Illustration von Emma Günther

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Analsex: Alles, was du schon immer darüber wissen wolltest

Geschichte, Tipps und Empfehlungen zur Vorbereitung und für mehr Spaß beim Analsex

*Übersetzung: Judith Quijano

Das Wichtigste, was du über Analsex wissen solltest:

  • Der Anus produziert keine natürliche Lubrikation, halte deshalb Gleitgel bereit.

  • Beginne langsam mit dem Einführen eines Fingers und steigere dich vorsichtig zu größeren Objekten.

  • Vermeide es, kurz vor dem Analsex Essen zu dir zu nehmen.

Die Art und Weise, wie Menschen ihre Sexualität leben und mit ihr experimentieren, ist breit gefächert und vielfältig. Um sicheren und lustvollen Sex zu praktizieren, sind vertrauenswürdige Informationen unerlässlich, denn sie ermöglichen es uns, fundierte Entscheidungen zu treffen, die sich für uns richtig anfühlen. In diesem Sinne erfordert jede Sexualpraktik das gegenseitige Einwilligung der beteiligten Personen.

In diesem Artikel erfährst du alles über Analsex, angefangen bei seiner Geschichte. Außerdem erhältst du einige nützliche Empfehlungen darüber, welche möglichen Risiken er birgt.

Analsex in der Geschichte

Es gibt zahlreiche Belege dafür, dass Analsex im Laufe der gesamten Geschichte praktiziert wurde. In Lateinamerika wurden mehrere Skulpturen von menschlichen Figuren gefunden, die vaginale, orale und anale sexuelle Aktivitäten darstellen. Diese Figuren sind auf prähispanische Gesellschaften zurückzuführen, die vor der Eroberung und Kolonialisierung durch die Spanier auf dem Kontinent lebten (1).

So wurden beispielsweise im Nordwesten Mexikos, wo einst die Tlatilco-Kultur blühte, Darstellungen menschlicher Figuren beim Geschlechtsverkehr gefunden, die auf das Jahr 1000 v. Chr. datiert werden (1). An der Nordküste Perus wurden menschliche Skulpturen entdeckt, die Oral-, Vaginal- und/oder Analsex praktizieren. Diese Miniaturfiguren gehörten der Mochica-Kultur an und stammen aus dem Jahr 700 n. Chr. (1). In Kolumbien wurde eine kleine Keramikskulptur aus der Tumaco-La-Tolita-Kultur gefunden, die einen Mann mit analer Dehnung darstellt (1).

Auch in Europa gibt es Überlieferungen von Analsex, die bis ins alte Rom zurückreichen. Obwohl die Römer offen für verschiedene sexuelle Praktiken waren, gab es Einschränkungen für Analsex, die vom Status eines:r Bürgers:in in der Gesellschaft abhingen. Schon zur Zeit der Römer galt die anale Penetration durch einen anderen Mann als „weiblich“ und wurde deshalb abgelehnt (2).

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Im Mittelalter wurde Analsex unter dem Einfluss der katholischen Kirche verurteilt, da Sex als ein Akt zwischen Mann und Frau betrachtet wurde, der ausschließlich der Fortpflanzung diente.

Heutzutage wird Analsex nicht mehr als verwerflich angesehen, doch es gibt immer noch Tabus, die diese Art von Sexualpraktik stigmatisieren. So wird beispielsweise weithin angenommen, dass nur homosexuelle Männer Analverkehr haben, wobei die Erfahrungen von lesbischen und heterosexuellen Paaren ignoriert werden.

Es ist auch wichtig hervorzuheben, wie die massenhafte Verbreitung der Pornografie zur Popularisierung von Analsex beigetragen hat.

Die Anatomie des Analverkehrs

Um Analsex umfassend zu verstehen, ist es wichtig, zunächst zu wissen, welche Körperteile an dieser Praxis involviert sind. So werden ihre Funktionen und Eigenschaften deutlicher. Die am Analsex beteiligten Körperteile sind:

  • Der Anus ist die Öffnung am Ende des Verdauungstrakts, durch die der Stuhl ausgeleitet wird. Er besteht aus Hautschichten mit mehreren Nervenenden, die den Anus besonders empfindlich machen (3).

  • Das Rektum ist der letzte Teil des Verdauungstrakts, besteht aus Schleimhautgewebe und befindet sich oberhalb des Anus. Es ist ein weniger empfindlicher Bereich (3).

  • Der Analschließmuskel ist ein muskulärer Ring, der den Anus geschlossen hält. Er wird durch das autonome Nervensystem gesteuert, kann aber auch freiwillig kontrahiert und entspannt werden (3).

Wie man sicheren Analsex hat

Du weißt jetzt, welche Körperteile direkt mit analen Praktiken zusammenhängen. Nun beleuchten wir einige Themen, die dir dabei helfen, eine angenehme und sichere sexuelle Begegnung zu erfahren.

Anale Sexualpraktiken bergen im Vergleich zu vaginalem oder oralem Sex ein größeres Risiko einer HIV-Infektion (4).

Der Anus und das Rektum sind besonders empfindlich für Risse und Wunden, durch die sexuell übertragbare Krankheiten (STIs) leichter übertragen werden können, weshalb Analsex größere Risiken birgt als andere sexuelle Aktivitäten. Deshalb ist es sehr wichtig, von Anfang bis Ende der analen Penetration Kondome zu verwenden (4).

Drei Empfehlungen für angenehmen Analsex

Um Analsex genießen zu können, ist es wichtig, diese Schritte zu befolgen:

  • Gleitmittel: Anus und Rektum geben keine Flüssigkeiten ab, die die Penetration erleichtern, daher ist Gleitgel beim Analsex unerlässlich. Empfohlen werden Gleitmittel auf Wasserbasis, um die Qualität des Kondoms nicht zu beeinträchtigen und um Risse im inneren Gewebe des Rektums zu vermeiden. Das Gleitmittel muss vor der Penetration auf den erigierten Penis oder das Sexspielzeug und auch im Anus aufgetragen werden (5, 4).

  • Dehnung: die Entspannung der Analmuskulatur und des Analschließmuskels. Es wird empfohlen, einen Finger oder die Spitze des Penis oder des Sexspielzeugs langsam einzuführen, um diesen Teil des Körpers sanft und allmählich zu öffnen (5).

  • Die erste Penetration muss langsam erfolgen, damit sich die Analmuskulatur entspannen kann und keine Analfissuren entstehen (5).

Zögere nicht, ein Kondom zu verwenden. Die korrekte Anwendung von Kondomen ist für sicheren Analsex ebenso wichtig wie die Verwendung von Gleitgel. In den letzten Jahren sind viele verschiedene Arten von Gleitgelen auf den Markt gekommen, darunter einige mit Geschmack und andere mit Zusatzstoffen wie CBD-Öl, einem der Hauptbestandteile von Cannabis (6).

Bei oral-analem Sex (Cunnilingus, Rimming) wird empfohlen, eine Latexbarriere zu verwenden oder eine gute äußere Hygiene des Anus zu praktizieren (7).

Zu den abschließenden Empfehlungen gehört, dass du deine Finger vor dem analen Einführen mit Gleitmittel einschmieren und dass du nach dem Analspiel immer vermeiden solltest, deine Finger mit dem Mund oder der Vagina in Kontakt zu bringen. Wenn du dein Sexspielzeug mit anderen Personen teilst, solltest du für jede neue Person, die es benutzt, unbedingt ein neues Kondom verwenden (7).

Wie man sich auf Analsex vorbereitet

Es gibt einige einfache Hygienemaßnahmen, die du vor dem Analverkehr durchführen kannst.

  • Versuche, kurz vor dem Verkehr nichts zu essen, und vermeide Kaffee, koffeinhaltige Getränke und große Mengen Alkohol.

  • Im Allgemeinen trägt eine ballaststoffreiche Ernährung dazu bei, den Bereich um den Anus frei zu halten. Eine eiweißreiche Ernährung führt hingegen zu Verstopfung.

  • Gehe auf die Toilette und entleere deinen Darm etwa 30–60 Minuten vor dem Sex.

  • Eine kleine Menge warmes Wasser und Seife oder ein Tuch (unparfümiert, hypoallergen) helfen bei der Reinigung des Analbereichs.

  • Es ist nicht notwendig, vor dem Verkehr eine Analspülung zu machen, aber viele Menschen entscheiden sich für eine gründlichere Reinigung, um sich beim Sex wohl zu fühlen. Vom übermäßigen Gebrauch von Analspülungen (Einläufen) bzw. dem Einführen von Flüssigkeiten in das Rektum durch den Anus mit dem Ziel, den Darminhalt zu Reinigungszwecken zu entfernen, wird aber abgeraten (8). Der häufige Gebrauch von Spülungen und Einläufen kann zu Schleimhautverletzungen führen und so die Übertragung von STIs begünstigen (8).

Denke daran, dass beim Sex immer Körperflüssigkeiten im Spiel sind, und manche Menschen haben vielleicht Angst, sich „dreckig“ zu machen. Das gilt auch für Analverkehr, selbst wenn man Vorsichtsmaßnahmen ergreift. Versuche, eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, indem du mit deinem oder deiner Partner:in sprichst und dich damit vertraut machst, was dich erwartet. Ein Handtuch unterzulegen, Latexhandschuhe anzuziehen oder sich währenddessen sauberzumachen, sind Möglichkeiten, um sich wohl zu fühlen.

Risiken von Analsex

Der Enddarm und der Anus sind empfindlich und können bei der Penetration verletzt werden, was Blutungen und die Verbreitung von Keimen begünstigen kann. Die Schleimhaut des Enddarms ist auch einem höheren Risiko für die Übertragung von Geschlechtskrankheiten ausgesetzt als die Vaginalschleimhaut (4).

Neben HIV können beim Analverkehr auch andere sexuell übertragbare Krankheiten wie Gonorrhoe, Hepatitis (A, B und C), Syphilis und Genitalherpes übertragen werden – die beiden letzten werden durch Hautkontakt übertragen. Darüber hinaus können beim Analverkehr ohne Kondom Parasiten wie Giardien, Darmamöben und E. Coli-Bakterien durch Stuhlreste verbreitet werden. Diese können Infektionen im Dünndarm verursachen und gehen in der Regel mit Symptome wie Durchfall einher (5, 4).

Verringerung des HIV-Risikos

Die richtige Anwendung von Kondomen ist die wichtigste Empfehlung für sicheren Analsex, doch es gibt auch andere Gewohnheiten und Maßnahmen, mit denen die Übertragung von STIs vermieden werden kann.

Um einer HIV-Ansteckung vorzubeugen, gibt es eine Reihe von Medikamenten und Therapien wie z. B:

  • Präexpositionsprophylaxe (PrEP): Behandlung, die für HIV-negative Menschen mit erhöhtem HIV-Risiko angezeigt ist. Das Risiko kann um bis zu 90 % gesenkt werden. Zusätzlich zur PrEP müssen auch andere Präventionsmethoden wie Kondome eingesetzt werden (4).

  • Postexpositionsprophylaxe (PEP): wird in Notfallsituationen eingesetzt und muss bis zu 72 Stunden nach dem sexuellen Kontakt eingenommen werden. Bei dieser Behandlung werden antiretrovirale Medikamente eingenommen, um eine Infektion unmittelbar nach einem möglichen Kontakt mit dem Virus zu verhindern (4).

  • Antiretrovirale Therapie (ART): wird bei einer bestehenden Infektion eingesetzt und zielt darauf ab, die Viruslast im Blut zu reduzieren. Die ART-Behandlung kann das Risiko einer Ansteckung bei einem negativ-positiven HIV-Paar um bis zu 96 % senken (4).

Die menschliche Sexualität setzt sich aus einem breiten Spektrum von Erfahrungen zusammen, die je nach Vorlieben und Entscheidungen jedes Einzelnen sehr unterschiedlich sind. Bei sexuell aktiven Paaren sind Selbstfürsorge und gegenseitiger Respekt in Kombination mit vertrauenswürdigen und zugänglichen Informationen für sichere und angenehme Sexualpraktiken von grundlegender Bedeutung.

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