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Hormone, vaginale Trockenheit und Körpergeruch: Was ist häufig?
Fragen & Antworten mit einer Expertin: eine Gynäkologin erklärt, wie hormonelle Veränderungen deinen Körper beeinflussen – und wie du sicher für ihn sorgen kannst
Die Intimpflege von Frauen rückt zunehmend in den Fokus der allgemeinen Diskussion über hormonelle Gesundheit und das tägliche Wohlbefinden – parallel zu einem rasant wachsenden Markt für Intimpflegeprodukte.
Damit gehen Fragen zu Symptomen wie vaginaler Trockenheit, Reizungen und Veränderungen des Körpergeruchs einher, und es besteht ein wachsender Bedarf an klaren, wissenschaftlich fundierten Informationen darüber, was „normal“ ist und was durch hormonelle Veränderungen in verschiedenen Lebensphasen beeinflusst werden kann.
Um diese Fragen zu beantworten, haben wir mit der Gynäkologin und Clue-Wissenschaftsautorin Marcella Israel gesprochen. Sie erklärt, was diese Veränderungen verursacht, ob Intimpflegeprodukte helfen können und wann Symptome auf ein zugrunde liegendes Problem hindeuten können.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
Hormonelle Veränderungen können vaginale Trockenheit, Hautempfindlichkeit und Körpergeruch beeinflussen
Die Vagina ist ein selbstreinigendes Organ. Vermeide das Waschen oder Reinigen im Inneren
Wähle sanfte, parfümfreie Produkte für die äußere Pflege
Gleitmittel auf Wasserbasis sind für die meisten Menschen die sicherste Option
Ein starker oder ungewöhnlicher Geruch kann auf eine Infektion (wie bakterielle Vaginose) hindeuten und sollte untersucht werden
1. Gibt es Veränderungen darin, wie Patientinnen mit vaginaler Gesundheit, Trockenheit, Reizungen und Körpergeruch umgehen?
Ja, ich habe definitiv eine Verschiebung hin zu proaktiveren, selbstbestimmten Gesprächen über Gesundheit bemerkt. Viele Menschen sind besser über Themen wie Körpergeruch informiert und verstehen, dass natürliche physiologische Gerüche nichts sind, wofür man sich schämen müsste.
Ich sehe auch selten schädliche Hygienepraktiken wie die Verwendung aggressiver Produkte an der Vulva oder im Inneren der Vagina. Ich beobachte, dass sich immer mehr Menschen trauen, über Symptome wie vaginale Trockenheit, Reizungen oder Juckreiz zu sprechen. Diese Symptome können unangenehm sein, sind aber auch weit verbreitet, insbesondere während hormoneller Veränderungen im Menstruationszyklus, in der Perimenopause und anderen Lebensphasen. Es wächst auch das Bewusstsein dafür, wie Hormone den Körper insgesamt beeinflussen. Die Menschen stellen durchdachtere Fragen und suchen nach Möglichkeiten, ihre Gesundheit zu fördern, manchmal auch jenseits pharmazeutischer Optionen. Dieser Wandel von schamgeprägten Arztbesuchen hin zu Neugier und Engagement ist eine wirklich positive Veränderung im medizinischen Bereich.
2. Worauf solltest du bei der Auswahl von Intimpflegeprodukten achten?
Wenn es um die Auswahl von Intimpflegeprodukten geht, lautet mein erster Ratschlag: Weniger ist mehr.
Die Vagina ist ein selbstreinigendes Organ mit einem fein ausbalancierten Ökosystem aus Bakterien und einem spezifischen pH-Wert. In den meisten Fällen kann das Einführen von Produkten (ja, sogar Wasser) dieses Gleichgewicht stören und möglicherweise zu Reizungen oder Infektionen führen.
Stattdessen konzentriere ich mich darauf, den Menschen zu helfen, zu verstehen, was „normal“ ist und was nicht. Aufklärung über die grundlegende Anatomie und Physiologie der Vulva und Vagina ist sehr wirkungsvoll. Ich rate dazu, potenzielle Reizstoffe wie parfümierte Seifen, aggressive Waschmittel und Produkte mit unnötigen Zusatzstoffen zu vermeiden.
Wenn Leute nach externen Produkten wie Gleitmitteln suchen, empfehle ich, wasserbasierte Optionen zu wählen, die frei von Parabenen, Propylenglykol, Farbstoffen und Duftstoffen sind. Diese beeinträchtigen das vaginale Milieu weniger.
Manche Leute finden auch, dass Vaseline oder Kokosöl bei Trockenheit im Vulvabereich helfen. Diese Mittel können hilfreich sein, vor allem weil sie meist einen neutralen pH-Wert haben und im Allgemeinen gut vertragen werden – sie sollten jedoch niemals mit Latex-Kondomen verwendet werden, da sie das Material schwächen können.
3. Wie wirken sich Hormone auf den Körpergeruch im Vaginal- und Achselbereich aus, und wie kann man mit diesen Veränderungen umgehen?
Hormonelle Schwankungen, insbesondere Veränderungen bei Östrogen und Progesteron, können Schweiß- und Talgdrüsen beeinflussen. Dies kann sich auf den Körpergeruch auswirken, vor allem in den Achselhöhlen und im Genitalbereich. Diese natürlichen Sekrete interagieren mit Bakterien auf der Haut, was den Körpergeruch verändern kann.
Menstruationsausfluss kann ebenfalls einen deutlichen Geruch haben, was völlig normal ist. Ein starker oder „fischiger“ Geruch, besonders wenn er mit Juckreiz, ungewöhnlichem Ausfluss, Schmerzen oder Fieber einhergeht, kann jedoch ein Anzeichen für eine Infektion sein, wie z. B. bakterielle Vaginose (BV), und sollte von einer medizinischen Fachkraft untersucht werden.
Um den natürlichen Geruch in den Griff zu bekommen und dich wohlzufühlen:
Trage atmungsaktive Stoffe wie Baumwollunterwäsche
Vermeide nach Möglichkeit enge oder synthetische Kleidung
Verwende milde, parfümfreie Körperwaschmittel
Wechsle Menstruationsprodukte regelmäßig
Letztendlich ist es ein wichtiger Teil der Gesundheitsvorsorge, zu wissen, was für deinen Körper normal ist, und dich dabei wohlzufühlen, darüber zu sprechen.
Wann du eine medizinische Fachkraft aufsuchen solltest
Wende dich an eine medizinische Fachkraft, um einen individuellen Behandlungsplan zu erstellen, wenn du Folgendes feststellst:
Anhaltender Juckreiz
Ungewöhnlicher Ausfluss
Schmerzen oder Beschwerden
