Fotografie via Envato
Beeinflussen deine Periodenprodukte deine vaginale Gesundheit?
Eine neue Studie will es herausfinden
Jeden Monat greifen Millionen von Leuten weltweit zu Binden, Tampons, Menstruationstassen und anderen Produkten für die Periode.
Doch obwohl sie weltweit zu den am häufigsten verwendeten Gesundheitsprodukten gehören, wissen wir immer noch überraschend wenig darüber, wie sie mit dem vaginalen Mikrobiom interagieren könnten.
Das ist eine große Wissenslücke, vor allem wenn man bedenkt, dass die meisten dieser Produkte direkt an einem der empfindlichsten und wichtigsten mikrobiellen Ökosysteme des Körpers anliegen oder sich sogar darin befinden.
Um das zu ändern, haben wir kürzlich IMVAHA (Improving Menstrual and Vaginal Health for All) ins Leben gerufen, eine multinationale Bürgerwissenschaftsstudie, die untersucht, wie Binden, Tampons und Menstruationstassen die vaginale Gesundheit beeinflussen können (1).
Unter der Leitung von Dr. Sonja Merten vom Schweizerischen Tropen- und Public Health-Institut und finanziert vom Schweizer Netzwerk für internationale Studien sowie der Gates Foundation bringt IMVAHA Teilnehmer:innen aus der Schweiz, Peru und Kamerun zusammen, um die folgende Frage zu klären:
Beeinflussen verschiedene Menstruationsprodukte das vaginale Mikrobiom auf unterschiedliche Weise?
Warum Menstruationsprodukte und vaginale Gesundheit untersuchen?
Die Vagina beherbergt eine dynamische Gemeinschaft von Mikroorganismen, die als vaginales Mikrobiom bekannt ist. Seine Zusammensetzung kann eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung der reproduktiven und urogenitalen Gesundheit spielen.
Bei Leuten mit einem gesunden vaginalen Mikrobiom dominieren oft nützliche Bakterien wie Lactobacillus. Diese Bakterien tragen dazu bei, einen niedrigen vaginalen pH-Wert aufrechtzuerhalten und ein schützendes Milieu zu schaffen (2).
Wenn sich dieses Gleichgewicht verschiebt – ein Zustand, der als Dysbiose bezeichnet wird –, nehmen die nützlichen Bakterien ab und andere Bakterien, wie z. B. Dialister, gewinnen die Oberhand.
Dysbiose wird mit einem erhöhten Risiko für eine Reihe von Gesundheitsproblemen in Verbindung gebracht, darunter bakterielle Vaginose, sexuell übertragbare Infektionen (STIs), Komplikationen während der Schwangerschaft und Unfruchtbarkeit (1).
Gleichzeitig haben Untersuchungen gezeigt, dass es kein einheitliches „normales“ vaginales Mikrobiom gibt. Gesunde Leute können sehr unterschiedliche mikrobielle Gemeinschaften aufweisen, die von einer Reihe biologischer, verhaltensbezogener und umweltbedingter Faktoren geprägt sind (3,4).
Dazu gehören Ernährung, sexuelle Aktivität, Stress, Rauchen, die Einnahme von Medikamenten (einschließlich Antibiotika und Verhütungsmitteln) sowie hormonelle Veränderungen, beispielsweise während des Zykluses.
Ein potenzieller Einflussfaktor ist jedoch überraschenderweise noch kaum erforscht: die Menstruationsprodukte, die Leute jeden Monat verwenden.
Was wir bisher wissen
Eine der bislang größten Studien, die im Rahmen des Isala-Projekts in Belgien durchgeführt wurde, analysierte Vaginalproben von über 3.000 Teilnehmer:innen und stellte fest, dass die Verwendung von Binden mit Bakterien in Verbindung stand, die auf eine vaginale Dysbiose hindeuten, während die Verwendung von Tampons und Menstruationstassen mit einem höheren Anteil an nützlichen Bakterien verbunden war (5).
Diese Studie war zwar ein wichtiger erster Schritt, handelte es sich jedoch um eine Beobachtungsstudie. Das bedeutet, sie konnte zwar zeigen, dass Unterschiede zwischen den Nutzer:innen verschiedener Produkte bestanden, nicht aber, ob die Produkte selbst diese Unterschiede verursachten.
Um diese Frage zu beantworten, brauchen wir eine andere Art von Studie.
So funktioniert die IMVAHA-Studie
IMVAHA wird gleichzeitig in der Schweiz, in Peru und in Kamerun durchgeführt, sodass wir untersuchen können, ob die Ergebnisse über verschiedene Bevölkerungsgruppen, Kulturen und Praktiken bei der Verwendung von Menstruationsprodukten hinweg konsistent sind.
Insgesamt werden 300 Teilnehmer:innen daran teilnehmen. Im Verlauf der Studie wird jede Teilnehmer:in Binden, Tampons und Menstruationstassen verwenden, wobei die Reihenfolge zufällig festgelegt wird.
Da jede Teilnehmer:in alle drei Produkte verwendet, dient jede Person als ihr eigener Vergleich. So können wir direkter beurteilen, ob Unterschiede im vaginalen Mikrobiom mit dem verwendeten Menstruationsprodukt zusammenhängen.
Jedes Produkt wird über zwei Zyklen hinweg verwendet, bevor zum nächsten gewechselt wird.
Zwei bis drei Tage nach jeder Periode entnehmen die Teilnehmer:innen einen Vaginalabstrich und füllen einen kurzen Fragebogen zu ihren Symptomen, Menstruationserfahrungen und Hygienegewohnheiten aus.
Die Proben werden anschließend analysiert, um das vaginale Mikrobiom, den vaginalen pH-Wert und das Vorhandensein von Bakterien zu untersuchen, die mit dem toxischen Schocksyndrom in Verbindung stehen.
Warum Daten aus der Praxis die Zukunft der Forschung zur Sicherheit von Menstruationsprodukten sind
Um zu untersuchen, wie Menstruationsprodukte die vaginale Gesundheit beeinflussen, müssen die Teilnehmer:innen über mehrere Zyklen hinweg begleitet und im Laufe der Zeit wiederholt Proben entnommen werden.
Dies ausschließlich durch Klinikbesuche zu bewerkstelligen, wäre sowohl für die Teilnehmer:innen als auch für die Forscher eine Herausforderung.
Stattdessen ermöglicht IMVAHA den Teilnehmer:innen, Proben selbst zu Hause zu entnehmen und direkt zum Forschungsprozess beizutragen. Dieser Ansatz macht die Teilnahme zugänglicher, erlaubt es uns, die vaginale Gesundheit unter realen Bedingungen zu untersuchen, und ermöglicht es, größere und vielfältigere Bevölkerungsgruppen einzubeziehen, als dies bei einer klinischen Studie normalerweise möglich wäre.
IMVAHA ist Teil der Isala Sisterhood, einem globalen Netzwerk von Forscher:innen, die daran arbeiten, unser Verständnis der vaginalen Gesundheit zu vertiefen. Es entstand aus der ursprünglichen Isala-Studie zum vaginalen Mikrobiom, die 2020 an der Universität Antwerpen in Belgien gestartet wurde.
Forschungsteams auf der ganzen Welt ließen sich davon inspirieren und starteten ihre eigenen Citizen-Science-Projekte zu diesem Thema. Gemeinsam tauschen sie Methoden, Werkzeuge und Erkenntnisse länderübergreifend im Globalen Norden und Globalen Süden aus. Das bringt dringend benötigte Vielfalt in die Forschung zum vaginalen Mikrobiom.
Warum diese Forschung wichtig ist
Mit der Zeit könnten die Erkenntnisse aus IMVAHA Einfluss darauf nehmen, wie Menstruationsprodukte entwickelt, bewertet und reguliert werden.
Die Ergebnisse werden über ein breites Netzwerk von Partnern – darunter WHO, UNFPA, ISO und Clue – verbreitet, um zukünftige Forschung, politische Entscheidungsfindung und das öffentliche Verständnis für die Sicherheit von Menstruationsprodukten und die vaginale Gesundheit zu fördern.
Aber vielleicht am wichtigsten ist, dass diese Forschung dazu beitragen wird, Leute besser über die Produkte zu informieren, die sie jeden Monat verwenden, und sie dabei zu unterstützen, fundiertere Entscheidungen bezüglich ihrer Menstruationsgesundheit zu treffen.
Mehr erfahren
Das vollständige IMVAHA-Studienprotokoll wurde nun (auf Englisch) veröffentlicht und bietet einen detaillierten Überblick über das Studiendesign und die Forschungsmethoden.
Du kannst auch mehr über die Isala Sisterhood und verwandte Projekte erfahren:
Isala Sisterhood: isala.be
IMVAHA: imvaha.org
Marie Project (Schweiz): marie-project.ch
Proyecto Laura (Peru): proyectolaura.pe
Möchtest du dazu beitragen, die Forschung zu Menstruationsprodukten und vaginaler Gesundheit voranzubringen? Das IMVAHA-Team freut sich über finanzielle Unterstützung, um diese Arbeit fortzusetzen und auszuweiten. Kontaktiere das Forschungsteam unter imvaha@swisstph.ch.