Illustration: Katrin Friedeman
Wie sicher ist die Rausziehmethode?
Die Rausziehmethode, auch Coitus interruptus genannt, hat einige erhebliche Nachteile.

Die Rausziehmethode, auch „Coitus interruptus“ genannt, ist eine Verhütungsmethode, die schon seit der Antike angewendet wird und auch heute noch weit verbreitet ist (1). Dafür brauchst du weder Spritzen noch Pillen, Arztbesuche oder auch nur ein Kondom. Das klingt für die meisten Menschen erst einmal ziemlich gut. Allerdings hat die Rausziehmethode auch einige erhebliche Nachteile. Doch wie funktioniert sie eigentlich und wie sicher ist sie? Schauen wir uns ihre Vor- und Nachteile genauer an.
Wie sicher ist die Rausziehmethode?
Bei typischer Anwendung liegt die Versagerquote der Rausziehmethode bei bis zu 27 % (1). Das bedeutet, dass etwa 27 von 100 Frauen, die diese Methode ein Jahr lang anwenden, ungewollt schwanger werden.
Bei perfekter Anwendung liegt die Versagerquote der Rausziehmethode bei 4 % (1). Im Alltag läuft allerdings selten alles perfekt. Damit die Methode richtig funktioniert, muss dein Partner den Penis vor dem Samenerguss aus der Vagina ziehen und darauf achten, dass weder das Ejakulat (Sperma) noch der Lusttropfen (Präejakulat) mit der Vagina oder Vulva in Kontakt kommen.
Das erfordert von deinem Partner viel Selbstbeherrschung und ein gutes Gespür für den eigenen Körper. Kommen dann noch etwas Alkohol oder besonders viel Leidenschaft hinzu, kann die Vernunft in der Hitze des Gefechts schnell auf der Strecke bleiben. Das sind einige der Gründe, warum die Rausziehmethode bei typischer Anwendung so wenig zuverlässig ist.
Kannst du dich bei der Rausziehmethode mit einer STI anstecken?
Wenn du die Rausziehmethode ohne eine Barrieremethode (wie ein externes Kondom) anwendest, schützt sie dich nicht vor STIs (sexuell übertragbaren Infektionen). Außerdem verhindert sie nicht, dass Spermien im Lusttropfen oder Ejakulat eine Eizelle befruchten.
Wenn ihr keine Barrieremethode verwendet, ist es besonders wichtig, den STI-Status deines Partners oder deiner Partnerin zu kennen. Dafür musst du bereits einiges über die sexuelle Gesundheit der anderen Person wissen. Die Rausziehmethode ist deshalb weniger geeignet, wenn du mit jemandem Sex hast, den du gerade erst kennengelernt hast. Wenn du befürchtest, dass du oder die andere Person eine STI haben könntet, kann ein Test für Klarheit sorgen.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Lusttropfen, auch Präejakulat genannt. Dabei handelt es sich um eine kleine Menge Flüssigkeit, die bei sexueller Erregung noch vor dem Samenerguss austritt (2). Eine Studie zeigt, dass mehr als ein Drittel der untersuchten Präejakulatproben Spermien enthielt (2).
Zwar ist die Anzahl der Spermien im Lusttropfen im Vergleich zum Ejakulat relativ gering. Trotzdem solltest du dir bewusst sein, dass du mit der Rausziehmethode sowohl hinsichtlich einer ungewollten Schwangerschaft als auch einer STI ein Risiko eingehst (2).
Mit deinem Partner oder deiner Partnerin über die Rausziehmethode sprechen
Damit die Rausziehmethode möglichst zuverlässig funktioniert, muss die Person, die Spermien produziert, viel Selbstbeherrschung haben und die Signale des eigenen Körpers gut kennen. Deshalb ist es wichtig, dass du dich darauf verlassen kannst, dass dein Partner oder deine Partnerin diese Voraussetzungen mitbringt.
Hilfreich ist auch, wenn ihr ähnliche Vorstellungen und Werte teilt und euch darüber einig seid, wie ihr mit einer ungeplanten Schwangerschaft umgehen würdet.
Manche Menschen bevorzugen die Rausziehmethode gegenüber Kondomen, weil sie diese als unangenehm empfinden oder das Gefühl haben, dass sie die Lust und Intimität beim Sex verringern (3,4).
Die möglichen Folgen einer unzuverlässigen Verhütungsmethode – eine ungeplante Schwangerschaft, eine Fehlgeburt, ein Schwangerschaftsabbruch oder das Austragen einer Schwangerschaft – können jedoch weitaus schwerwiegender sein als die leichten Unannehmlichkeiten, die das Tragen eines Kondoms mit sich bringen kann.
Diese möglichen Konsequenzen solltest du nicht unterschätzen. Es kann helfen, offen mit deinem Partner oder deiner Partnerin über deine Bedenken zu sprechen. Du kannst dich auch an medizinisches Fachpersonal oder eine Person wenden, der du vertraust.
Solltest du die Rausziehmethode verwenden?
Die Rausziehmethode kann in Kombination mit einer anderen Verhütungsmethode, beispielsweise der Pille oder einem Kondom, wirksam sein. Die Anwendung von zwei Verhütungsmethoden bietet einen sogenannten „doppelten Schutz“.
Die Notfallverhütung ist eine häufig genutzte Möglichkeit, wenn weniger zuverlässige Verhütungsmethoden wie Diaphragmen, Spermizide oder die Rausziehmethode angewendet wurden (5). Allerdings muss die Notfallverhütung innerhalb der ersten 72 Stunden nach dem Sex angewendet werden (5).
Das Wichtigste zur Rausziehmethode: Sie schützt weder zuverlässig vor ungewollten Schwangerschaften noch vor sexuell übertragbaren Infektionen. Sie kann besser sein als gar keine Verhütung, ist aber für die meisten Menschen wahrscheinlich nicht die beste Wahl.
Ursprünglich veröffentlicht am 10. August 2016. In einer früheren Version dieses Artikels wurde fälschlicherweise angegeben, dass eine Versagerquote von 27 % bedeutet, dass es bei 27 von 100 Anwendungen der Rausziehmethode zu einer Schwangerschaft kommt. Tatsächlich bedeutet sie, dass 27 von 100 Frauen, die diese Methode ein Jahr lang anwenden, ungewollt schwanger werden.