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Illustration: Marta Pucci

Abtreibung

Was dich in den Wochen nach einem (induzierten) Abort erwartet

Wenn du Zugang zu einer legalen Abtreibung hast, erfährst du hier, was dich erwartet.

*Übersetzung: Judith Quijano

Schwangerschaftsabbrüche sind üblich, sicher, wirksam und retten Leben (12). Als Fachärztin für Geburtshilfe und Gynäkologin, die sich um alle schwangeren Menschen – unabhängig vom Ergebnis ihrer Schwangerschaft – sorgt, ist dies das Wichtigste, was ich jedem Menschen nach seiner Abtreibung sagen kann.

Auch wenn die Gesetze in vielen Ländern der Welt für eine Abtreibung einen Besuch in einer Klinik vorschreiben, ist es für viele Menschen nicht notwendig, zur Durchführung eines Schwangerschaftsabbruchs persönlich in einer Klinik zu erscheinen. Die Zahl der Menschen, die nach dem Eingriff keine persönliche Nachsorge benötigen, ist noch höher. In diesem Artikel wird erläutert, was man aus der Perspektive und Meinung einer Geburtshelferin und Gynäkologin, die verschiedene Gemeinschaften in den USA im Bereich Abtreibung betreut, nach einem induzierten Abort erwarten kann. Die Informationen in diesem Artikel stellen keine individuelle medizinsche Beratung dar und ersetzen nicht die individuelle medizinsche Beratung, die du ggf. von deinem ärztlichen Fachpersonal erhalten hast.

Dr. Moayedi erklärt: Kontaktiere dein ärztliches Fachpersonal oder eine Beratungsstelle, wenn nach deinem Schwangerschaftsabbruch mehr als 4 Binden in 2 Stunden vollgesogen sind, du Schmerzen hast, die mit Medikamenten nicht zu bewältigen sind, du eine erhöhte Körpertemperatur von mehr als 38°C hast oder das Bewusstsein verlierst/in Ohnmacht fällst.

Im vorigen Artikel haben wir uns mit der Frage befasst, was dich unmittelbar nach einer Abtreibung erwartet. In diesem Artikel geht es um die Tage und Wochen nach dem Schwangerschaftsabbruch.

Ab wann kann ich nach einer Abtreibung wieder Verhütungsmittel verwenden?

Manche Menschen möchten direkt nach der Abtreibung wieder Verhütungsmittel einsetzen, während andere etwas abwarten oder ganz auf sie verzichten. Niemand sollte sich verpflichtet fühlen, in der Zeit rund um eine Abtreibung ein Verhütungsmittel zu verwenden und die Forschung deutet darauf hin, dass diese Phase für viele Menschen nicht der richtige Zeitpunkt ist, um über Verhütungsoptionen nachzudenken (10, 12). Eine Abtreibung ist keine "Lektion" – eine Abtreibung ist normaler Bestandteil deines reproduktiven Lebens. Do solltest dich nicht gedrängt fühlen, direkt nach einer Abtreibung ein Verhütungsmittel zu wählen, um einer weiteren Abtreibung "vorzubeugen". Es ist in Ordnung, abzutreiben. Es ist in Ordnung, mehrmals abzutreiben. Falls du nach einer Abtreibung ein neues Verhütungsmittel einsetzen möchtest, hängt der Zeitpunkt hierfür von der Abtreibungsmethode ab, die du gewählt hast.

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Verhütungsoptionen nach einem medikamentösen Abbruch

Mifepriston, das erste Präparat im Rahmen des medikamentösen Abbruchs ist ein Progesteron-Antagonist: Das bedeutet, dass es für kurze Zeit im Körper die Wirkung von Progesteron (dem Hormon, das eine Schwangerschaft aufrecht erhhält) blockiert (1, 2). Es herrscht Besorgnis darüber, dass Verhütungsmittel mit Progesteron oder Gestagen (der synthetischen Form von Progesteron) die Wirksamkeit von Mifepriston beeinträchtigen könnten. Da jedoch eine Schwangerschaft unmittelbar nach einem Schwangerschaftsabbruch nicht möglich ist (4), ist die Auswirkung von Mifepriston auf die Wirksamkeit von Verhütungsmitteln mit Progesteron oder Gestagen kein Grund zur Sorge. Forschungsergebnisse haben gezeigt, dass die Pille und das Hormonimplantat gleichzeitig mit Mifepriston angefangen werden können, ohne eine verringerte Wirksamkeit des medikamentösen Abbruchs befürchten zu müssen (2).

Die Verhütungsspritze schwächt die Wirkung des medikamentösen Abbruchs leicht ab (6). Das bedeutet jedoch nicht, dass es nicht möglich ist, die Verhütungsspritze zeitgleich mit dem medikamentösen Abbruch einzusetzen. Manche Personen nehmen das leicht erhöhte Risiko eines unvollständigen medikamentösen Abbruchs in Kauf, um zu einem späteren Zeitpunkt nicht erneut für die Verabreichung der Verhütungsspritze eine:n Arzt oder Ärztin aufsuchen zu müssen (11). Ich kläre die Patient:innen in der Regel über das Risiko auf, am selben Tag sowohl den medikamentösen Abbruch durchzuführen als auch die Verhütungsspritze zu erhalten und biete ihnen dann die Verhütungsspritze am selben Tag oder bei der Nachsorgeuntersuchung an. Eine Spirale kann nicht zeitgleich mit einem medikamentösen Abbruch eingesetzt werden, doch die Forschung hat ergeben, dass es möglich ist, eine Spirale kurz nach der Einnahme von Misoprostol und nach dem Abgang der Schwangerschaft einzusetzen (9). Es gibt keine wissenschaftlichen Erkenntnisse, die belegen, dass zwischen dem Abbruch und dem Einsetzen der Spirale 4-6 Wochen vergehen sollten. Ich setze die Spiralen in der Regel im Rahmen der Nachsorgeuntersuchung 1-2 Wochen nach dem Abbruch ein.

Du kannst nach einem instrumentellen bzw. chirurgischen Abbruch jede Art von Verhütungsmittel einsetzen

Es gibt keine Einschränkungen oder Bedenken bei der Anwendung eines Verhütungsmittels nach einem chirurgischen Abbruch. Sowohl die Pille als auch das Verhütungspflaster, der Ring, das Hormonimplantat, die Verhütungsspritze, die Spirale und eine chirurgische Sterilisation können allesamt zeitgleich zum instrumentellen Abbruch zum Einsatz kommen (2, 10). Die Pille, das Verhütungspflaster und der Ring können unmittelbar nach oder direkt vor einem chirurgischen Abbruch verschrieben und eingesetzt werden. Die Verhütungsspritze kann direkt vor oder nach einem chirurgischen Abbruch verabreicht werden (10). Die Spirale kann unmittelbar nach einem chirurgischen Abbruch eingesetzt werden – genauer gesagt vor dem Entfernen des Spekulums (10). Für alle Personen, die in Ländern leben, in denen eine Abtreibung im Krankenhaus durchgeführt werden kann, gilt: Im Zuge eines instrumentellen Abbruchs kann eine laparoskopische Tubenligatur (Abbinden der Eileiter) oder eine Salpingektomie (Entfernung eines Eileiters oder beider Eileiter) unmittelbar nach der Abtreibung und vor dem Aufwachen des:der Patient:in durchgeführt werden (10). Es gibt keinen medizinischen oder physiologischen Grund, nach einem Großteil der instrumentellen Abbrüche mit der Anwendung von Verhütungsmitteln abzuwarten, doch bevorzugen es manche Menschen dennoch aus anderen Gründen, etwas Zeit verstreichen zu lassen.

Über deine Abtreibung sprechen (wenn du das möchtest)

Auch wenn induzierte Aborte häufig durchgeführt werden, muss niemand unbedingt wissen, dass du eine Abtreibung hattest. Du kannst darüber sprechen, mit wem du willst und wirst vielleicht sogar überrascht sein, wie viel Zuspruch du von deiner Umgebung erhältst. Dein:e Arzt oder Ärztin oder dein medizinisches Fachpersonal wird später nicht "erkennen", dass du eine Abtreibung hattest. Es gibt keine Labortests, anhand derer sich die Abtreibungspräparate in deinem Blut nachweisen ließen. Es spielt dabei keine Rolle, ob du das Misoprostol oral (bukkal oder sublingual) oder rektal (in das Rektum) eingenommen hast – die Pillen werden in deinem Körper nicht nachweisbar sein. Solltest du die Pillen vaginal anwenden, könnten in deiner Vagina Pillenrückstände zu finden sein, insbesondere, wenn du keine Blutungen hattest.

Bei einem chirurgischen Abbruch wird dein Gebärmutterhals gedehnt und das Schwangerschaftsgewebe sanft abgesaugt. Es entstehen keine "Narben" und der Eingriff hinterlässt keine körperlichen Spuren. Wenn dein:e Arzt oder Ärztin weiß, dass du schwanger warst oder direkt nach deinem Abbruch einen Schwangerschaftstest macht, kannst du sagen, dass du eine Fehlgeburt hattest. Du musst nicht offenlegen, dass bei dir ein induzierter Abort durchgeführt wurde, wenn du dich nicht gut aufgehoben fühlst und dir nicht wohl dabei ist.

Wenn du deiner Familie, Freund:innen oder deinem Arbeitgeber nicht mitteilen möchtest, dass bei dir ein induzierter Abort durchgeführt wurde, kannst du ihnen sagen, dass du eine Fehlgeburt hattest. Behandlung und Erholung sind in beiden Fällen gleich. Wenn du dich nicht wohl dabei fühlst, deine Schwangerschaft überhaupt zu thematisieren (z. B. wenn du nicht die "Erlaubnis" hast, Sex zu haben), kannst du sagen, dass du eine starke Menstruationsblutung hattest oder hast. Im Falle einer selbstverwalteten Abtreibung empfehle ich dir, darüber nachzudenken, wem du dich anvertraust. Auch wenn es ein Menschenrecht ist, selbstbestimmt über das Ergebnis deiner Schwangerschaft zu entscheiden, gibt es gesetzliche Unterschiede in Hinblick auf selbstverwaltete Abtreibungen. Häufig ist es in dieser Situation sicherer, wenn du sagst, dass du eine Fehlgeburt hattest, denn auch in einem Notfall wird beides medizinisch gleich versorgt.

Weit verbreitete Abtreibungsmythen

Du hast vielleicht schon mal gehört, dass sich eine Abtreibung negativ auf deine Gesundheit und künftige Fruchtbarkeit auswirken kann. Das ist ein Mythos, der häufig von Abtreibungsgegner:innen verbreitet wird. Eine Schwangerschaft ist ein Risikofaktor für die Fruchtbarkeit – nicht ein induzierter Abort. Jede Schwangerschaft kann Komplikationen wie Infektionen oder Blutungen erzeugen – ganz gleich, ob sie mit einer Geburt, Fehlgeburt oder Abtreibung endet (13). In schweren Fällen kann sowohl eine Infektion als auch eine Blutung eine Hysterektomie erforderlich machen, um das Leben einer Person zu retten (14). Bei einer Hysterektomie wird die Gebärmutter entfernt, wodurch künftige Schwangerschaften nicht mehr möglich sind.

Komplikationen bei einem induzierten Abort ziehen nur selten Hysterektomien nach sich. Komplikationen bei einer Vaginalgeburt oder einem Kaiserschnitt haben hingegen häufiger eine Hysterektomie zur Folge (13). Keine der Abtreibungspillen (weder Mifepriston noch Misoprostol) ist für die Reproduktionsorgane toxisch oder schädlich und beeinträchtigt ebenso wenig den Eisprung künftiger Zyklen (13, 14). Die moderne Technik des instrumentellen bzw. chirurgischen Abbruchs ohne scharfe Kürettage beugt Narben in der Gebärmutter vor (15). Die meisten Menschen können rund drei Wochen nach einem induzierten (chirurgischen oder medikamentösen) Abbruch wieder schwanger werden (4). Die Hauptgründe für weibliche Unfruchtbarkeit in den USA sind eine Störung des Eisprungs wegen des polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS) und Eileiterblockaden aufgrund sexuell übertragbarer Chlamydien- und Gonorrhoe-Infektionen.

Abtreibungen verursachen keinen Brustkrebs und erhöhen nicht das Risiko, an Brustkrebs zu erkranken. Es gibt keinen wissenschaftlich fundierten Zusammenhang zwischen Brustkrebs und einem induzierten Abort oder einem Spontanabort (Fehlgeburt) (13). Wissenschaftlich fundierte Informationen über Risikofaktoren für Brustkrebs findest du auf den Seiten der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Psychische Gesundheit nach einem Schwangerschaftsabbruch

Emotionen nach einem Abbruch sind komplex und viele Menschen berichten gleichzeitig von einem Gefühl der Erleichterung und einem Gefühl der Trauer. Es ist in Ordnung, wenn du dich entschlossen, zufrieden und wohl mit deiner Abtreibung fühlst – genau so ist es okay, wenn du traurig bist und um die Schwangerschaft trauerst, die du nicht aufrecht erhalten konntest. Es ist auch in Ordnung, wenn du überhaupt nicht traurig oder von deinen Gefühlen überwältigt bist. Zwar kann das Spektrum an Emotionen nach einem Abbruch stark variieren, doch gibt es keine glaubwürdigen wissenschaftlichen Belege dafür, dass sich eine Abtreibung negativ auf die psychische Gesundheit auswirkt oder Depressionen, Angstzustände oder PTBS verursacht (13). Die Studie The Turnaway Study ergab, dass nicht etwa eine Abtreibung die psychische Gesundheit negativ beeinflusst, sondern vielmehr das Verwehren einer gewünschten Abtreibung negative Auswirkungen auf die psychische Gesundheit hat (16).

Vielleicht brauchst du nach einer Abtreibung eine Nachsorgeuntersuchung, vielleicht nicht

Eine Abtreibung ist ein sicherer Vorgang und die meisten Menschen brauchen keine persönliche Nachuntersuchung. Nach einem instrumentellen Abbruch und bevor du die Einrichtung verlassen kannst, wird dein:e Arzt oder Ärztin anhand verschiedener Methoden sicherstellen, dass der Eingriff abgeschlossen ist (2). Auch wenn viele Menschen "wissen", wann ihr medikamentöser Abbruch erfolgreich war, ist es wichtig, eine Methode zur Hand zu haben, anhand derer sich bestätigen lässt, dass der Abbruch abgeschlossen ist. Das kann ein Ultraschall oder ein Schwangerschaftstest vor Ort sein oder durch eine Reihe von Fragebögen zum Mitnehmen oder Schwangerschaftstests für Zuhause ein paar Wochen nach dem medikamentösen Abbruch gewährleistet werden. Unabhängig davon, ob eine Nachsorge erforderlich ist oder nicht, ist es wichtig, dass du bei starken Blutungen, unkontrollierten Schmerzen, Fieber oder Bewusstlosigkeit ärztlichen Rat einholst (2, 4).

Eine Abtreibung ist eine individuelle Erfahrung

Nach einem Schwangerschaftsabbruch gibt es keinen "normalen" Gemütszustand. Es ist in Ordnung, dich so zu fühlen, wie du dich fühlst. Wenn es dir gut tut, über deine Abtreibung zu sprechen, könnte es dir helfen, dich anderen gegenüber zu öffnen. Es ist sogar wahrscheinlich, dass jemand in deinem Freund:innenkreis auch eine Abtreibung hatte. Manche Menschen schonen sich nach einer Abtreibung, während andere genau so weitermachen möchten wie zuvor. Ganz gleich, wonach dir ist – höre auf deinen Körper. Wenn du nach einer Abtreibung zu viel tust, könnte es sein, dass dein Körper dich daran erinnert, einen Gang zurückzuschalten.

Was dich am Tag einer Abtreibung erwartet, erfährst du in diesem Artikel.

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Terminologieverzeichnis

Induzierter Abort: Dieser medizinische Begriff wird verwendet, um eine Abtreibung von einer Fehlgeburt zu unterscheiden. Eine Fehlgeburt wird auch Spontanabort genannt und was wir üblicherweise als "Abtreibung" bezeichnen, trägt den Namen induzierter Abort (2, 9).

Medikamentöser Abbruch: Dieser Begriff beinhaltet den Einsatz eines Medikaments oder die Kombination mehrerer Medikamenten zur Herbeiführung eines Schwangerschaftsabbruchs (2). Die Vorgehensweisen von medikamentösen Abbrüchen können auch bei einem Spontanabort oder einer Fehlgeburt eingesetzt werden. Vor der Erfindung von Mifepriston wurden medikamentöse Abbrüche üblicherweise durch eine Kombination von Methotrexat und Misoprostol durchgeführt (2). Aktuell werden die meisten medikamentösen Abbrüche in den USA mit einer Kombination aus Mifepriston und Misoprostol vorgenommen. Global betrachtet wird die Kombination aus Mifepriston und Misoprostol eingesetzt oder Misoprostol als Monopräparat verwendet und manchmal werden mehrere Dosen verabreicht, um eine höhere Wirksamkeit zu erzielen. Ein induzierter Abort im zweiten Trimester mit Oxytocin ist neben weiteren Methoden, bei denen Arzneimittel zum Einsatz kommen, ebenfalls eine Art von medikamentösem Abbruch. Weitere übliche Begriffe für einen medikamentösen Abbruch sind die Abtreibungspille oder RU-486. Ein medikamentöser Abbruch ist nicht dasselbe wie die Notfallverhütung bzw. "Pille danach".

Instrumenteller Abbruch: Ein instrumenteller Abbruch ist auch als chirurgischer Abbruch, Absaugung, Dilatation und Ausschabung (D&C) oder Dilatation und Evakuierung (D&E) bekannt (2, 9).

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