zwei Füße stehen auf einer Waage

Illustration: Marta Pucci

Verhütungsmittel

Verhütungsmittel und Gewichtszunahme

*Übersetzung: Judith Quijano

Das Wichtigste zum Thema:

  • Viele Menschen entscheiden sich gegen hormonelle Verhütungsmethoden, weil sie sich über mögliche Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme Sorgen machen

  • Für eine kleine Minderheit von Menschen geht die Einnahme hormoneller Verhütungsmittel mit großer Wahrscheinlichkeit mit einer Gewichtszunahme einher

  • Für die meisten Menschen führen weder die Kombinationspille, das Verhütungspflaster, der Ring noch die Spirale zu einer Gewichtszunahme

  • Das Hormonimplantat und die Verhütungsspritze können bei manchen Menschen zu Gewichtszunahme führen

Verhütungsmittel und Gewichtszunahme

Nach gängiger Meinung führen hormonelle Verhütungsmittel zu Gewichtszunahme (1-3). Während manche Menschen wegen hormoneller Verhütungsmittel zunehmen, fühlen sich andere aufgebläht oder nehmen einen veränderten Körperbau (Menge und Verteilung des Körperfetts) wahr, was ihnen das Gefühl geben könnte, dass sie zugenommen haben. Viele Menschen entscheiden sich gegen hormonelle Verhütungsmethoden, weil sie sich über mögliche Nebenwirkungen wie Gewichtszunahme Sorgen machen (4). Personen, die nach der Einnahme hormoneller Verhütungsmittel (die Pille und die Verhütungsspritze) eine Gewichtszunahme feststellen, brechen die Methode mit größerer Wahrscheinlichkeit wieder ab (5-7).

Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, dass ein idealer Körperbau und die perfekte Körperform sozialen und kulturellen Auffassungen unterliegen und sich stetig ändern.

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Leider herrscht in manchen Kulturen ein hoher und schädlicher Druck, unrealistische Körperideale anzustreben. Sogar wissenschaftlich fundierte Messungen wie der Body-Mass-Index (BMI) können nicht adäquat einstufen, ob jemand gesund ist oder nicht. Da eine Verbindung zu Verhütungsmitteln besteht, fürchten manche Menschen eine Gewichtszunahme, während andere dies als unwichtig erachten.

Hormonspiegelveränderungen während der Pubertät und der Menopause können die Körperzusammensetzung beeinflussen. Ab der Pubertät sorgt Östrogen dafür, dass Körperfett an der Brust, den Oberschenkeln, den Hüften und am Po abgelagert wird (8). Aufgrund der hormonellen Veränderungen während und nach der Menopause steigt der Anteil an Körperfett insbesondere im Bauchbereich (8, 9). Manche Menschen nehmen in der Zeit der Wechseljahre zu, doch soll dies eher auf das Altern als auf die hormonellen Veränderungen zurückzuführen sein (8, 9). Die Hormone beeinflussen wahrscheinlich auch die Nahrungsaufnahme während des Menstruationszyklus. Während der Follikelphase (erste Zyklushälfte, in der Östrogen das vorherrschende Hormon ist) und bis zum Eisprung (Freisetzung einer Eizelle aus dem Eierstock) nimmt die Nahrungsaufnahme ab. Während der Lutealphase (zweite Zyklushälfte, in der Progesteron vorherrscht) nimmt sie hingegen zu (8).

Was könnte dein ärztliches Fachpersonal sagen?

Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel enthalten zwei Hormone (Östrogen und Gestagen), die sich in den meisten Pillen, dem Verhütungspflaster, dem Verhütungsring und in bestimmten Verhütungsspritzen wiederfinden. Verhütungsmittel, deren Wirkung ausschließlich auf einem Gestagen beruht, sind das Hormonimplantat, die meisten Spiralen, die Verhütungsspritze und bestimmte Pillen.

Es gibt nicht ausreichend Beweise dafür, dass kombinierte hormonelle Verhütungsmittel eine Gewichtsänderung bewirken. Wenn das doch der Fall ist, ist diese Gewichtsänderung wahrscheinlich minimal (10). Die meisten Studien haben ergeben, dass Personen, die Gestagen-Verhütungsmittel einnehmen, nicht an Gewicht oder Körperfett zunehmen. Einige wenige hingegen ergaben eine kleine Zunahme (11). Bei manchen Menschen haben Verhütungsmittel eine Gewichtszunahme zur Folge und manche Menschen nehmen schneller zu als andere.

Hormonelle Verhütungsmittel wirken neben dem Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft auch auf vielen weiteren Ebenen. So lindern sie auch die Symptome des polyzistischen Ovarialsyndroms (PCOS), der Endometriose, starker, unregelmäßiger oder schmerzhafter Menstruationen und der Anämie (Blutarmut). Die Angst vor einer möglichen Gewichtszunahme hält manche Menschen davon ab, Verhütungsmittel einzunehmen, führt dazu, dass sie sie falsch oder unregelmäßig einnehmen oder dazu, dass sie die Einnahme gänzlich einstellen. Die Folge kann sein, dass eine Person keinen effizienten Schutz vor einer ungewollten Schwangerschaft hat oder dass eine Erkrankung unbehandelt bleibt. Im Gespräch mit deinem ärztlichen Fachpersonal kannst du den möglichen Risiken und Vorteilen hormoneller Verhütungsmittel auf den Grund gehen.

Warum es nicht so einfach ist

Auch wenn viele Menschen glauben, dass Verhütungsmittel eine Gewichtszunahme verursachen, sind die Forschungsergebnisse nicht so eindeutig. In der Regel tendieren Menschen dazu, mit der Zeit zuzunehmen und zudem variiert das Körpergewicht je nach Zeitpunkt des Wiegens. Die meisten Menschen nehmen vom jungen Erwachsenenalter bis ins mittlere Alter im Durchschnitt 0,52 kg pro Jahr zu (12). Das Körpergewicht unterliegt täglichen, wöchentlichen, monatlichen und jahreszeitlichen Mustern. Zwei sehr kleine Studien haben ergeben, dass Menschen morgens weniger wiegen als abends (13, 14). Eine Studie hat gezeigt, dass wir von Freitag bis Montag die Tendenz haben, mehr zu wiegen als von Montag bis Freitag (15). Erwachsene in den USA wiegen in den Herbst- und Winterferien meist mehr (16).

In einer Studie wurde das Gewicht von Personen untersucht, die die Pille einnehmen: Sie wurden über vier Monate jeden Tag gewogen und es stellte sich heraus, dass die Personen, die die Pille einnahmen, in den ersten drei Wochen einer Pillenpackung rund 0,2 kg zunahmen und in der Placebo-Wochenphase (Entzugsblutung) dasselbe Gewicht wieder abnahmen (17). Vergleicht man das Anfangs- und Endgewicht in diesem viermonatigen Studienzeitraum, veränderte sich ihr Gewicht nicht.

Die Kupferspirale (z. B. Paragard, Mona Lisa, T-Safe) enthält keine Hormone. Somit kann sie nicht direkt das Gewicht beeinflussen. Dennoch wurde in Langzeitstudien bei Nutzer:innen der Kupferspirale eine Gewichtszunahme festgestellt. Gleiches ist bei Personen der Fall, die keine Verhütungsmittel verwenden – auch sie nehmen mit der Zeit und steigendem Alter zu. In einer Studie stellte sich heraus, dass Langzeit-Kupferspirale-Nutzer:innen stetig zunahmen – im Durchschnitt 4,0 kg über 7 Jahre (18). Nutzer:innen der Kupferspirale dienen in Studien über Gewichtszunahme bei hormonellen Verhütungsmitteln häufig als Vergleichsgruppe. In einer Gruppe sind die Personen zusammengefasst, die hormonell verhüten und in der anderen Gruppe befinden sich die Personen mit Kupferspirale. Typischerweise nehmen die Personen in beiden Gruppen mit der Zeit zu.

Es könnte so scheinen, als hätte eine Person, die hormonell verhütet, am Ende einer Studie zugenommen, jedoch hätte dieselbe Person womöglich auch mit einer hormonfreien Methode (wie der Kupferspirale) oder ohne jedes Verhütungsmittel genauso viel zugenommen.

Die meisten Erwachsenen nehmen mit dem Alter zu und haben normale Muster der Gewichtszu- und abnahme, und doch hält die Sorge über eine Gewichtszunahme Menschen davon ab, mit der Einnahme von Verhütungsmitteln anzufangen oder bewegt sie dazu, die Einnahme zu stoppen. Die Frage der Gewichtszunahme bei der Einnahme von Verhütungsmitteln ist nicht eindeutig zu klären und Studienergebnisse können häufig unklar oder widersprüchlich sein. Möglicherweise sind längere Studien mit mehr Personen erforderlich, um die Auswirkungen hormoneller Verhütungsmittel auf das Gewicht eines Menschen vollständig zu verstehen.

Was sagt die Forschung zu den einzelnen Verhütungsmitteln?

Gestagen-Verhütungsmittel und Gewichtszunahme

Das Hormonimplantat und die Verhütungsspritze können bei manchen Menschen eine Gewichtszunahme verursachen. Die Hormonspirale hingegen verursacht wahrscheinlich keine Gewichtszunahme.

Das Hormonimplantat (z. B Nexplanon): Es ist unklar, ob das Hormonimplantat eine Gewichtszunahme verursacht. Eine Studie hat ergeben, dass Personen, die das Hormonimplantat ein Jahr hatten, 0,1 kg zunahmen. Bei Menschen mit Kupferspirale wurde eine ähnliche Zahl festgestellt (19). Dieselbe Studie ergab, dass es nach einem Jahr bei Menschen mit Hormonimplantat im Vergleich zu Personen mit Kupferspirale keinen Unterschied im Körperfettanteil gab (19). In einer anderen Studie stellte sich heraus, dass Menschen nach einem Jahr mit Hormonimplantat 2,1 kg zugenommen hatten. Das war mehr als die Personen in der Studie mit Kupferspirale – jedoch war dieser Gewichtsunterschied ausschließlich dann festzustellen, wenn alle Personen aller Bevölkerungsgruppen zusammengefasst betrachtet wurden (20). Bei der Aufteilung der Studienteilnehmer:innen in zwei Gruppen je nach Herkunft (Gruppe 1: Schwarze mit Hormonimplantat, Gruppe 2: weiße Menschen und Personen jeder anderen Herkunft) wurde kein Unterschied in der Gewichtszunahme zwischen den Proband*innen mit Hormonimplantat oder der Kupferspirale festgestellt (20).

Es bedarf weiterer Forschung, um festzustellen, ob es einen Zusammenhang zwischen dem Hormonimplantat und Gewichtszunahme gibt.

Hormonspirale (z. B. Mirena, Liletta): Die Hormonspirale scheint keine Gewichtszunahme zu verursachen, könnte jedoch für einen gesteigerten Körperfettanteil verantwortlich sein. Mehrere Studien haben gezeigt, dass Menschen, die die Hormonspirale ein Jahr lang hatten, zwischen 0,5 kg und 2,9 kg zugenommen haben. Diese Gewichtszunahme war bei den Personen mit Kupferspirale gleich hoch (19-22).

In einer dieser Studien wurden die Gewichtsänderungen bei Menschen gemessen, die die Hormonspirale bereits 10 Jahre hatten. Nach 10 Jahren kontinuierlicher Nutzung hatten die Personen mit Hormonspirale durchschnittlich 4,0 kg zugenommen. Das entspricht der Gewichtzunahme bei Menschen, die seit 10 Jahren die Kupferspirale hatten (21).

Es ist nicht einfach, Veränderungen in der Körperzusammensetzung bei Nutzung der Hormonspirale einzuschätzen. In einer Studie stellte sich heraus, dass nach einem Jahr Hormonspirale kein höherer Körperfettanteil festzustellen war (19), während in einer weiteren Studie das Gegenteil, also ein höherer Körperfettanteil, verzeichnet wurde (22).

Es gibt weitere Hormonspiralen wie die Kyleena, Jaydess oder Skyla mit niedrigerem Gestagen-Anteil als die Mirena oder Liletta, jedoch wurden Gewichtsveränderungen bei diesen Hormonspiralen noch nicht untersucht.

Die Verhütungsspritze (z. B. Depo-Provera): In manchen Studien wurde festgestellt, dass Personen mit Verhütungsspritze zunehmen, während andere Studien keinen Zusammenhang zwischen der Verhütungsspritze und einer Gewichtszunahme herstellen konnten. Nach einjähriger Nutzung der Verhütungsspritze nahmen die Nutzer:innen zwischen 1,3 und 2,2 kg zu, also mehr als jene Personen mit Kupferspirale in manchen Studien (20, 21), aber ähnlich viel wie Kupferspirale-Nutzer:innen in anderen Studien (23. 24).

Sogar Studien, die Gewichtsveränderungen bei längerer Nutzung der Verhütungsspritze untersuchten, kamen zu unterschiedlichen Ergebnissen. In einer Studie nahmen Nutzer:innen der Verhütungsspritze nach 10 Jahren 6,5 kg zu. Das waren mehr als die Nutzer:innen der Kupferspirale (21), doch nahmen in einer anderen Studie Nutzer:innen der Verhütungsspritze über 10 Jahre 9,5 kg, also genauso viel wie Nutzer:innen der Kupferspirale, zu (25).

Eine Studie stellte nach 12 Monaten Nutzung der Verhütungsspritze einen allgemein höheren Körperfettanteil insbesondere in der Bauchregion fest (23). Eine andere Studie zeigte hingegen keinen Unterschied im Körperfettanteil im Vergleich zu Personen mit Kupferspirale (24).

Der Durchschnitt verschafft jedoch keinen Gesamtüberblick. In einer Studie, die eine durchschnittlich größere Gewichtszunahme bei Personen mit Verhütungsspritze im Vergleich zu jenen mit Kupferspirale feststellte, stellte sich heraus, dass dieser Unterschied nach Aufteilung der Teilnehmenden nach Herkunft (Gruppe 1: Schwarze mit Hormonimplantat, Gruppe 2: weiße Menschen und Personen jeder anderen Herkunft) verschwand (20). In dieser Studie nahmen Schwarze Studienteilnehmende mit größerer Wahrscheinlichkeit und unabhängig vom Verhütungsmittel zu (20). In einer anderen Studie nahmen 4 von 10 Personen mit Verhütungsspritze stark (im Durchschnitt 4,6 kg) zu und wiesen einen höheren Bauchfettanteil auf, obwohl sich die durchschnittliche Gewichtszunahme zwischen den einzelnen Gruppen nicht unterschied. Das war bei Personen mit Kupferspirale nicht der Fall (24).

Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel

Studien haben ergeben, dass die kombinierte Pille, das Verhütungspflaster und der Verhütungsring keine Gewichtszunahme verursachen.

Die Pille (unterschiedliche Marken): Nach der Einnahme der Pille über einen Zeitraum von sechs Monaten nahmen Studienteilnehmende nicht mehr zu als Personen, die keinerlei Verhütungsmittel verwendet hatten (26, 17) – genauer gesagt im Durschnitt 0,88 kg (26). Bei Personen, die die Pille nahmen, wurde nach 6 oder 12 Monaten zudem keine Veränderung des Körperfettanteils festgestellt (28). 10 von 100 Personen, die mit der Pille verhüteten, nahmen binnen eines Jahres mehr als 7 % ihres Körpergewichts zu, während 5 von 100 mehr als 7 % ihres Körpergewichts verloren (29).

Das Verhütungspflaster (z. B. Xulane): Personen nahmen nach einem Jahr Nutzung des Verhütungspflasters im Durchschnitt 0,4 kg zu (30, 31), also genauso viel wie Personen, die mit Pille verhüteten (31).

Der Verhütungsring (z. B. Nuvaring): Personen mit Verhütungsring nahmen binnen eines Jahres 0,4 kg zu. Das entspricht dem Gewicht, das Personen mit Pille ebenfalls zunahmen (28). Bei Nuvaring-Nutzer:innen wurden nach einem Jahr keine Unterschiede im Körperfettanteil festgestellt (28). 8 von 100 Personen mit Verhütungsring nahmen binnen eines Jahres mehr als 7 % ihres Körpergewichts zu und 7 von 100 Personen verloren mehr als 7 % ihres Körpergewichts (29).

Es ist wichtig, daran zu erinnern, dass diese Zahlen lediglich ein Durchschnitt sind. Manche Personen in diesen Studien nahmen zu und andere ab. Die Menge an Gewicht variierte zudem von Person zu Person. Manche Menschen neigen bei Einnahme hormoneller Verhütungsmittel stärker zum Zunehmen als andere.

Es bedarf weiterer Forschung, um vollständig zu verstehen, wie und warum unterschiedliche Verhütungsmittel bei bestimmten Menschen zu einer Gewichtszunahme führen und bei anderen nicht.

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