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Ist die Perimenopause ein kritisches Zeitfenster für die Gehirngesundheit?
Ein Blick auf den Zusammenhang zwischen hormonellen Veränderungen, Gedächtnis und Stimmung in der MappingPerimenopause-Studie.
Eine neue Studie in Berlin untersucht, wie hormonelle Veränderungen während der Perimenopause das Gehirn, die Stimmung, das Gedächtnis und die langfristige Gesundheit beeinflussen – und sucht derzeit nach Teilnehmer:innen.
Wenn von der Perimenopause die Rede ist, geht es oft um unregelmäßige Perioden und Hitzewallungen. Doch einige der größten Veränderungen während dieser Übergangsphase finden möglicherweise im Gehirn statt (1).
Perimenopause ist der mehrjährige Übergang, der zur letzten Menstruation führt. In dieser Zeit schwanken die Hormonspiegel der Eierstöcke und sinken schließlich ab, was sich auf fast jedes System im Körper auswirkt. Immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass das Gehirn besonders empfindlich auf diese hormonellen Veränderungen reagiert (2).
Viele Menschen bemerken das sofort. Der Schlaf wird plötzlich gestört. Es fällt schwerer, sich zu konzentrieren. Stimmung und Stresstoleranz verändern sich. Manche erleben Angstzustände, Gedächtnisprobleme oder den „Brain-Fog-Symptome“, von dem in der Perimenopause häufig berichtet wird (1,2). Andere durchlaufen diese Übergangsphase mit kaum spürbaren Veränderungen.
Wichtig ist, dass Fortpflanzungshormone weit mehr als nur den Menstruationszyklus beeinflussen. Östrogene wirken auf Gehirnregionen, die für Gedächtnis, Stimmung und Stressregulation zuständig sind, und tragen dazu bei, die Gehirnzellen ein Leben lang zu schützen (2). Während der Perimenopause können die Östrogenspiegel stark schwanken, wobei die Muster von Person zu Person und sogar von einem Zyklus zum nächsten bei derselben Person sehr unterschiedlich aussehen können.
Bei den meisten Menschen kann sich das Gehirn an diese Veränderungen anpassen. Frauen haben jedoch im Laufe ihres Lebens ein etwa doppelt so hohes Risiko für Depressionen und Alzheimer wie Männer. Und die Lebensmitte könnte ein entscheidender Zeitpunkt sein, an dem sich dieses Risiko zu konkretisieren beginnt (2). Das hat zu einem wachsenden Interesse daran geführt, ob die hormonellen Veränderungen in der Perimenopause bei manchen Menschen längerfristige Auswirkungen haben könnten.
Trotzdem wissen wir immer noch überraschend wenig darüber, was während dieser Übergangsphase im Gehirn vor sich geht.
Warum ist das Gehirn in der Perimenopause so wenig erforscht?
Ein Grund für unser begrenztes Wissen ist, dass die Perimenopause schwer zu untersuchen ist. Die Hormone schwanken stark, die Symptome entwickeln sich ständig weiter und die Zyklen werden zunehmend unregelmäßig.
Der Übergang kann zudem unvorhersehbar lange dauern, von einigen Jahren bis zu mehr als einem Jahrzehnt. Um diese dynamischen Veränderungen zu erfassen, ist daher eine wiederholte Datenerhebung über lange Zeiträume und über eine große, vielfältige Population hinweg erforderlich – keine geringe Herausforderung.
Gleichzeitig hat die Forschung zur Frauengesundheit in der Vergangenheit nur wenig Aufmerksamkeit und Finanzierung erhalten, und hormonelle Schwankungen wurden oft als etwas betrachtet, das es zu kontrollieren oder auszuschließen galt, anstatt als etwas, das an sich schon bedeutungsvoll zu untersuchen ist. Infolgedessen sind viele Aspekte darüber, wie sich die Perimenopause auf das Gehirn, die kognitiven Fähigkeiten, die Stimmung und die langfristige Gesundheit auswirkt, nach wie vor kaum verstanden.
Das Gehirn in der Perimenopause kartieren
Um diese Veränderungen besser zu verstehen, hat unser Forschungsteam an der Charité–Universitätsmedizin Berlin kürzlich MappingPerimenopause gestartet, eine neue Längsschnittstudie, die vom Europäischen Forschungsrat finanziert wird.
Über einen Zeitraum von drei Jahren wird die Studie 300 Teilnehmer:innen während des Übergangs in die Perimenopause begleiten, um besser zu verstehen, wie hormonelle Veränderungen im Laufe der Zeit mit dem Gehirn, der psychischen Gesundheit, der kognitiven Leistungsfähigkeit und dem allgemeinen Wohlbefinden zusammenhängen.
Die Studie kombiniert verschiedene Arten von klinischen und realen Daten, darunter:
Gehirnbildgebung (MRT)
Hormonmessungen
Kognitive Tests
Stressmessungen
Analyse des Darmmikrobioms
Fragebögen und klinische Beurteilungen
Tracking des Menstruationszyklus und der Symptome
Mithilfe der Clue-App können die Teilnehmer:innen tracken, wie sich ihre Erfahrungen – einschließlich Schlaf, Stimmung und Energie – im Laufe der Übergangsphase von Tag zu Tag verändern, was dabei hilft, gelebte Erfahrungen mit Veränderungen der Hormone und der Gehirngesundheit im Laufe der Zeit in Verbindung zu bringen.
Warum neue Forschung wichtig ist
Die Perimenopause wird oft als vorübergehende Lebensphase betrachtet, die man einfach „überstehen“ muss. Doch immer mehr Hinweise deuten darauf hin, dass sie auch eine der wichtigsten und am wenigsten erforschten Phasen für die Gehirngesundheit von Frauen darstellen könnte.
Deshalb sind größere, detailliertere Langzeitstudien so wichtig. Sie können dabei helfen, zu entwirren, welche Symptome am engsten mit hormonellen Veränderungen verbunden sind, welche durch Faktoren wie Stress oder Schlafstörungen geprägt werden und warum sich die Erfahrungen von Person zu Person so stark unterscheiden.
Mit einem klareren Bild davon, was während der Perimenopause im Gehirn vor sich geht, könnte die zukünftige Versorgung personalisierter werden – was den Betroffenen hilft, Veränderungen früher zu erkennen, das Ausprobieren bei der Behandlung zu reduzieren und herauszufinden, welche Arten von Unterstützung am ehesten helfen.
Möchtest du mitmachen?
Durch die Kombination von bildgebenden Verfahren, biologischen Messungen und der Erfassung realer Symptome über einen längeren Zeitraum könnte MappingPerimenopause dazu beitragen, unser Verständnis – und letztendlich auch die Versorgung – des Gehirns in der Perimenopause neu zu gestalten.
Wenn du in oder um Berlin wohnst, dich in der Lebensmitte befindest und Veränderungen in deinem Zyklus, deinem Schlaf, deiner Stimmung, deinem Gedächtnis oder deinem allgemeinen Wohlbefinden bemerkt hast, kommst du möglicherweise für die Teilnahme in Frage.
Die vollständigen Teilnahmebedingungen findest du hier, wo du dich auch für das Screening anmelden kannst, oder wende dich an Mapping-Perimenopause(at)charite.de.
Bist du Forscher:in und an einer Zusammenarbeit mit Clue interessiert? Um mehr darüber zu erfahren, wie Clue deine Arbeit unterstützen kann, besuche unsere Forschungsseite oder schreibe an research@helloclue.com.
