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Fotografie via Pexels

Lesezeit: 6 min

PCOS hat einen neuen Namen – aber wird sich dadurch die Behandlung von Patient:innen ändern?

Seit Mai 2026 wurde das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) offiziell in polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS) umbenannt. Aber warum diese Änderung – und was bedeutet sie eigentlich für Menschen, die mit dieser Erkrankung leben?

Wir haben mit Clues Expertin, Eve Lepage, darüber gesprochen, warum viele Experten der Meinung waren, dass der alte Name den wissenschaftlichen Erkenntnissen nicht mehr gerecht wurde, wie PMOS die Diskussion über die Fruchtbarkeit hinaus erweitert und warum die Änderung dazu beitragen könnte, das Bewusstsein und die Versorgung zu verbessern.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • PCOS wird in PMOS (polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom) umbenannt, um besser widerzuspiegeln, dass die Erkrankung Hormone, den Stoffwechsel und die allgemeine Gesundheit betrifft – nicht nur die Eierstöcke

  • Der Begriff „polyzystische Eierstöcke“ ist seit langem irreführend, da es sich bei den im Ultraschall sichtbaren „Zysten“ in der Regel um unreife Follikel handelt, nicht um echte Eierstockzysten

  • Zu den PMOS-Symptomen können unregelmäßige Perioden, Akne, übermäßiger Haarwuchs, Insulinresistenz, Müdigkeit, Angstzustände, Depressionen und Fruchtbarkeitsprobleme gehören – die Symptome variieren jedoch stark von Person zu Person

  • Experten hoffen, dass der neue Name das Bewusstsein schärft, Stigmatisierung verringert und möglicherweise zu einer früheren Diagnose und einer umfassenderen Versorgung für Menschen mit der Erkrankung führt

1. Warum wurde PCOS in PMOS umbenannt?

Die kurze Antwort lautet: Experten waren der Meinung, dass der Begriff polyzystisches Ovarialsyndrom die Erkrankung nicht mehr zutreffend beschrieb.

Der neue Name, polyendokrines metabolisches Ovarialsyndrom (PMOS), soll besser zum Ausdruck bringen, dass es sich um eine komplexe hormonelle und metabolische Erkrankung handelt und nicht einfach um eine Störung der Eierstöcke oder der Fruchtbarkeit.

Im Laufe der Jahre hat die Forschung gezeigt, dass PCOS viele Systeme im gesamten Körper betreffen kann, darunter den Stoffwechsel, die Herz-Kreislauf-Gesundheit, die Haut, den Schlaf und die psychische Gesundheit. Die alte Terminologie konzentrierte sich jedoch stark auf die Eierstöcke, was unbeabsichtigt das Verständnis der Erkrankung einschränkte.

Für viele Patientinnen ist die Fruchtbarkeit nicht einmal das Symptom, das ihr tägliches Leben am stärksten beeinträchtigt.

Moment mal – sind die „Zysten“ bei PCOS gar keine echten Zysten?

Nicht ganz.

Eines der größten Missverständnisse über PCOS liegt schon im Namen selbst. Was Ärzte oft im Ultraschall sehen, sind keine echten Eierstockzysten, sondern unreife Eibläschen – kleine Säcke, die Eizellen enthalten, die sich noch nicht vollständig entwickelt haben oder beim Eisprung nicht freigesetzt wurden.

Und ganz wichtig: Du musst diese „Zysten“ gar nicht haben, um die Diagnose PCOS zu erhalten.

Nach den aktuellen Diagnosekriterien kann jemand dennoch eine Diagnose erhalten, die auf Symptomen wie unregelmäßigem Eisprung und erhöhten Androgenen (Hormone wie Testosteron, die zu Symptomen wie Akne oder übermäßiger Gesichtsbehaarung beitragen können) basiert, selbst wenn die Eierstöcke im Ultraschall völlig normal aussehen.

Gleichzeitig können viele Menschen ohne PCOS Eierstöcke haben, die im Ultraschall „polyzystisch“ aussehen.

Viele Experten glauben, dass diese Verwirrung auch zu verzögerten Diagnosen und Missverständnissen bezüglich der Erkrankung beigetragen hat.

2. Warum halten Experten die Umbenennung von PCOS in PMOS für wichtig?

Namen in der Medizin sind wichtiger, als den meisten Menschen bewusst ist. Sie prägen, wie Erkrankungen verstanden, erforscht, diagnostiziert und behandelt werden – und sogar, wie ernst sie genommen werden.

Viele Menschen, die mit PCOS leben, hatten das Gefühl, dass der alte Name ihre Lebenserfahrung nicht widerspiegelte. Bei einigen sahen die Eierstöcke im Ultraschall gar nicht „polyzystisch“ aus. Andere hatten das Gefühl, dass die Erkrankung zu eng auf die Fruchtbarkeit fokussiert war, während ihre größten Herausforderungen in den Bereichen psychische Gesundheit, Stoffwechsel, Müdigkeit oder anderen ganzkörperlichen Symptomen lagen.

Die Umstellung auf PMOS signalisiert auch einen umfassenderen Wandel in der Medizin: weg von der Reduzierung der Gesundheitszustände von Frauen auf die reine Fortpflanzungsfunktion hin zu einem Verständnis dafür, wie stark diese Systeme tatsächlich miteinander vernetzt sind.

3. Könnte der neue Name zu einer früheren Diagnose führen?

Möglicherweise ja.

Viele Menschen verbinden PCOS in erster Linie mit Eierstockzysten oder Fruchtbarkeitsproblemen, obwohl sich die Erkrankung auf vielfältige Weise äußern kann. Die Hoffnung ist nun, dass PMOS das Verständnis der Öffentlichkeit und der Medizin für die Erkrankung erweitert und den Menschen hilft, Symptome zu erkennen, die sie zuvor vielleicht nicht damit in Verbindung gebracht haben – seien es unregelmäßige Zyklen, Insulinresistenz, Gewichtsveränderungen oder psychische Probleme wie Angstzustände und Depressionen.

Die Umfragedaten von Clue zeigen, wie vielfältig die Erfahrungen sein können.

3 von 4 Befragten mit einer PCOS-Diagnose nannten emotionale Symptome oder Müdigkeit als ihre größten gesundheitlichen Herausforderungen, was verdeutlicht, wie häufig diese Erfahrungen mit der Erkrankung einhergehen.

Gleichzeitig wird eine Namensänderung allein die tiefer liegenden Probleme rund um die verzögerte Diagnose nicht lösen. Eine bessere Ausbildung der Ärzte, mehr Forschungsgelder und ein gesteigertes Bewusstsein sind nach wie vor dringend erforderlich.

Wichtig ist jedoch, dass viele Experten, mich eingeschlossen, fest davon überzeugt sind, dass die Vorteile die Nachteile überwiegen, wenn die neue Terminologie zu einer früheren Diagnose, einem besseren Verständnis und einer umfassenderen Versorgung führt.

4. Warum wird PCOS/PMOS immer noch so schlecht verstanden?

Ein Grund dafür ist, dass sich die Erkrankung von Person zu Person sehr unterschiedlich äußern kann.

Manche Menschen leiden vor allem unter unregelmäßigen Perioden oder Fruchtbarkeitsproblemen, während andere stärker von Stoffwechselsymptomen, Hautveränderungen, Müdigkeit oder psychischen Problemen betroffen sind. Diese Variabilität kann die Diagnose erschweren und Missverständnisse begünstigen.

Historisch gesehen wurde die Forschung zur Frauengesundheit zudem deutlich unterfinanziert. Diese Forschungslücke hat unser Verständnis davon eingeschränkt, wie PMOS mit Bereichen wie Herz-Kreislauf-Gesundheit, Stoffwechsel, psychische Gesundheit, ADHS und Endometriose zusammenhängt.

Die Umfragedaten von Clue zeigen, wie stark diese Erfahrungen miteinander verflochten sein können: Befragte mit einer PCOS-Diagnose berichteten von einer hohen Rate an Begleiterkrankungen, darunter Angststörungen, Depressionen, ADHS, Reizdarmsyndrom und Endometriose.

Es gibt auch ein allgemeineres Problem in der Medizin, dass Symptome, die vorwiegend Frauen betreffen, eher heruntergespielt, abgetan oder auf verschiedene Fachgebiete verteilt werden. Viele Patientinnen verbringen Jahre damit, zwischen Dermatologen, Gynäkologen, Endokrinologen und Psychologen hin- und herzuwechseln, bevor jemand den Zusammenhang erkennt.

5. Was sind die Anzeichen oder Symptome von PCOS/PMOS?

PCOS/PMOS kann sich auf viele verschiedene Arten äußern, was ein Grund dafür ist, dass die Diagnose oft verzögert wird.

Zu den Symptomen von PCOS/PMOS können gehören:

  • Unregelmäßige oder ausbleibende Perioden

  • Schwierigkeiten, schwanger zu werden, aufgrund unregelmäßigen oder fehlenden Eisprungs

  • Übermäßige Gesichts- oder Körperbehaarung

  • Akne oder fettige Haut Haarausfall auf der Kopfhaut

  • Gewichtszunahme oder Schwierigkeiten bei der Gewichtskontrolle

  • Müdigkeit

  • Insulinresistenz oder Schwierigkeiten bei der Blutzuckerregulierung

  • Stimmungsschwankungen, Angstzustände oder Depressionen

  • Mehrere kleine Follikel, die bei einer Ultraschalluntersuchung an den Eierstöcken sichtbar sind

Langfristig ist PMOS auch mit einem erhöhten Risiko für Folgendes verbunden:

  • Typ-2-Diabetes

  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Depressionen

  • Schlafapnoe

  • Unfruchtbarkeit

  • Gebärmutterkrebs

Wichtig ist, dass nicht alle die gleichen Symptome haben und dass bei manchen im Ultraschall keine Eierstockfollikel sichtbar sind. Diese Variabilität ist einer der Hauptgründe, warum viele Experten der Ansicht waren, dass der alte Name die Erkrankung nicht mehr vollständig widerspiegelte.

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