginismus die Angst vor Schmerzen am häufigsten als Grund dafür, warum sie glaubten, die Erkrankung entwickelt zu haben (7). Diese Angst kann allein durch die Erwartung entstehen, dass eine Penetration wehtun wird, selbst wenn die Person dabei noch nie Schmerzen hatte (7,9).

Die Angst vor Schmerzen bei der Penetration kann dazu führen, dass sich die Beckenbodenmuskulatur (die Muskeln rund um die Vagina) automatisch verkrampft (7). Dadurch kann die Penetration schmerzhaft oder schwierig werden. Das wiederum kann die Angst vor dem nächsten Versuch verstärken und einen Teufelskreis aus Angst, Muskelverkrampfung und Schmerzen entstehen lassen (7,9).

Manche Betroffene vermeiden vaginale Penetration vollständig. Das kann es schwieriger machen, die Angst zu überwinden, und dazu führen, dass dieser Teufelskreis bestehen bleibt (7).

Körperliche Faktoren

Bestimmte Erkrankungen und Erfahrungen können dazu führen, dass vaginale Penetration schmerzhaft ist. Dazu gehören (9,10):

Auch schmerzhafte Erfahrungen beim Sex, bei vaginalen Untersuchungen oder bei einer Geburt können eine Rolle spielen (3,7).

Eine mögliche Erklärung dafür ist, dass die Angst vor erneuten Schmerzen nach einer schmerzhaften Penetration dazu führen kann, dass sich die Beckenbodenmuskulatur bei einem späteren Versuch bereits vor oder während der Penetration automatisch verkrampft (9,10).

Bisher konnten kontrollierte Studien nicht bestätigen, dass diese Erkrankungen oder Erfahrungen Vaginismus verursachen. Forschende betrachten sie daher als mögliche Einflussfaktoren und nicht als nachgewiesene Ursachen (9).

Emotionale und psychologische Faktoren

Menschen mit Vaginismus können auch befürchten, dass vaginale Penetration zu Verletzungen, Blutungen oder einem Kontrollverlust führt (7). Solche Ängste können durch Dinge entstehen, die sie gehört oder gelesen haben, selbst wenn sie bei einer Penetration noch nie Schmerzen erlebt haben (7).

Ein weiterer Faktor, von dem manche Betroffene berichten, ist die Vorstellung, dass Sex etwas Beschämendes oder Falsches ist, mit der sie aufgewachsen sind (7). Forschende betrachten solche Überzeugungen als mögliche Einflussfaktoren. Allerdings können mehrere Faktoren an der Entstehung von Vaginismus beteiligt sein (7).

Auch frühere sexuelle Traumata oder Missbrauchserfahrungen können möglicherweise eine Rolle spielen (7). Studien haben jedoch nicht einheitlich gezeigt, dass Menschen mit Vaginismus häufiger sexuelle Traumata erlebt haben als andere Menschen. Viele Betroffene haben außerdem keinerlei sexuelle Traumata in ihrer Vergangenheit erlebt (7,9).

Wenn du sexuelle Traumata oder Missbrauch erlebt hast, gibt es Hilfsangebote für dich. Das weltweite NO MORE-Verzeichnis bietet Informationen zu Unterstützungsangeboten in mehr als 200 Ländern.

Wenn keine eindeutige Ursache erkennbar ist

Manchmal lässt sich keine körperliche Erkrankung, schmerzhafte Erfahrung oder bestimmte Angst feststellen, die die Symptome erklären könnte (3). Das bedeutet nicht, dass die Beschwerden weniger real sind. Es bedeutet auch nicht, dass die betroffene Person sie selbst verursacht hat. Selbst wenn sich kein eindeutiger Auslöser für den Vaginismus finden lässt, bleibt die Muskelverkrampfung unwillkürlich (3).

Vaginismus, Vulvodynie und ähnliche Erkrankungen: Was sind die Unterschiede?

Vaginismus, Vulvodynie und Dyspareunie können alle mit Schmerzen beim Sex oder bei vaginaler Penetration einhergehen. Die Begriffe beschreiben jedoch unterschiedliche Erkrankungen. Hier erfährst du, worin sie sich unterscheiden (3,11,12):

Vaginismus

Vulvodynie

Dyspareunie

Definition

Unwillkürliche Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur, wenn eine Penetration erwartet oder versucht wird.

Schmerzen im Bereich der Vulva, die mindestens 3 Monate anhalten und keine eindeutig erkennbare Ursache haben.

Medizinischer Oberbegriff für anhaltende oder wiederkehrende Schmerzen im Genitalbereich im Zusammenhang mit Sex.

Wann tritt es auf

Vor oder während eines Versuchs der vaginalen Penetration.

Die Schmerzen können spontan oder durch Berührung oder Druck auftreten, beispielsweise beim Sex oder beim Einführen eines Tampons.

Vor, während oder nach dem Sex.

Wie hängen die Erkrankungen zusammen?

Kann Dyspareunie verursachen und gleichzeitig mit Vulvodynie auftreten.

Kann Dyspareunie verursachen und gleichzeitig mit Vaginismus auftreten.

Mögliche Ursachen sind Vaginismus, Vulvodynie, Infektionen und vaginale Trockenheit.

Diese Erkrankungen können ähnliche Symptome verursachen und manchmal gleichzeitig auftreten. Medizinisches Fachpersonal kann dir helfen herauszufinden, welche Erkrankung oder Kombination von Erkrankungen deine Beschwerden am besten erklärt (10).

Wie wird Vaginismus diagnostiziert?

Die Diagnose von Vaginismus beginnt in der Regel mit einem Gespräch über deine Symptome. Dabei kann dich das medizinische Fachpersonal nach deinem allgemeinen Gesundheitszustand, früheren Erfahrungen mit vaginaler Penetration, deinem Sexualleben, deinen Beziehungen sowie möglichen Ängsten oder Sorgen im Zusammenhang mit Penetration fragen (4).

Mit deinem Einverständnis kann auch eine innere gynäkologische Untersuchung durchgeführt werden. So lässt sich besser einschätzen, in welchen Situationen deine Symptome auftreten. Außerdem können andere Erkrankungen ausgeschlossen werden, die eine Penetration schmerzhaft machen können (3,4).

Wie findest du die richtige medizinische Fachperson?

Du kannst dich zunächst an deine Hausarztpraxis, eine gynäkologische Praxis oder eine Einrichtung für sexuelle Gesundheit wenden. Schau auf der Website der Praxis nach oder ruf dort an, um zu erfahren, ob Vaginismus untersucht und behandelt wird. Wenn medizinische Untersuchungen bei dir Angst auslösen, kannst du nachfragen, ob die Praxis traumasensibel arbeitet (13).

Traumasensibles medizinisches Fachpersonal erklärt dir vor und während der Untersuchung, was auf dich zukommt, bietet dir verschiedene Möglichkeiten an und hilft dir dabei, die Kontrolle über die Situation zu behalten (13). Du kannst auch darum bitten, von einer Person eines bestimmten Geschlechts untersucht zu werden, oder eine vertraute Person zur Unterstützung mitbringen (5).

Das medizinische Fachpersonal kann dich an eine auf Beckenbodenphysiotherapie spezialisierte Fachperson überweisen, um die Verkrampfung deiner Beckenbodenmuskulatur untersuchen und behandeln zu lassen (5). Auch eine sexualtherapeutische oder andere spezialisierte Fachperson kann an deiner Behandlung beteiligt sein (5).

Was passiert bei der Untersuchung?

Um deine Symptome besser einschätzen zu können, kann dir das medizinische Fachpersonal verschiedene Fragen zu folgenden Themen stellen (4):

  • Wann deine Symptome zum ersten Mal aufgetreten sind

  • Bei welchen Formen der Penetration Beschwerden auftreten

  • Wo du Schmerzen hast und wie sich diese anfühlen

  • Ob du weitere Beschwerden im Bereich der Vagina oder des Beckens hast

  • Ob du früher Infektionen, Operationen, Geburtsverletzungen oder schmerzhafte Erfahrungen hattest

Wenn du mit einer gynäkologischen Untersuchung einverstanden bist, kann das medizinische Fachpersonal zunächst deine Vulva und den Vaginaeingang untersuchen (4). So lässt sich feststellen, ob möglicherweise eine Infektion, Hauterkrankung, Verletzung oder eine andere Ursache für die Schmerzen vorliegt. Gegebenenfalls wird auch ein Abstrich genommen, um auf eine Infektion zu testen (4).

Wenn du dich damit wohlfühlst, kann die untersuchende Person langsam einen Finger in die Vagina einführen, um zu prüfen, ob die Beckenbodenmuskulatur angespannt oder druckempfindlich ist (4). Für die Diagnose von Vaginismus ist eine Untersuchung mit einem Spekulum normalerweise nicht notwendig. Falls sie aus einem anderen Grund erforderlich ist, kann ein kleines Spekulum verwendet werden. Allerdings ist dieser Teil der Untersuchung nicht bei allen Betroffenen möglich (4).

Du kannst jeden Teil der Untersuchung ablehnen oder jederzeit darum bitten, eine Pause einzulegen oder die Untersuchung abzubrechen, wenn du Schmerzen hast oder dich unwohl fühlst (4).

Vaginismus behandeln: Welche wissenschaftlich fundierten Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei vielen Menschen bessern sich die Beschwerden durch eine Behandlung. Eine Übersichtsarbeit ergab, dass fast 8 von 10 Studienteilnehmenden nach der Behandlung penetrativen Sex haben konnten (14). Häufig werden Informationen über deine Anatomie und die Beckenbodenmuskulatur mit verschiedenen Therapieformen kombiniert. Welche Behandlung infrage kommt, hängt von deinen Symptomen, möglichen Einflussfaktoren und deinen persönlichen Wünschen ab (4).

Medizinisches Fachpersonal empfiehlt häufig die folgenden Behandlungsmöglichkeiten:

Vaginaldilatatoren

Vaginaldilatatoren sind glatte, tamponförmige Hilfsmittel aus Kunststoff oder Silikon, die auch als Vaginaltrainer bezeichnet werden (4). Es gibt sie in verschiedenen Größen (4).

Bei der Anwendung setzt du einen Dilatator am Vaginaeingang an und führst ihn, wenn möglich, vorsichtig in die Vagina ein (5). Normalerweise beginnst du mit einem kleineren Dilatator und verwendest mit der Zeit größere Modelle (5). Durch diese schrittweise Gewöhnung kann die Angst vor der Penetration abnehmen. Gleichzeitig lernst du, deine Beckenbodenmuskulatur beim Eindringen zu entspannen (4).

Zu Beginn wirst du bei der Anwendung von Vaginaldilatatoren normalerweise therapeutisch angeleitet. Später kannst du die Übungen auch zu Hause durchführen (3). Deine therapeutische Fachperson hilft dir dabei, die passende Anfangsgröße zu wählen und in einem Tempo vorzugehen, mit dem du dich wohlfühlst.

Beckenbodenphysiotherapie

In der Beckenbodenphysiotherapie lernst du, die Muskeln rund um die Vagina bewusst wahrzunehmen, zu entspannen und zu kontrollieren (4). Dazu können Atemübungen, Entspannungstechniken für den Beckenboden und Biofeedback gehören (3).

Beim Biofeedback werden Sensoren oder Ultraschallbilder eingesetzt, damit du erkennen kannst, wann sich deine Beckenbodenmuskulatur anspannt und wieder entspannt (15).

In einer kleinen Studie verbesserte sich die sexuelle Funktion sowohl bei der alleinigen Anwendung von Dilatatoren als auch bei der Kombination von Dilatatoren und Biofeedback (16). Die Forschenden stellten fest, dass die kombinierte Behandlung in mehreren Bereichen größere Verbesserungen bewirkte, unter anderem bei Schmerzen und beim sexuellen Verlangen (16).

Psychosexuelle Therapie und kognitive Verhaltenstherapie

Die psychosexuelle Therapie ist eine Form der Gesprächstherapie, bei der es um Gefühle, Ängste und frühere Erfahrungen im Zusammenhang mit Sex oder Penetration geht, die möglicherweise zum Vaginismus beitragen (3). Auch die kognitive Verhaltenstherapie (KVT) kann Teil der Behandlung sein. Sie hilft dir dabei, Gedanken zu erkennen und zu verändern, die deine Angst verstärken oder dazu führen, dass du Penetration vermeidest (4).

Zur Behandlung kann außerdem eine systematische Desensibilisierung gehören (4). Bei dieser Methode werden Entspannungsübungen mit dem schrittweisen Einführen eines Fingers oder Vaginaldilatators kombiniert. Das kann helfen, Ängste abzubauen und dich langsam an Penetration zu gewöhnen (4).

Wenn du eine Partnerperson hast, kannst du selbst entscheiden, ob du sie in bestimmte Teile der Therapie einbeziehen möchtest (3).

Behandlung anderer Schmerzursachen und Medikamente

Die meisten Medikamente wurden bisher nicht ausreichend untersucht, um sie als Standardbehandlung bei Vaginismus empfehlen zu können (4). Wenn jedoch eine andere Erkrankung, beispielsweise eine Infektion oder Vulvodynie, zu Schmerzen bei der Penetration beiträgt, kann diese zusätzlich zum Vaginismus behandelt werden.

So können beispielsweise vaginale Östrogene eine durch die Menopause bedingte vaginale Trockenheit lindern, die möglicherweise zu den Schmerzen beiträgt. Den Vaginismus selbst behandeln sie jedoch nicht (17).

Manche medizinischen Fachpersonen setzen Injektionen mit Botulinumtoxin Typ A (Botox) ein, um eine Verkrampfung der Beckenbodenmuskulatur vorübergehend zu verhindern. In einer Studie konnten etwa 7 von 10 Teilnehmenden nach rund fünf Wochen schmerzfreien Geschlechtsverkehr haben. Die Behandlung umfasste Botox-Injektionen, örtliche Betäubung durch Injektionen, vaginale Dilatation und therapeutische Beratung (18).

Die bisherigen Studien sind allerdings klein. Um die Wirksamkeit von Botox zuverlässig beurteilen zu können, sind größere kontrollierte Studien notwendig (4).

Die nächsten Schritte: So setzt du dich für deine Bedürfnisse ein

Wenn du dich in einigen der beschriebenen Situationen wiedererkennst, denk daran: Vaginismus ist eine unwillkürliche Erkrankung. Du hast ihn nicht selbst verursacht, und es gibt Behandlungen, die dir helfen können (3). Du musst auch nicht warten, bis deine Beschwerden besonders stark werden, bevor du dir Unterstützung suchst.

Diese Schritte können dir helfen:

  • Vereinbare einen Termin. Sprich zunächst mit deiner Hausarztpraxis oder gynäkologischen Praxis über deine Symptome (3). Du kannst auch um eine Überweisung zur Beckenbodenphysiotherapie bitten.

  • Sprich mit deiner Partnerperson oder deinen Partnerpersonen, falls du welche hast. Über Vaginismus zu sprechen, kann sich unangenehm anfühlen und dich verletzlich machen. Trotzdem ist es wichtig, offen miteinander zu kommunizieren. Erkläre, womit du dich wohlfühlst und was dir unangenehm ist. Eine unterstützende Partnerperson sollte deine Grenzen respektieren und dich nicht zu penetrativem Sex drängen, während du dich auf deine Behandlung konzentrierst.

  • Tracke deine Symptome. Mit einem Clue Plus Abo kannst du in den täglichen Notizen festhalten, wann deine Beschwerden auftreten, was sie möglicherweise auslöst, wie sie dich beeinträchtigen und wie sich die Schmerzen anfühlen. Diese Informationen kannst du anschließend zu deinem Arzttermin mitnehmen.

Wie können Partnerpersonen unterstützen?

Wenn du eine Person mit Vaginismus unterstützt, können diese Verhaltensweisen dazu beitragen, dass sie sich weniger allein fühlt:

  • Übe keinen Druck aus, penetrativen Sex zu haben, während sich die Person auf ihre Behandlung konzentriert

  • Frage, was sich gut anfühlt und was unangenehm ist, und respektiere die Antworten

  • Entdeckt gemeinsam andere Formen von Intimität, mit denen ihr euch beide wohlfühlt

  • Denk daran, dass die Muskelverkrampfung nicht bewusst gesteuert wird

  • Biete an, die Person zu Therapiesitzungen zu begleiten, wenn sie das möchte

Woran erkennst du Fortschritte bei der Behandlung von Vaginismus?

Jeder Mensch erlebt Vaginismus anders. Fortschritte können Zeit brauchen. Was eine Verbesserung für dich bedeutet, entscheidest du selbst. Vielleicht hast du weniger Angst oder fühlst dich bei den Formen von Intimität, die du selbst wählst, zunehmend wohler.

Wenn medizinisches Fachpersonal deine Symptome nicht ernst nimmt oder dich bei einer Untersuchung unter Druck setzt, darfst du für dich und deine Bedürfnisse einstehen, Fragen stellen, um eine andere Vorgehensweise bitten oder eine andere medizinische Fachperson aufsuchen.

Vor allem gilt: Deine Erfahrungen und Beschwerden sind ernst zu nehmen. Deine Bedürfnisse offen anzusprechen, ist ein wichtiger Schritt, um die Behandlung und Unterstützung zu bekommen, die zu dir passen.

FAQs

Kann ich trotz Vaginismus schwanger werden?

Ja. Ohne Behandlung kann Vaginismus Geschlechtsverkehr mit Penetration erschweren oder unmöglich machen. Eine Schwangerschaft ist aber auch auf anderen Wegen möglich. In einer Studie wurden fast 3 von 4 Paaren, bei denen Vaginismus eine Rolle spielte, durch eine zu Hause durchgeführte intravaginale Insemination schwanger (19). Die meisten Teilnehmenden waren jünger als 35 Jahre. Ob es zu Lebendgeburten kam, wurde in der Studie nicht untersucht (19). Wenn du schwanger werden möchtest, sprich mit medizinischem Fachpersonal über deine Möglichkeiten.

Wie lange dauert es, Vaginismus zu behandeln oder zu heilen?

Es gibt keinen festen Zeitrahmen für die Behandlung von Vaginismus. Sie kann einige Zeit in Anspruch nehmen, und manchmal müssen verschiedene Ansätze ausprobiert oder angepasst werden (4). In einer Studie dauerte eine Behandlung, die Aufklärung, Entspannungsübungen, schrittweise Penetrationsübungen und Dilatatoren kombinierte, je nach Schwere der Symptome durchschnittlich etwa 4 bis 8 Sitzungen. Rund 9 von 10 Teilnehmenden konnten danach schmerzfreien Geschlechtsverkehr mit Penetration haben (20). Wie lange deine Behandlung dauert und welche Ergebnisse du erzielst, hängt von deinen Symptomen, deinen Zielen und deinem Behandlungsplan ab.

Ist Vaginismus körperlich oder psychisch bedingt?

Bei Vaginismus spielen häufig sowohl körperliche als auch psychische Faktoren eine Rolle. Die Erkrankung geht mit einer unwillkürlichen körperlichen Muskelreaktion einher, die jedoch oft mit Angst, Anspannung oder früheren Erfahrungen zusammenhängt (4,7). Eine wirksame Behandlung berücksichtigt deshalb in der Regel sowohl körperliche als auch psychische Aspekte, anstatt sich nur auf einen Bereich zu konzentrieren (4). Das bedeutet nicht, dass du dir deine Symptome einbildest oder selbst daran schuld bist (3).

Kann ein Pap-Test oder eine gynäkologische Untersuchung bei Vaginismus wehtun?

Ja, das ist möglich. Für einen Pap-Test (Pap-Abstrich) muss ein Spekulum in die Vagina eingeführt werden. Das kann Muskelverkrampfungen oder Schmerzen auslösen (4). Für manche Menschen kann ein selbst entnommener Test auf humane Papillomviren (HPV) eine Alternative sein, um HPV-Typen mit hohem Risiko nachzuweisen, die Gebärmutterhalskrebs verursachen können (21). Dafür ist kein Spekulum notwendig. Allerdings musst du trotzdem ein Wattestäbchen oder ein anderes Entnahmeinstrument in die Vagina einführen (21). Teile dem medizinischen Fachpersonal mit, dass du Vaginismus hast, und frage nach den Untersuchungsmöglichkeiten, die für dich geeignet sind.

eine Illustration der Clue-Blume
eine Illustration der Clue-Blume

Live in sync with your cycle and download the Clue app today.

War dieser Artikel hilfreich?

Das könnte dich auch interessieren

eine Illustration der Clue-Blume
eine Illustration der Clue-Blume

Lebe im Einklang mit deinem Zyklus und lade die Clue App noch heute herunter.