Lässig gekleidete Frau sitzt im Stuhl mit den Händen zusammen

Foto: Susi Vetter

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Was erwartet mich während eines Schwangerschaftsabbruchs?

Wenn du Zugang zu einer legalen Abtreibung hast, erfährst du hier, was dich erwartet.

by Hannah Reiser, OBGYN Reviewed by Dr. Ghazaleh Moayedi
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Schwangerschaftsabbrüche werden häufig vorgenommen. Schätzungen zufolge enden weltweit etwa drei von zehn Schwangerschaften mit einer Abtreibung (1). In den USA endet je nach den Umständen der Schwangerschaft wie z. B. einer ungewollten Schwangerschaft (3) eine bis zwei von fünf Schwangerschaften (2) mit einem Abbruch (3).

Bis zum Alter von 45 Jahren lässt durchschnittlich etwa eine von vier Frauen in den USA eine Abtreibung vornehmen (4).

In den USA fanden 2018 die meisten Schwangerschaftsabbrüche in den ersten neun Wochen der Schwangerschaft statt. Fast alle Abbrüche (9 von 10) erfolgen im ersten Trimester (d. h. in den ersten 13 Wochen der Schwangerschaft) (5). Ein Schwangerschaftsabbruch ist eine sichere und effektive Möglichkeit, eine Schwangerschaft zu beenden (6, 7, 8).

Es ist hilfreich zu wissen, was vor und während einem Schwangerschaftsabbruch zu erwarten ist. Tracken kann dir helfen, für dich selbst und deine:n Arzt oder Ärztin Aufzeichnungen zu führen, und dir ein Gefühl von Kontrolle während einer vielleicht ungewohnten, aber häufig gemachten Erfahrung geben.

Vielleicht hast du auch schon gehört, dass ein Schwangerschaftsabbruch als induzierter Abort bezeichnet wird. Dieser unterscheidet sie von einer Fehlgeburt, die manchmal auch als Spontanabort bezeichnet wird.

Der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen ist in vielen Teilen der Welt eingeschränkt oder bedroht. Weltweit betrachtet gehen sehr strenge Abtreibungsgesetze nicht mit niedrigeren Abtreibungsraten einher. In Ländern mit mehr Restriktionen gibt es mehr unregulierte, illegale und unsichere Abtreibungen (und die damit verbundenen Folgen). Dieser Artikel beschreibt den Ablauf eines Schwangerschaftsabbruchs in Gebieten, in denen der Zugang zu Schwangerschaftsabbrüchen ein Recht ist und zur umfassenden Gesundheitsversorgung gehört.

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Es kann sein, dass vor einem Schwangerschaftsabbruch die Menstruation ausbleibt und Symptome einer Schwangerschaft auftreten

Wenn deine Menstruation normalerweise recht regelmäßig ist, kannst du eine Schwangerschaft vermuten, sobald deine Menstruation nicht zum erwarteten Zeitpunkt eintritt.

Frühe Schwangerschaftssymptome vor einem Schwangerschaftsabbruch

Frühe Schwangerschaftssymptome werden durch hormonelle Veränderungen verursacht. Es gibt keinen "typischen" Zeitpunkt, zu dem erste Schwangerschaftssymptome auftreten – manche Menschen fühlen sich bereits ein oder zwei Wochen nach dem Ausbleiben der Menstruation anders, die meisten jedoch haben in der sechsten Schwangerschaftswoche erste Symptome. Diese Symptome treten in der Regel jeden Tag auf und halten an (9). Leichte Schmierblutungen können früh in der Schwangerschaft auftreten. Bis zu eine von vier Personen haben im ersten Schwangerschaftstrimester Schmierblutungen (10).

Was bei verschiedenen Schwangerschaftsabbrüchen zu erwarten ist

In bestimmten Kliniken hast du die Möglichkeit, zwischen einem medikamentösen Abbruch (auch als Abtreibungspille bekannt) und einer Vakuumaspiration (auch als chirurgischer Abbruch, Ausschabung, Absaugmethode und Kürettage bekannt) zu wählen (11). Deine Wahl kann davon abhängen, in der wievielten Woche du schwanger bist, wie lange das Verfahren dauert und ob du es vorziehst, hauptsächlich zu Hause oder in der Klinik zu sein (11). Empfehlungen und Methoden können auch von Land zu Land unterschiedlich sein.

Wenn du einen Termin für einen Schwangerschaftsabbruch wahrnimmst, kann die Klinik dich bitten, vorab mit einem:r Berater:in oder mit medizinischem Personal über deine Entscheidung zu sprechen. Diese Person sollte alle Fragen beantworten, die du hast, und dich über deine Verhütungsoptionen nach dem Schwangerschaftsabbruch informieren. Beachte jedoch, dass du kein Verhütungsmittel einsetzen musst, wenn du das nicht möchtest. Die Person wird auch sicherstellen wollen, dass deine Entscheidung deine eigene ist und dass du nicht von jemandem unter Druck gesetzt wirst.

Es kann sein, dass ein Arzt oder eine Ärztin eine körperliche Untersuchung und einige Tests durchführt. Dazu gehören manchmal auch Bluttests. Vielleicht wird ein Ultraschall durchgeführt, um festzustellen, wie weit deine Schwangerschaft fortgeschritten ist und welche Abbruchmöglichkeiten du hast. Du solltest schriftliche Anweisungen zu den Medikamenten sowie Informationen darüber erhalten, an wen du dich wenden kannst, wenn du Fragen hast, nachdem du nach Hause gegangen bist, und womit du während des und nach dem Schwangerschaftsabbruch rechnen solltest (11).

Vielleicht möchtest du dich auch auf eine Abtreibung vorbereiten, indem du einige beruhigende Dinge um dich herum hast. Wenn du den Abbruch in der Klinik vornehmen lässt und dir Beruhigungsmittel verabreicht wurden, solltest du auch dafür sorgen, dass dich jemand nach Hause fährt.

Was passiert bei einem medikamentösen Abbruch?

Ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch ist eine Abtreibung mit Hilfe von Pillen (11). Für den medikamentösen Schwangerschaftsabbruch gibt es zwei Möglichkeiten: Bei der einen werden Mifepriston und Misoprostol verwendet, bei der anderen nur Misoprostol. Beide Abbruchmethoden können durchgeführt werden, sobald eine Schwangerschaft beginnt, und sind in der Regel bis zur 10.-12. Schwangerschaftswoche und manchmal auch noch länger möglich – je nachdem, wo du lebst (11).

Meistens ist die erste Pille, die man einnimmt, ein Medikament namens Mifepriston: Es verhindert, dass das Progesteron die Schwangerschaft weiter unterstützt (12). Du erhältst im Anschluss ein weiteres Medikament, das du mit nach Hause nehmen kannst. An bestimmten Orten wird ein Nachsorgetermin ein oder zwei Wochen nach dem Abbruch vereinbart (12).

Zu Hause wirst du ein Medikament namens Misoprostol einnehmen. Misoprostol kann 6-72 Stunden nach Mifepriston eingenommen werden, aber der Zeitpunkt und die Art der Einnahme, die dein:e Arzt oder Ärztin empfiehlt, können von den örtlichen Gesetzen und der individuellen Medikamentenhistorie abhängen (11, 13, 14).

Misoprostol bewirkt, dass sich die Gebärmutter zusammenzieht/verkrampft und der Gebärmutterhals erweicht, wodurch die innere Auskleidung und der Inhalt abgestoßen werden. Das Medikament besteht aus einer bestimmten Art der Prostaglandine, die dem ähnelt, was regelmäßige Menstruationskrämpfe (und ähnliche Symptome) verursacht (12). Das Ausmaß der Krämpfe, Schmerzen und Blutungen kann intensiv sein und hängt davon ab, wie weit die Schwangerschaft schon fortgeschritten ist (15). Du kannst etwa eine halbe Stunde vor der Einnahme von Misoprostol ein Mittel gegen Übelkeit und vor dem oder während des Abbruchs ein Schmerzmittel (Ibuprofen) einnehmen (11). Verzichte auf Aspirin oder andere Schmerzmittel, die die Blutung verstärken könnten (11).

Medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche im ersten Trimester sind sicher und sehr effektiv. Mehr als 95 von 100 Personen, die einen medikamentösen Abbruch haben, benötigen keine weitere Behandlung (16, 17). In den wenigen Fällen, in denen die Pillen nicht vollständig wirken, wird eine weitere Pille oder eine Ausschabung als Folgemaßnahme eingesetzt. Schwerwiegendere Komplikationen sind sehr selten und treten in weniger als 0,4 von 100 Fällen auf (6, 17, 18).

Vorteile eines medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs:

  • Je nachdem, wo du lebst, kann ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch durchgeführt werden, sobald du weißt, dass du schwanger bist

  • So können Spritzen oder eine Narkose vermieden werden, und du hast wahrscheinlich eine gewisse Kontrolle darüber, wann du die zweite Pille nimmst

  • Es besteht die Möglichkeit, zu Hause (oder wo immer es am bequemsten ist) zu sein und den Raum so zu gestalten, dass er deinen Bedürfnissen entspricht

  • Du kannst wählen, ob du jemanden bei dir haben oder allein sein möchtest

  • Es gibt mehr Zeit und Raum, um die Erfahrung zu verarbeiten, wenn das für dich von Bedeutung ist

Risiken eines medikamentösen Schwangerschaftsabbruchs:

  • Der Prozess des Abbruchs dauert 1-2 Tage

  • Blutungen und Krämpfe können recht stark/schmerzhaft sein und länger andauern als bei einer Vakuumaspiration

  • Es kann sein, dass du dich fragst, ob deine Symptome normal sind, wenn du zu Hause bist, und das kann sehr belastend sein

  • Je nachdem, wo du lebst, sind medikamentöse Schwangerschaftsabbrüche in der Regel nicht so spät in der Schwangerschaft möglich wie andere Methoden

Was bei einem instrumentellen Abbruch passiert?

Eine Vakuumaspiration ist ein Verfahren, bei dem der Inhalt der Gebärmutter entfernt wird. Sie wird in einer Klinik oder einem Krankenhaus vorgenommen. Je nachdem, wo du lebst, ist eine Vakuumaspiration in der Regel in jedem Stadium der Schwangerschaft möglich, manche Kliniken bieten sie allerdings nicht mehr nach der 12. Woche an. Daher ist es wichtig, sich zu informieren (19). Sobald du weißt, in welcher Woche du schwanger bist, entscheidet sich, wann der Eingriff stattfinden kann. Bei manchen Menschen kann der Eingriff noch am selben Tag vorgenommen werden, andere müssen warten oder vielleicht ein anderes Mal wiederkommen, um sich auf den Eingriff vorzubereiten (19).

Zum Zeitpunkt des Eingriffs werden Medikamente wie z. B. ein Antibiotikum und Schmerzmittel zur Linderung der Krämpfe verabreicht. Ein:e Arzt oder Ärztin wird mit dir über die Möglichkeiten der Schmerzbehandlung sprechen. Du hast die Wahl, ob du während des Eingriffs völlig wach, schläfrig oder schlafend sein möchtest (11). Ein Lokalanästhetikum ist eine Injektion, die in den Gebärmutterhals gespritzt wird, um den Schmerz auszuschalten. Es lässt dich während des Eingriffs wach und bei Bewusstsein sein. Es kann mit einer Sedierung kombiniert werden, sodass du sehr schläfrig, aber bei Bewusstsein bist. Eine Vollnarkose versetzt dich in einen Tiefschlaf, ist aber bei routinemäßigen instrumentellen Abbrüchen nicht immer möglich (11). Sprich im Vorfeld mit deiner Klinik darüber, damit du weißt, welche Möglichkeiten du hast und was du erwarten kannst.

Während des Eingriffs wird dein Arzt deinen Bauchraum untersuchen. Wenn du eine Sedierung erhältst, wird dir das Medikament über einen kleinen Schlauch (IV) in den Arm oder auf den Handrücken verabreicht. Als Nächstes wird ein Spekulum in die Vagina eingeführt, um sie leicht zu öffnen, damit der Gebärmutterhals leicht erreicht werden kann (genau wie bei einem Pap-Test). Anschließend wird ein betäubendes Medikament in den Gebärmutterhals injiziert. Wenn du zu diesem Zeitpunkt noch keine Medikamente eingenommen hast oder noch keine osmotischen Dilatatoren eingesetzt wurden, um deinen Gebärmutterhals auf den Eingriff vorzubereiten, wird dein:e behandelnde:r Arzt oder Ärztin dies jetzt tun, indem er:sie einige Instrumente in verschiedenen Größen einführt, um den Gebärmutterhals zu öffnen. Dann wird ein langes, dünnes Instrument durch den Gebärmutterhals in die Gebärmutter eingeführt und mit einer Saugkürette oder Saugpumpe die innere Gebärmutterschleimhaut abgesaugt. So werden das Schwangerschaftsgewebe und der Embryo entfernt. Der Vorgang dauert in der Regel etwa 5 bis 10 Minuten. Nach dem Eingriff und nachdem du dich von der Narkose erholt hast (falls du eine bekommen hast), kannst du in der Regel recht schnell wieder nach Hause gehen (19, 20).

Aspirationsabbrüche im ersten Trimester sind sicher und äußerst effektiv: In 99 von 100 Fällen klappt alles beim ersten Mal (6). In seltenen Fällen kann eine weitere Behandlung erforderlich sein. Schwerwiegendere Komplikationen sind sehr selten und treten in weniger als 0,2 von 100 Fällen in den USA auf (6, 12).

Vorteile des instrumentellen Schwangerschaftsabbruchs:

  • Der Eingriff ist in wenigen Minuten beendet, und das Unbehagen hält nur kurz an, was durch die Narkose unterstützt wird

  • Es kommt zu weniger Blutungen als bei einem medikamentösen Abbruch

  • Das medizinische Personal ist bei dir und du brauchst möglicherweise nur einen Termin in der Klinik

  • Ein instrumenteller Abbruch kann manchmal später in der Schwangerschaft durchgeführt werden als ein medikamentöser Abbruch. Das hängt von den örtlichen Gesetzen und verfügbaren Kliniken ab. Die Methode ist etwas effektiver als ein medikamentöser Schwangerschaftsabbruch.

Risiken eines instrumentellen Schwangerschaftsabbruchs:

  • Es handelt sich um einen Eingriff, bei dem Instrumente durch die Vagina eingeführt werden, um den Gebärmutterhals zu öffnen und die Gebärmutterhöhle zu leeren.

  • Manchmal können Anästhetika und Schmerzmittel Nebenwirkungen auslösen

  • Du hast weniger Kontrolle über den Ablauf, die Atmosphäre des Raumes, die Position deines Körpers und vielleicht auch darüber, wer dich in den Raum begleiten kann

  • Das Absauggerät, das für den Eingriff verwendet wird, kann manchmal Geräusche verursachen und es ist hilfreich, das im Voraus zu wissen

  • Manche Kliniken bieten das Verfahren nicht so früh in der Schwangerschaft an wie den medikamentösen Abbruch

Emotionen und Abtreibung

Die Entscheidung für einen Schwangerschaftsabbruch kann leicht oder schwer sein. Für manche Menschen ist das eine sehr stressige Zeit, für andere eine unkomplizierte. Jeder Mensch und jede Situation ist anders. Schwangerschaftsabbrüche kommen sowohl bei erwünschten als auch bei unerwünschten Schwangerschaften vor und zwar aus einer Vielzahl von Gründen. Mit Freunden, der Familie oder dem Partner über die Entscheidung und Erfahrung zu sprechen, kann für manche Menschen hilfreich sein. Für andere kann es zu zusätzlichem Stress führen.

In einer großen Studie in den Vereinigten Staaten von Amerika wurde untersucht, ob die Personen ihre Abtreibungsentscheidung in den drei Jahren nach dem Abbruch als die richtige empfunden haben (21). Als sie zu verschiedenen Zeitpunkten in den drei Jahren nach ihrem Abbruch danach gefragt wurden, gaben etwa 99 von 100 Personen an, dass sie die richtige Entscheidung getroffen hatten (20). Die Betroffenen berichten, dass sie im Zusammenhang mit ihrem Schwangerschaftsabbruch manchmal sowohl positive Gefühle wie Erleichterung als auch negative Emotionen erleben. Die Stigmatisierung in der Gemeinschaft und der Mangel an sozialer Unterstützung können zu negativen Emotionen beitragen. Eine kürzlich in den USA durchgeführte Studie ergab, dass Menschen, denen eine gewünschte Abtreibung verweigert wurde, eher mit Armut, Gewalt in der Partnerschaft und gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hatten (21-23). Menschen, die einen gewollten Schwangerschaftsabbruch vornehmen lassen konnten, waren finanziell weniger belastet, konnten ihre Kinder in einem stabileren Umfeld aufziehen und wünschten sich mit größerer Wahrscheinlichkeit in der Zukunft weitere Kinder (21, 24).

Lies weitere Artikel aus unserer Serie über Schwangerschaftsabbrüche, um mehr darüber zu erfahren, was dich unmittelbar nach einem Abbruch und in den Wochen danach erwartet.

Was auch immer deine Entscheidung und deine Erfahrung mit einer Abtreibung ist, solltest du wissen, dass du damit nicht allein bist.

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