Illustrationen von Paaren, die über sexuelle Einwilligung sprechen

Illustration: Emma Günther

Partnersuche & Partnerschaft

8 Dinge, die man über sexuelle Einwilligung wissen sollte

Die Zustimmung zu sexuellen Handlungen ist der Schlüssel zu einem sicheren und angenehmen Sexualleben

von Talia Meer, PhD Geprüft von Amelie Eckersley
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*Übersetzung: Judith Quijano

Das Wichtigste zum Thema:

  • Die Zustimmung zu sexuellen Handlungen wird mit Freude gegeben

  • Du kannst deine Zustimmung jederzeit widerrufen

  • Der beste Weg, um zu erfahren, ob du die Zustimmung einer Person hast, ist, sie zu fragen

Selbst wenn du schon einmal von einvernehmlichem Sex gehört hast, weißt du vielleicht nicht, wie du die Zustimmung dazu erteilst oder einholst. Egal, ob ihr euch küsst, berührt oder einfach nur sextet – wir sind für dich da! Für die Zwecke dieses Artikels verwenden wir die Begriffe Sex und sexuelle Aktivität für die gesamte Bandbreite sexueller Intimität, die der Zustimmung bedürfen, einschließlich (aber nicht beschränkt auf) Telefonsex, Küssen, Sex mit voller Bekleidung (Dry Humping), Reiben der Genitalien, Oralsex, Vaginalsex und Analsex.

1. Was ist die sexuelle Einwilligung?

Die rechtliche Definition des Begriffs "sexuelle Einwilligung" ist je nach Land unterschiedlich, aber das Prinzip ist immer dasselbe. Die sexuelle Einwilligung ist eine Vereinbarung zwischen Menschen, Sex zu haben oder gemeinsam eine sexuelle Aktivität auszuüben. Du hast das Recht zu entscheiden, was du tust, mit wem und wie – um deine volle Zustimmung zu geben, musst du deine:r:m:n Sexualpartner:in:nen deine Erwartungen, Grenzen und Wünsche mitteilen, und sie müssen diese Präferenzen verstehen und anerkennen.

Die sexuelle Einwilligung sollte folgende Eigenschaften aufweisen:

  • Mit Freude: Du willst Sex haben oder mit einem:r Partner:in eine sexuelle Aktivität ausüben.

  • Gegenseitig: Dein:e Partner:in möchte auch mit dir Sex haben oder eine sexuelle Aktivitäten ausüben.

  • Freiwillig: Du hast dich ohne äußeren Druck, Erwartungen oder Schuldgefühle für Sex oder eine sexuelle Aktivität entschieden. Du verstehst, was vor sich geht und bist nicht durch den Einfluss von Alkohol oder Drogen handlungsunfähig.

  • Informiert: Du verstehst die Bedingungen und Grenzen von Sex oder einer sexuellen Handlung. Wenn sich die Bedingungen der Situation zu irgendeinem Zeitpunkt ändern (z. B. wenn dein:e Partner:in beim Sex das Kondom abnimmt, ohne es dir mitzuteilen), wird deine ursprüngliche Zustimmung ungültig.

  • Fortlaufend: Es gibt keine pauschale Zustimmung, auch wenn du schon einmal Sex mit dieser Person hattest oder mit ihr sexuelle Handlungen vorgenommen hast. Die Zustimmung zu einer sexuellen Aktivität bedeutet nicht, dass du dich damit einverstanden erklärst, diese in Zukunft zu wiederholen, oder dass du anderen sexuellen Aktivitäten zustimmst. Die Zustimmung ist jedes Mal für jede spezifische Aktivität erforderlich.

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2. Wie erteile ich meine Zustimmung?

Die klarste Art, eine Einwilligung zu geben, ist direkt und mündlich. Es mag sich zwar entmutigend anfühlen, bei jedem Sex oder jeder sexuellen Aktivität seine Zustimmung zu geben – doch das muss keine lange Diskussion sein. Hier sind einige Möglichkeiten, wie du deine Zustimmung zum Ausdruck bringen kannst:

  • Sage "Ja" oder verwende eine bejahende Formulierung wie "Ich will" oder "Lass uns das ausprobieren".

  • Gib positives Feedback, wenn du dich dabei wohlfühlst, indem du bestätigende Sätze wie "Das fühlt sich gut an" oder "Mach weiter" verwendest.

  • Du kannst deine Zustimmung auch auf nonverbale Weise wie z. B. durch Nicken geben, wenn du möchtest, dass dein:e Partner:in mit dem, was er:sie tut, weitermacht. Sei dir jedoch bewusst, dass körperliche Signale missverstanden oder ignoriert werden können. Deswegen ist es eine gute Idee, zusätzlich zu den nonverbalen Hinweisen auch Worte zu verwenden.

3. Wie kann ich meine Zustimmung verweigern oder zurückziehen?

Die beste Art, Nein zu sagen, ist direkt und verbal. Du kannst Nein sagen, wenn ein:e Partner:in Sex oder eine sexuelle Aktivität vorschlägt oder jederzeit während des Sexes oder einer sexuellen Aktivität. Es ist nie zu spät, deine Zustimmung zurückzuziehen. Du kannst auf folgende Weise zum Ausdruck bringen, dass du mit einer sexuellen Handlung nicht einverstanden bist:

  • Sage "Nein" oder "Stopp", oder verwende Sätze wie "Ich will nicht", "Ich muss darüber nachdenken" oder "Können wir das später besprechen?"

  • Gib Feedback, indem du Sätze wie "Das gefällt mir nicht, kannst du stattdessen das ausprobieren?", "Das funktioniert für mich nicht" oder "Ich würde lieber..." verwendest.

  • Möglicherweise fühlst du dich wohler, wenn du deine Zustimmung durch körperliche Signale zurückziehst. Wenn du beispielsweise die Hände deines:r Partners:in stoppst oder wegziehst, kannst du damit zum Ausdruck bringen, dass du mit einer Handlung nicht einverstanden sind (1). Sei dir jedoch bewusst, dass körperliche Signale missverstanden oder ignoriert werden können. Deswegen ist es eine gute Idee, zusätzlich zu den nonverbalen Hinweisen auch Worte zu verwenden. Dein:e Partner:in sollte auf alle Anzeichen reagieren, die darauf hindeuten, dass du nicht einverstanden bist – wenn du dir nicht sicher bist, ob er:sie dich versteht, versuche stattdessen, dich verbal mitzuteilen.

4. Wie stelle ich sicher, dass ich die Zustimmung des:r Partners:in habe?

Der beste Weg, um herauszufinden, ob dein:e Partner:in zustimmt, ist zu fragen. Eine klare verbale Kommunikation und die Aufmerksamkeit für die Bedürfnisse, die Stimmung und die Körpersprache des:r Partners:in sind wichtig, um sicher zu sein, dass eine Einwilligung vorliegt. Die Kommunikation ist oft einfacher, wenn wir unsere Sexualpartner:innen gut kennen. Deshalb ist es besonders wichtig, bei neuen Partner:innen aufmerksam zu sein. Anhand der folgenden Möglichkeiten kannst du u. a. sicherstellen, dass dein:e Partner:in den sexuellen Aktivitäten zustimmt:

  • Frage immer nach einer Einwilligung, bevor du mit dem Sex beginnst oder eine sexuelle Handlung durchführst. Gehe nicht einfach davon aus, dass du weißt, was dein:e Partner:in mag, oder dass er:sie etwas mag, weil es dir oder einem:r früheren Partner:in gefallen hat. Frage stattdessen nach!

  • Vergewissere dich beim Sex oder einer sexuellen Aktivität bei deinem:r Partner:in, dass alles in Ordnung ist. Frage nach, ob er:sie weitermachen möchte oder ob du etwas anders machen sollst. Lasse deine:n Partner:in wissen, dass du jederzeit aufhören kannst.

  • Achte auf nonverbale Signale deines:r Partners:in. Halte inne und frage nach, wenn dein:e Partner:in still wird, abgelenkt ist, sich unwohl fühlt, verärgert ist oder nicht auf dich eingeht. Es kann zu sexuellen Übergriffen kommen, wenn der:die Partner:in nicht auf nonverbale Signale achtet (2).

  • Verzichte auf Sex oder sexuelle Aktivitäten mit Partner:innen, die im Rausch sind. Menschen, die unter dem Einfluss von Drogen wie Alkohol stehen oder aus anderen Gründen nicht zurechnungsfähig sind, können keine Einwilligung geben.

  • Besprich Trigger/Auslöser. Wenn du weißt, dass dein:e Partner:in Gewalt in der Beziehung oder ein sexuelles Trauma erlebt hat, kannst du mit ihm:ihr über seine:ihre Grenzen und Trigger sprechen und herausfinden, wie er:sie beim Sex oder bei sexuellen Handlungen behandelt werden möchte (3).

5. Kann ich meine Meinung ändern, nachdem ich bereits eingewilligt habe?

Ja! Du kannst jederzeit deine Meinung ändern. Du musst nicht mit etwas weitermachen, das unangenehm oder schmerzhaft ist oder in irgendeiner Weise keinen Spaß macht. Es ist auch in Ordnung, einfach keine Lust mehr zu haben.

6. Was, wenn mein:e Partner:in versucht, mich umzustimmen?

Du solltest nie etwas tun, nur weil jemand anderes es von dir verlangt. Sag nein, wenn du dich bei dem Gedanken an eine sexuelle Aktivität oder eine:n Partner:in ängstlich, unwohl oder unsicher fühlst.

7. Was, wenn der:die Partner:in beleidigt ist, wenn ich "Nein" sage?

"Nein" zu sagen, ist Ausdruck einer persönlichen Grenze und nicht einer Ablehnung der anderen Person. Diese Grenze hilft dir, deine körperliche Selbstständigkeit zu bewahren und trennt eine sichere von einer unsicheren Situation.

Es ist auch in Ordnung, wenn die Gefühle eines:r Partners:in verletzt werden, wenn du "Nein" sagst. Du kannst erklären, wie wichtig Grenzen in jeder Beziehung sind, und ihn:sie ermutigen, auch seine:ihre Grenzen zu kommunizieren. Es ist nicht in Ordnung, wenn ein:e Partner:in das Gefühl der Verletzung oder Beleidigung ausnutzt, um dich dahingehend manipulieren, dass du etwas tust, was du nicht tun willst. Dies ist eine Form der sexuellen Nötigung und kann ein Zeichen für eine unsichere Beziehung sein.

Sexuelle Nötigung beschreibt jeden Fall, in dem eine Person eine andere Person gegen ihren Willen zum Sex drängt oder zwingt. Sie kann viele Formen annehmen. Sexuelle Nötigung in einer Beziehung ist eine Form von Gewalt in der Partnerschaft, d. h. "ein Verhaltensmuster, das von einem:r Partner:in angewandt wird, um Macht und Kontrolle über eine:n andere:n Partner:in in einer intimen Beziehung zu erhalten". Solltest du dir Sorgen über Gewalt in der Partnerschaft machen, sprich mit einem:r Berater:in und unternimm die zu deiner Sicherheit notwendigen Schritte.

8. Was, wenn ich eingewilligt habe, mich aber nach dem Sex oder einer sexuellen Aktivität seltsam fühle?

Keine Panik. Die Einwilligung ist ein wichtiger Bestandteil einer positiven sexuellen Erfahrung, aber sie ist nicht immer eine Garantie dafür. Wir sind komplexe Wesen, unsere Gefühle ändern sich und unser Körper kann unberechenbar seinAlle möglichen sich entwickelnden Faktoren können sich im Augenblick selbst und in der Zukunft darauf auswirken, wie du über deine Erfahrungen denkst, so auch die Reaktionen eines:r Partners:in, die Machtdynamik, dein Gefühl von Vertrauen, dein Menstruationszyklen und dein Selbstwertgefühl. Es kann sein, dass manche Erfahrungen, von denen du glaubtest, dass sie dir gefallen könnten oder mit denen du einverstanden warst, dir letzten Endes doch keinen Spaß machen oder sich nicht angenehm für dich anfühlen. Das kann man nicht immer im Voraus wissen, und das gehört dazu, wenn man seine eigenen Wünsche und Grenzen kennen lernt. Sprich mit deinem:r Partner:in oder einer Person deines Vertrauens über deine Gefühle, um aus ihnen zu lernen. Würdest du unter anderen Umständen Sex mit einem:r bestimmten Partner:in ausprobieren? Wenn ja, überlege dir, wie du dies mitteilen kannst, damit ihr beim nächsten Mal gemeinsam ein angenehmeres Erlebnis haben könnt.

Solltest du feststellen, dass du einer sexuellen Handlung zugestimmt hast, weil du dich unter Druck gesetzt gefühlt hast oder um einen Streit zu vermeiden, dann wurde deine Einwilligung nicht freiwillig gegeben. Dies kann eine Gelegenheit sein, über deine Bedürfnisse zu sprechen und darüber, wie dein:e Partner:in dich unbeabsichtigt unter Druck setzt. Wenn dein:e Partner:in nicht bereit ist, dieses Gespräch zu führen, oder wenn dies ein Verhaltensmuster ist, kann das ein Zeichen für eine unsichere Beziehung sein. Achte auf die Warnzeichen unsicherer Beziehungen und überlege dir Maßnahmen, auf die du zurückgreifen kannst, um deine Sicherheit zu gewährleisten oder sprich mit einem:r Berater:in.

Wenn du Opfer eines sexuellen Übergriffs oder einer sexuellen Handlung geworden bist, der du nicht zugestimmt hast, kannst du mit einem:r Berater:in sprechen und dich zum weiteren Vorgehen beraten lassen. Rufe dazu unter der Nummer 0800 22 55 530 das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch an oder wende dich an das Hilfe-Portal Sexueller Missbrauch. Ressourcen in anderen Ländern findest du auf Hot Peach Pages.

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