Illustration einer Spermiengruppe auf dem Weg zu einer Tür.

Illustration: Marta Pucci

Fruchtbarkeit

Kann ich vom Lusttropfen schwanger werden?

*Übersetzung: Judith Quijano

Viele Menschen stellen sich die Frage, ob sie vom Lusttropfen schwanger werden können. Die kurze Antwort lautet Ja.

Um die Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft durch den Lusttropfen (Präejakulat) zu ergründen, müssen wir erst die Effizienz der Rausziehmethode definieren, der Existenz von Spermien im Lusttropfen auf den Grund gehen und erläutern, für wen die Rausziehmethode geeignet ist und für wen nicht.

Man spricht von der Rausziehmethode, vom Coitus interruptus oder unterbrochenen Sex als Verhütungsmittel, wenn ein Partner seinen Penis vor dem Ejakulieren aus der Vagina der Partnerin zieht und weg von den Genitalien der Partnerin bewegt. Das ist in der Regel beim oder rund um den Zeitpunkt des Orgasmus der Fall. Bei den meisten gesunden Menschen enthält Ejakulat ausreichend Spermien, um eine Schwangerschaft bei einer Person zu bewirken. Indem der Penis rausgezogen wird, sollte das Ejakulat theoretisch niemals die Eizelle der Partnerin erreichen, wodurch eine Schwangerschaft verhindert würde. Kein Sperma, kein Problem.

an image of 3 mobile screens of the Clue app

Lade Clue herunter, um deine fruchtbaren Tage zu tracken.

  • Lade die Clue App im App Store herunter
  • Lade die Clue App im Play Store herunter

4.8

Ein Bild einer Fünf-Sterne-Bewertung

über 2M+ Bewertungen

Ist die Rausziehmethode effizient, um eine Schwangerschaft zu verhindern?

Im Allgemeinen wird die Rausziehmethode nicht als sehr effiziente Verhütungsmethode angesehen. Von 100 Personen, die nur mit der Rausziehmetode verhüten, werden innerhalb eines Jahres geschätzt 10 bis 27 schwanger (1, 2). Selbst bei einer theoretisch "perfekten" Anwendung werden geschätzt 4 von 100 Personen in einem Jahr schwanger – genau diese "perfekte" Anwendung kann jedoch das Problem sein (1, 2). Theoretisch sollte die Rausziehmethode also funktionieren (kein Sperma, kein Problem, richtig?). Warum sind dann die Schwangerschaftsquoten bei der Rausziehmethode so hoch?

Ein Grund ist, dass es für manche Menschen schwierig ist, die Rausziehmethode anzuwenden. Es ist leicht zu vergessen, den Penis im richtigen Moment rauszuziehen. Alternativ könnte es sein, dass die Person sich nicht darüber bewusst ist, dass sie kurz vor dem Ejakulieren steht und dann ist es zum Rausziehen schon zu spät (1, 2). Ein korrektes Rausziehen bei jedem Geschlechtsverkehr erfordert ein hohes Maß an Kontrolle und Selbstwahrnehmung vonseiten des Rausziehenden und ein großes Vertrauen vonseiten der Partnerin. Die Kontrolle der Anwendung dieser Methode liegt vollständig in der Hand einer Person und es ist unmöglich, im Nachhinein zu beurteilen, ob die Methode korrekt angewandt wurde.

Ein weiterer, häufig aufgezeigter Grund ist, dass Sperma im Präejakulat (oder Lusttropfen) vorhanden sei (3). Das Präejakulat wird vor dem Ejakulat als Gleitmittel für den Sex freigesetzt und hilft dabei, den Säurehaushalt in der Harnröhre im Gleichgewicht zu halten, denn die männliche Harnröhre kommt sowohl beim Urinieren als auch bei der Übertragung von Sperma zum Einsatz. Die Fragen, ob der Lusttropfen Spermien enthält und ob diese Spermien tatsächlich zu einer Schwangerschaft führen können, wurden noch nicht ausreichend wissenschaftlich beleuchtet und bestehende Studien sind diesbezüglich nicht immer einer Meinung (3-8). Die kurze Antwort lautet Ja: Der Lusttropfen kann Spermien freisetzen, aber: Das muss nicht für jeden Menschen Gültigkeit haben.

Beinhaltet der Lusttropfen (Präejakulat) Spermien?

Im Frühjahr 2019 war der Forschungsstand, dass lediglich 5 Studien den Spermiengehalt von Präejakulat untersucht hatten. In zwei von diesen Studien wiesen keine der Teilnehmer:innen Spermien in ihrem Lusttropfen auf (6, 7). In den drei anderen Studien wurden bei 16 bis 41 Prozent der Teilnehmer:innen Spermien im Präejakulat festgestellt (3-5). Die Menge Sperma, die in diesen Studien gemessen wurde, war gering und womöglich hätte nicht jedes Sperma ausgereicht, um eine Eizelle zu befruchten (3-5) – das Risiko einer Schwangerschaft hätte es jedoch weiterhing gegeben.

Es gibt mehrere Gründe, aus denen die Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen gekommen sind. In einer Studie fanden die Forscher:innen heraus, dass jene Personen, die Spermien im Lusttropfen produzierten, immer Spermien in ihrem Präejakulat aufwiesen, während jene, die kein Sperma in ihrem Lusttropfen produzierten, nie Spermien in ihrem Präejakulat hatten (3). Aufgrund der Tatsache, dass die Anzahl der Studienteilnehmer:innen klein war (an allen Studien waren weniger als 45 Teilnehmer beteiligt), ist es möglich, dass manche Studien zufälligerweise keine Teilnehmer:innen berücksichtigten, die Spermien in ihrem Präejakulat aufwiesen. Zudem unterschieden sich die angewandten Forschungsmethoden und eingesetzen Laborgeräte in den jeweiligen Studien voneinander, sodass es möglich ist, dass in manchen Fällen Sperma zerstört wurde und daher unmöglich zu untersuchen war (3).

Es wird häufig berichtet, dass der Lusttropfen übrig gebliebenes Sperma von vorigen Ejakulationen ist und dass Urinieren vor dem Sex zur Folge hat, dass kein Sperma im Präejakulat aufzufinden ist (3). Das scheint jedoch nicht richtig zu sein.

In der Studie, in der 41 % der Teilnehmer:innen Sperma in ihrem Präejakulat aufwiesen, hatten alle Teilnehmer:innen laut Forscher:innen vor der Abgabe ihrer Probe uriniert (3). Das bedeutet, dass das Sperma in ihrem Präejakulat "neues" Sperma war oder, was unwahrscheinlicher ist, dass Urinieren die Harnröhre nicht vollkommen von Sperma voriger Ejakulationen befreit.

Kein Sperma, keine Schwangerschaft, kein Problem?

Die Rausziehmethode ist als Verhütungsmittel beliebt. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie kostenlos ist und keine Planung erfordert (man braucht kein ärztliches Rezept oder muss davor in ein Geschäft gehen). Ihre Anwendung variiert jedoch je nach Alter, Herkunft und Land (9, 10). Außerdem ist sie nicht beliebter als andere Methoden. In den USA greifen 6 von 10 Frauen mindestens ein Mal in ihrem Leben auf die Rausziehmethode zurück, während 9 von 10 Frauen mindestens ein Mal in ihrem Leben ein Kondom verwenden (9). In Europa variiert die Anwendung der Rausziehmethode (ohne jede andere Art der Verhütungsmethode) je nach Land von 1 bis 33 von 100 Personen. Die Spirale hingegen wird zwischen 9 und 24 von 100 Personen verwendet (10). Außerdem nutzen viele Menschen, die die Rausziehmethode anwenden, nicht nur dieses Mittel, sondern kombinieren es mit Kondomen, Spermiziden und/oder periodischer Enthaltsamkeit (z. B. kein Sex während bestimmter Zeiten) (9,10).

Die Rausziehmethode kann für manche Menschen eine effiziente Verhütungsmethode sein. Die Partner, für die die Rausziehmethode am besten funktioniert, sind:

  • Menschen, die die Anzeichen einer bevorstehenden Ejakulation zu deuten wissen,

  • Menschen, die ausreichend Selbstdisziplin haben, um den Penis rauszuziehen, obwohl die Versuchung groß ist, es nicht zu tun,

  • Menschen, die einander ausreichend vertrauen, um die Methode wie vereinbart anzuwenden und die mögliche Fehler kommunizieren,

  • Menschen, die kein Sperma in ihrem Lusttropfen aufweisen.

Während die ersten drei Fälle Bedingungen darstellen, die ein Mensch lernen und ausbauen kann, ist es ohne ein Labor unmöglich, zu wissen, ob eine Person Sperma in ihrem Präejakulat aufweist oder nicht.

Natürlich ist eine Schwangerschaft nicht das Einzige, worüber man sich beim Sex Sorgen machen muss. Selbst, wenn im Lusttropfen einer Person kein Sperma vorhanden ist, kann dieser dennoch das Humane Immundefizienz-Virus (HIV) (1, 6, 7) und potentiell andere sexuell übertragbare Krankheiten (STI) weitergeben.

Wenn du darüber nachdenkst, die Rausziehmethode mit deinem/deinen Partner(n) anzuwenden, ist es ratsam, vorab darüber nachzudenken, ob eine potentielle Schwangerschaft für dich in Ordnung wäre und dich vor der Anwendung auf STI testen zu lassen. Solltest du und dein(e) Partner negativ auf sexuell übertragbare Krankheiten getestet worden sein (im Übrigen ist das der einzige Weg für sexuell aktive Personen, dies mit Sicherheit zu wissen, da viele STI ohne spürbare Symptome einhergehen) und eine potentielle Schwangerschaft für dich kein Problem darstellen, könnte die Rausziehmethode das Richtige für dich sein. Für einen zusätzlichen Schutz könntest du im Vorhinein Notfallverhütung kaufen und diese Zuhause aufbewahren, für den Fall, dass die Rausziehmethode nicht rechtzeitig funktioniert hat.

Solltest du und/oder dein Partner absolut sicher sein, dass eine Schwangerschaft jetzt (oder überhaupt) keine Option ist und ihr euch über euren STI-Status unsicher sein, ist die Rausziehmethode vermutlich nicht das Richtige für euch.

Ganz gleich, welche Verhütungsmethode oder STI-Prävention du verwendest – anhand von Clue kannst du deine sexuellen Gewohnheiten, Anzeichen einer Schwangerschaft und STI-Symptome tracken.

Dieser Artikel wurde das erste Mal am 22. November 2017 veröffentlicht.

An illustration of a hand pressing a button

Let's support one another.

and champion menstrual health together. Make an impact today in one click.

An illustration of a hand pressing a button

Das könnte dich auch interessieren

Beliebte Artikel