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Ein abstraktes Bild von Sex, mit einem Auge und einer Vulva und zwei Regenbögen.

Illustration: Marta Pucci

Lesezeit: 10 min

Ein Sex-Leitfaden für Anfänger:innen

Alles, was du über Lust, Geschlechtskrankheiten (STI), Kondome und mehr wissen solltest.

*Übersetzung: Judith Quijano und Rebecca Rosenthal

Das Wichtigste zum Thema:

  • Sex kann für jeden Menschen etwas anderes bedeuten.

  • Beim Sex geht es nicht nur darum, Babys zu bekommen. Sex sollte allen Beteiligten Spaß machen.

  • Zustimmung bedeutet, dass sichergestellt werden muss, dass jeder teilnehmen möchte, sich sicher fühlt und die Aktivität die ganze Zeit über genießt.

  • Wenn du die Anatomie von dir und deinem oder deiner Partner:in verstehst, könnt ihr beide beim Sex mehr Spaß haben.

  • Geschlechtskrankheiten sind weit verbreitet und nichts, wofür man sich schämen müsste. Alle STIs sind behandelbar. Viele sind heilbar.

Wir wären nicht auf diesem Planeten, wenn es Sex nicht gäbe. Obwohl Sex Teil des menschlichen Lebenszyklus ist, ist es für viele Menschen immer noch ein Tabu, darüber zu sprechen. Dies kann zu einer Menge Verwirrung und Fragen führen.

Es kann dauern, bis man herausgefunden hat, was für einen selbst funktioniert und welche Vorlieben man hat. Das ist okay! Jede:r von uns befindet sich auf seiner eigenen Zeitachse und der Weg zum sexuellen Vergnügen sieht für jede:n anders aus.

Bist du neugierig auf Sex, weißt aber nicht, wo du anfangen sollst? Lies hier, was du darüber wissen solltest.

4.8

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Was ist Sex?

Sex ist eine Aktivität, an der eine, zwei oder mehrere Personen teilnehmen und die bei ihnen ein Gefühl der Erregung (sexuelle Erregung) hervorruft. Sie kann durch Berührungen, Worte oder beides erfolgen. Dabei kann es zu Berührungen der Genitalien kommen, muss es aber nicht immer. Wenn Menschen von Sex sprechen, meinen sie oft Geschlechtsverkehr oder penetrativen Sex. Sexuelle Aktivitäten sollten für alle Beteiligten angenehm sein und jede Person sollte während des gesamten Ereignisses ihre Zustimmung dazu geben.

Das bedeutet, dass sich jede:r zu Beginn der Aktivität darauf einigen sollte, womit er oder sie einverstanden ist. Wenn jemand seine oder ihre Meinung ändert oder beschließt, dass er oder sie aufhören möchte, ist es sehr wichtig, dass er oder sie dies sagen kann und dass dies respektiert wird. So ist sichergestellt, dass der Sex für alle Beteiligten eine angenehme Erfahrung ist.

Welche Arten von Sex gibt es?

  • Vaginaler Geschlechtsverkehr

Von vaginalem Sex spricht man, wenn der Penis an der Vagina reibt oder in sie eindringt oder wenn zwei Vaginas aneinander reiben.

  • Mund-zu-Genital-Sex

Auch „Oralsex“ genannt. Der Mund wird benutzt, um die Genitalien zu stimulieren oder zu beglücken. Dies kann durch Lecken, Küssen oder Saugen geschehen.

Der Penis oder das Sexspielzeug wird in den Anus (Poloch) eingeführt. Die Lubrikation ist dabei sehr wichtig, da der Anus keine eigene Lubrikation erzeugt.

  • Erogene Berührungen

Hände oder andere Körperteile werden benutzt, um sexuelle Gefühle oder Erregungen hervorzurufen. Dabei kann es sich um die Stimulation der Brustwarzen, Kuscheln, Küssen oder das Reiben und Streicheln der Genitalien oder anderer Körperteile handeln.

  • Fingern oder Handjob

Fingern ist die Stimulation der Klitoris mit den Fingern und/oder das Einführen der Finger in die Vagina oder den Anus, um sexuelle Empfindungen auszulösen. Bei einem Handjob wird der Penis mit der Hand stimuliert.

Das Berühren der eigenen Körperteile, um sexuelle Lust zu erzeugen. Dies kann allein oder zusammen mit einer anderen Person geschehen. Sexspielzeug kann bei der Masturbation verwendet werden, darunter Vibratoren, Dildos, Analspielzeug und vieles mehr.

  • Telefon-/Videosex

Sprechen, Flirten und Austauschen von Bildern mit jemandem online oder über das Telefon, um sexuelle Erregung zu erzeugen oder zu fördern.

Sexualtrieb: Was ist er und woher kommt er?

Sexualtrieb, manchmal auch Libido genannt, ist der Wunsch nach Sex. Hormone, Stresslevel sowie körperliche und geistige Gesundheit beeinflussen unseren Sexualtrieb (1, 2). Unsere Liebespartner:innen, unsere Familie, unsere Freund:innen, unsere Gemeinschaft und unser Glaube bzw. unsere Religion können unsere Gefühle gegenüber Sex und Vergnügen beeinflussen und diese können sich im Laufe unseres Lebens verändern (1). Einige Medikamente, die das sexuelle Verlangen beeinträchtigen können, indem sie die Libido verringern oder den Orgasmus verzögern, sind (2, 3):

  • Anticholinergika zur Behandlung zahlreicher Erkrankungen im Zusammenhang mit Lunge, Blase, Darm, Schwindel und Übelkeit/Erbrechen

  • Hormontherapien

  • Medikamente zur Behandlung von Bluthochdruck Psychopharmaka wie z. B. selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRIs)

Die Forschung hat keinen direkten Zusammenhang zwischen hormoneller Empfängnisverhütung und Sexualtrieb gefunden (3), aber die sexuelle Gesundheit ist komplex. Wenn du das Gefühl hast, dass ein Medikament, das du einnimmst, deinen Sexualtrieb beeinträchtigt, sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin. Tracke deine Erfahrungen in der Clue App. So kannst du herausfinden, welche Auswirkungen dein Verhütungsmittel auf deinen Körper und deine Libido hat.

Sexuelles Vergnügen und Orgasmen

Sexuelles Vergnügen lässt sich nicht auf eine bestimmte Weise definieren. Viele Dinge können Freude und Zufriedenheit bringen. Der Orgasmus ist eine intensive sexuelle Erregung. Er stellt eine Möglichkeit dar, sexuelles Vergnügen zu erreichen. Menschen mit einem Penis erleben einen Orgasmus, wenn der Penis hart wird und sich vergrößert. Dies ist der Fall, wenn der Wunsch nach Sex besteht und Hormone im Körper freigesetzt werden. Die Ejakulation erfolgt normalerweise während des Orgasmus. Menschen mit einer Vulva erleben einen Orgasmus, wenn die Klitoris (und manchmal auch die inneren und äußeren Vulvalippen) stimuliert werden und anschwellen.

Wie der Penis hat auch die Klitoris eine hohe Konzentration an Nervenenden (4, 5). Durch das Berühren und Massieren dieser erogenen Zonen werden die Nerven im Körper mit Signalen überflutet. Dies kann im ganzen Körper angenehme Gefühle auslösen. Es ist wichtig, die Anatomie von dir und deinem oder deiner Partner:in zu verstehen, damit ihr beide beim Sex den größtmöglichen Genuss erlebt.

Auch die Kommunikation ist entscheidend. Was sich für dich gut anfühlt, muss sich nicht unbedingt auch für eine andere Person gut anfühlen. Sprich mit deinem oder deiner Partner:in darüber, was du magst und was nicht. Es kann Spaß machen, zu experimentieren, um die angenehmsten Berührungen zu finden. Eine bessere Kommunikation kann auch die Intimität erhöhen. Die Masturbation ist eine weitere Möglichkeit, die euch helfen kann, die besten Techniken für das Erleben sexueller Lust zu verstehen.

Wie geht Safer Sex/sicherer Sex?

Durch sicheren Sex kann das Risiko von Geschlechtskrankheiten verringert werden. Penis-in-Vagina-Sex ist die Art von Sex, die am häufigsten zu einer Schwangerschaft führt. Eine Schwangerschaft kann auch eintreten, wenn bei anderen Formen des Geschlechtsverkehrs Sperma in die Scheide gelangt. Geschlechtskrankheiten können bei allen Formen von Sex, bei denen Körper und Körperflüssigkeiten in Kontakt kommen, übertragen werden.

Die besten Möglichkeiten zum Schutz vor sexuell übertragbaren Infektionen (STIs):

1. Wendet bei jedem Geschlechtsverkehr eine Barrieremethode entsprechend der Gebrauchsanweisung an. Bei vaginalem, analem oder oralem Geschlechtsverkehr sollten Barrieremethoden an Körperteilen und Spielzeug angewendet werden.

Zu den Barrieremethoden gehören:

  • Externe Kondome (manchmal Kondome für Männer genannt)

  • Femidome (manchmal auch Frauenkondome genannt)

  • Latex- oder Nitrilhandschuhe

  • Kofferdam/Lecktuch

2. Verwendet viel kondomsicheres Gleitmittel

3. Wechselt das Kondom, bevor ihr zwischen Oral-, Vaginal- oder Analsex wechselt.

4. Verwendet ein frisches Kondom oder reinigt/sterilisiert Sexspielzeug, wenn ihr es gemeinsam benutzt.

5. Lasse dich regelmäßig auf alle Geschlechtskrankheiten testen und ermutige deine:n Partner:in, das Gleiche zu tun.

Barrieremethoden senken das Risiko erheblich, eine Geschlechtskrankheit zu bekommen (6). Sie verhindern, dass die Genitalien und Körperflüssigkeiten eines Partners oder einer Partnerin mit dem Körper des anderen in Berührung kommen (7). Bei korrektem Gebrauch können Kondome in 98 % aller Fälle eine Schwangerschaft verhindern, bei normalem Gebrauch in 87 % der Fälle (8). Ihr solltet immer eine Barrieremethode anwenden, es sei denn, alle Partner:innen wurden kürzlich negativ auf eine Geschlechtskrankheit getestet und ihr seid euch absolut sicher, dass keiner von euch seit dem Test Sex mit jemand anderem hatte. Wenn du nicht schwanger werden möchtest, nutze jedes Mal, wenn du Sex hast, ein Kondom oder eine andere Verhütungsmethode.

Was ist, wenn mein:e Partner:in kein Kondom benutzen will?

Es ist sehr wichtig, dass du deine Gesundheit schützt und dich bei allen sexuellen Aktivitäten wohl fühlst. Sprich offen mit deinem oder deiner Partner:in darüber. Wenn er oder sie dich zu ungeschütztem Sex drängt, überlege dir, ob du mit ihm oder ihr zusammen sein willst.

Geschlechtskrankheiten und sexuell übertragbare Krankheiten: Prävention, Symptome und Behandlung

Jeden Tag erkranken weltweit mehr als 1 Million Menschen an sexuell übertragbaren Infektionen (9). Doch obwohl Geschlechtskrankheiten sehr häufig vorkommen, wie viel weißt du darüber? Wusstest du, dass es vorbeugende Maßnahmen gibt, um sich vor STIs zu schützen? Wusstest du, dass viele Geschlechtskrankheiten keine oder nur leichte Symptome hervorrufen?

Die Kenntnis einiger grundlegender Informationen kann die Art und Weise ändern, wie du in deinem eigenen Leben Vorkehrungen beim Sex triffst.

Chlamydien

  • Chlamydien verlaufen oft asymptomatisch, was bedeutet, dass viele Menschen nicht wissen, dass sie die Krankheit haben.

  • Zu den Symptomen von Chlamydien gehören eitriger, gelber Ausfluss, häufiges oder schmerzhaftes Wasserlassen, Schmierblutungen zwischen den Menstruationen oder nach dem Sex und/oder rektale Schmerzen, Blutungen oder Ausfluss (10).

  • Unbehandelt können Chlamydien bei Frauen und Menschen mit weiblichen Fortpflanzungsorganen zu Beckenentzündungen, chronischen Beckenschmerzen, Eileiterschwangerschaften und/oder Unfruchtbarkeit führen (11).

Genitalherpes

  • Genitalherpes ist die zweithäufigste Geschlechtskrankheit in den USA (12).

  • Manche Menschen mit Herpes bekommen immer wieder Blasen und Geschwüre im Genitalbereich.

  • Viele Menschen mit Herpes haben keine Symptome, doch sie können die Krankheit weitergeben.

  • Es gibt keine Heilung für Herpes, aber die Ausbrüche und Symptome können behandelt werden (13).

Gonorrhoe

  • Gonorrhoe verläuft oft asymptomatisch, was bedeutet, dass viele Menschen nicht wissen, dass sie die Krankheit haben (14).

  • Unbehandelt kann Gonorrhoe bei Frauen und Menschen mit weiblichen Fortpflanzungsorganen zu Beckenentzündungen, chronischen Beckenschmerzen, Eileiterschwangerschaften und/oder Unfruchtbarkeit führen (15).

  • Gonorrhoe-Infektionen müssen mit zwei Sorten Antibiotika behandelt werden (14).

Trichomoniasis

  • Trichomoniasis verläuft oft asymptomatisch, was bedeutet, dass viele Menschen nicht wissen, dass sie die Krankheit haben (16).

  • Bei manchen Menschen können Symptome wie vermehrter, übelriechender, gefärbter Scheidenausfluss, Schmerzen und Juckreiz in der Vulva und/oder Schmerzen beim Wasserlassen oder Geschlechtsverkehr auftreten (17).

HIV

  • HIV wird durch den Austausch bestimmter Arten von Körperflüssigkeiten wie Blut, Sperma, Muttermilch und Vaginalflüssigkeiten übertragen (18).

  • HIV wird nicht durch Speichel, Tränen, Niesen und Körperkontakt übertragen (19).

  • Ungeschützter Analsex, Penis-in-Vagina-Sex und sogar Oralsex (wenn auch selten) können HIV übertragen.

  • Es gibt keine Heilung für HIV, aber es gibt Medikamente, die die Viruslast niedrig halten und das Risiko der Übertragung und Ansteckung mit HIV erheblich verringern (18).

Welche Arten von Sex können STIs übertragen?

Geschlechtskrankheiten können nicht nur durch Sperma übertragen werden, sondern auch durch Vaginalflüssigkeiten, direkten Hautkontakt, Blut, Speichel und sogar Fäkalien (20). Es ist schwer festzustellen, welche sexuelle Handlung für die Krankheitsübertragung verantwortlich ist, da Menschen oft mehr als eine Art von sexueller Aktivität ausüben (z. B. erst Oralsex und dann Penis-in-Vagina-Sex) (20).

STIs, die durch Küssen übertragen werden können

  • Herpes am Mund (HSV-1)

STIs, die durch Oralsex übertragen werden können

  • Chlamydien

  • Gonorrhoe

  • HPV

  • Herpes (HSV-1 und HSV-2)

  • Syphilis

  • HIV

  • Trichomoniasis

Geschlechtskrankheiten, die durch Fingern und Fisting (anal und vaginal) übertragen werden können (21)

Alles, was Schnitte oder Risse am Anus oder an den Genitalien verursachen kann (wie Fingernägel, Ringe oder das Einreißen der Schleimhäute), kann die mögliche Übertragung von durch Blut übertragbaren Geschlechtskrankheiten (wie HIV oder Hepatitis B oder C) erhöhen. Wenn du mit deinen Fingern die Genitalien einer anderen Person und dann deine eigenen berührst, können über Genitalsekrete Geschlechtskrankheiten übertragen werden. Wasche dir zur Sicherheit immer die Hände, nachdem du die Genitalien einer anderen Person berührt hast oder trage Handschuhe, um besonders sicher zu sein.

STIs, die durch Penis-in-Vagina-Sex übertragen werden können

  • HIV

  • Gonorrhoe

  • Chlamydien

  • Herpes (HSV-1 und HSV-2)

  • HPV

  • Syphilis

  • Ulcus molle

  • Hepatitis B und C

  • Trichomoniasis

  • Genitalwarzen

STIs, die durch Analsex übertragen werden können

  • HIV

  • Hepatitis B und C

  • HPV

  • Syphilis

  • Gonorrhoe

  • Chlamydien

  • Herpes (HSV-1 und HSV-2)

  • Genitalwarzen

  • Krankheiten, die durch Mikroorganismen aus Fäkalien übertragen werden (Giardien, Shigellose, Salmonellen, Campylobacter und E. Coli-Bakterien) (21)

STIs zu haben ist jedoch nichts, wofür man sich schämen müsste.

Das offene Gespräch über STIs mit Gleichaltrigen und deinen Partner:innen ist nicht nur für die sexuelle Gesundheit wichtig, sondern auch für die Bekämpfung von Stigmen und das Aufbrechen gesellschaftlicher und kultureller Tabus.

Wann und wie man Sex hat, ist eine persönliche Entscheidung. Wenn du informiert bist, dich sicher und wohl fühlst, können deine sexuellen Erfahrungen auch Spaß machen und angenehm sein.

Sex macht am meisten Spaß, wenn man sich sicher, wohl und erregt fühlt. Lade Clue herunter, um zu tracken, wann du geschützten oder ungeschützten Geschlechtsverkehr hast, und um dich an STI-Untersuchungen erinnern zu lassen.

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