Illustration: Marta Pucci
Alles, was du über Gonorrhö wissen musst
Wie sie übertragen wird und wie sie deine Gesundheit beeinträchtigen kann

Das Wichtigste zum Thema Gonorrhö:
Gonorrhö ist eine sexuell übertragbare Infektion (STI0, die durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae verursacht wird.
Gonorrhö verläuft oft ohne Symptome, was bedeutet, dass viele Menschen nicht wissen, dass sie daran erkrankt sind.
Unbehandelt kann sie bei Frauen und Menschen mit weiblichen Geschlechtsorganen zu Beckenentzündungen, chronischen Unterleibsschmerzen, Eileiterschwangerschaften und/oder Unfruchtbarkeit führen.
Gonorrhö-Infektionen müssen mit zwei Antibiotika behandelt werden.
Was ist Gonorrhö?
Gonorrhö-Infektionen werden durch das Bakterium Neisseria gonorrhoeae verursacht und durch sexuellen Kontakt übertragen (1). Eine Person kann sich über die Schleimhäute (die Stelle, an der die äußere Haut auf weiches, feuchtes inneres Gewebe trifft) mit Gonorrhö infizieren (2). Dazu gehören der weibliche Fortpflanzungstrakt, der Anus, die Innenseite der Augenlider, die Harnröhre und der Rachen (2).
Was sind die Symptome von Gonorrhö?
Wie Chlamydieninfektionen kann Gonorrhö Menschen jeden Geschlechts befallen. Bei Frauen und Menschen mit Zyklus verläuft Gonorrhö oft ohne Symptome – das heißt, dass die Betroffenen nach der Ansteckung oft keine Beschwerden haben oder keine Veränderungen bemerken (3).
Ohne Symptome ahnen die Betroffenen möglicherweise nicht, dass sie eine sexuell übertragbare Infektion haben. Bei manchen treten nur sehr leichte oder vage Symptome auf, die mit einer Harnwegsinfektion oder einer vaginalen Infektion verwechselt werden können (4). Bei Frauen und Menschen mit weiblichen Geschlechtsorganen können diese Symptome unter anderem vermehrter vaginaler Ausfluss, häufiges schmerzhaftes Wasserlassen, Schmierblutungen, Blutungen zwischen den Perioden oder nach vaginalem Geschlechtsverkehr sowie Schmerzen, Blutungen oder Ausfluss im Rektum sein (4).
Infektionen mit Gonorrhö im Rachen verlaufen oft auch ohne Symptome, obwohl manche Leute Halsschmerzen und vergrößerte Mandeln haben können (5).
Wie steckt man sich mit Gonorrhö an?
Gonorrhö wird durch sexuellen Kontakt mit einem infizierten Partner übertragen. Sie kann durch jede Art von ungeschütztem Sex übertragen werden, einschließlich Vaginalverkehr, Analverkehr und Oralverkehr (2). Eine Gonorrhö-Infektion kann sich bei Vaginalverkehr oder Analverkehr im Genitaltrakt, im Anus und in der Harnröhre entwickeln. Durch Oralverkehr kann eine Gonorrhö-Infektion von den Genitalien auf den Rachen übertragen werden.
Man kann sich auch nach einer Behandlung erneut mit Gonorrhö anstecken. Man wird nicht immun gegen Gonorrhö, wenn man sie einmal hatte (2).
Was sind die möglichen Komplikationen von Gonorrhö?
Eine sexuell übertragbare Gonorrhö-Infektion kann bei Menschen mit weiblichen Fortpflanzungsorganen zu einer Infektion des Gebärmutterhalses, der Harnröhre und der Eileiter führen (4,6). Genau wie eine unbehandelte Chlamydieninfektion kann auch eine unbehandelte Gonorrhöinfektion zu einer Beckenentzündung führen. Diese Krankheit kann bei Frauen und Menschen mit Zyklus zu irreversiblen und schwerwiegenden Folgen wie Eileiterschwangerschaft, Unfruchtbarkeit oder chronischen Unterleibsschmerzen führen (1,4).
Gonorrhö-Bakterien wandern vom Genitalbereich über den Gebärmutterhals bis zur Gebärmutter, den Eierstöcken und den Eileitern und verursachen dort Entzündungen und Infektionen. Dort angekommen, schädigen die Bakterien die Eileiter und können Narbenbildung verursachen (7). Dies kann langfristige Folgen wie Unfruchtbarkeit haben, da das Narbengewebe die Eileiter blockieren und so die Befruchtung der Eizelle durch Spermien verhindern kann. Eileiterschwangerschaften (bei denen sich die Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter einnistet) sind ebenfalls häufiger, da eine befruchtete Eizelle im beschädigten Eileiter stecken bleiben kann – was lebensbedrohlich sein kann.
Chronische Unterleibsschmerzen sind ebenfalls eine mögliche langfristige Folge unbehandelter Gonorrhö-Infektionen und ein Symptom für eine entzündliche Erkrankung des Unterleibs (8).
Eine weitere langfristige, wenn auch seltene Folge einer unbehandelten Gonorrhö-Infektion ist die disseminierte Gonokokkeninfektion (2,4). Dabei breitet sich die Gonorrhö-Infektion im Blut aus und verursacht Symptome im ganzen Körper, darunter Gelenkschmerzen, Sehnenentzündungen und/oder Hauterkrankungen, und kann unbehandelt tödlich sein (2,6).
Bei Männern kann Gonorrhö eine Infektion der Harnröhre und des Nebenhodens verursachen, also dem Kanal, der Spermien aus den Hoden sammelt und speichert (2).
Wie häufig kommt Gonorrhö vor?
Im Jahr 2016 war Gonorrhö in den Vereinigten Staaten die zweithäufigste sexuell übertragbare Infektion, die den Centers for Disease Control (CDC) gemeldet wurde (1). In diesem Jahr wurden in den USA fast eine halbe Million (468.524) Fälle von Gonorrhö gemeldet. Wie bei Chlamydien, Syphilis und vielen anderen sexuell übertragbaren Infektionen steigt auch die Gonorrhö-Rate in den USA weiter an, vor allem in den letzten Jahren (1).
Die gemeldeten Gonorrhö-Raten in den USA sind bei Männern höher als bei Frauen. Diese Unterschiede sind wahrscheinlich auf höhere Gonorrhö-Raten bei Männern, die Sex mit Männern haben (MSM), zurückzuführen (1). Bei den Frauen hatten jüngere Frauen höhere Gonorrhö-Infektionsraten als ältere Frauen, wobei 19-Jährige die höchste Gonorrhö-Infektionsrate hatten (1).
Es ist schwierig, die Belastung durch Gonorrhö-Infektionen weltweit abzuschätzen, da viele Regionen möglicherweise nicht über die Gesundheitsdienste verfügen, die in der Lage sind, Fälle von Gonorrhö und anderen sexuell übertragbaren Infektionen zu diagnostizieren und zu melden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass die Gesamtzahl der Fälle pro Jahr weltweit im Jahr 2008 bei 106,1 Millionen Gonorrhö-Infektionen lag (9). Diese Schätzung liegt um fast 20 Millionen Fälle höher als die Schätzung der WHO aus dem Jahr 2005, was vermutlich auf viele soziale und gesundheitliche Faktoren im Zusammenhang mit der Verbreitung von sexuell übertragbaren Infektionen zurückzuführen ist, darunter auch die steigende Zahl junger Menschen, die sexuell aktiv sind (9). Es braucht mehr Zugang zu Gesundheitsversorgung, Meldung von sexuell übertragbaren Infektionen und Forschung.
Wie kann ich mich vor einer Gonorrhö-Infektion schützen?
Wenn du sexuell aktiv bist, besteht für dich das Risiko, dich mit einer sexuell übertragbaren Infektion anzustecken. Die Verwendung von Kondomen bei jedem Geschlechtsverkehr kann das Risiko einer Gonorrhö-Infektion (und vieler anderer STIs) erheblich verringern. Kondome sollten nicht nur während der Ejakulation, sondern vor jedem genitalen oder sexuellen Kontakt verwendet werden. Wenn du Oral-Vaginal-Sex hast, verwende einen Dental Dam, um dich zu schützen.
Frag die Person, mit der du Sex haben willst, ob sie sich kürzlich auf sexuell übertragbare Krankheiten testen lassen hat. Wenn die Person mit mehreren Leuten Sex hat, frag nach dem STI-Status der anderen Partner:innen und ermutige sie, sich auch testen zu lassen. Wenn du die Anzahl von Sexpartnern:innen einschränkst, senkst du auch dein Risiko, dich mit Gonorrhö anzustecken.
Für Menschen mit Zyklus wird eine jährliche gynäkologische Untersuchung empfohlen, auch für diejenigen, die in einer monogamen Langzeitbeziehung sind. Jährliche Gonorrhö-Untersuchungen werden für sexuell aktive Frauen unter 25 Jahren sowie für alle Personen empfohlen, die einem erhöhten Risiko für eine Gonorrhö-Infektion ausgesetzt sind (Personen, die Sex mit einem neuen Partner hatten, Sex mit mehreren Partnern haben oder Sex mit einem Partner hatten, der eine sexuell übertragbare Infektion hat) (3). Die Untersuchung kann ganz einfach mit einem Abstrich vom Gebärmutterhals im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung gemacht werden (4). Um Gonorrhö-Infektionen im Rachen oder Anus zu erkennen, kann auch ein Abstrich an der infizierten Stelle gemacht werden.
Sprich mit deinem Arzt oder deiner Ärztin darüber, ob eine Untersuchung auf Gonorrhö und andere sexuell übertragbare Infektionen für dich sinnvoll ist.
Wie wird Gonorrhö behandelt?
Gonorrhö kann mit Antibiotika behandelt werden, um die Bakterien abzutöten. Um eine Gonorrhö-Infektion loszuwerden, braucht man zwei verschiedene Antibiotika (3,4). Der Grund dafür ist, dass es immer mehr Probleme mit Antibiotikaresistenzen bei Gonorrhö-Infektionen gibt (3).
Nach der Diagnose solltest du alle Personen, mit denen du in den letzten 60 Tagen Sex hattest, und/oder deinen letzten Sexualpartner testen lassen (3).
Es ist möglich, Gonorrhö auch während der Behandlung mit Antibiotika zu übertragen. Vermeide sexuellen Kontakt bis sieben Tage nach Abschluss der gesamten Antibiotikabehandlung – auch wenn die Symptome bereits verschwunden sind. Drei Monate nach der Behandlung solltest du dich erneut auf Gonorrhö testen lassen (3).
Bindehautentzündung und HIV
Gonorrhö kann, wie Chlamydien, auch während der Geburt von der Mutter auf das Kind übertragen werden. Babys von Müttern mit unbehandelter Gonorrhö-Infektion können eine gonorrhöische Bindehautentzündung (Infektion im Auge) entwickeln, obwohl das nicht sehr häufig vorkommt (1). Deshalb sollte ein Gonorrhö-Test während der Schwangerschaft Routine sein.
Eine STI wie Gonorrhö kann auch das Risiko erhöhen, sich mit HIV zu infizieren, wenn man dem Virus ausgesetzt ist, oder HIV zu verbreiten, wenn man bereits infiziert ist (10,11). Wenn du denkst, dass du Gonorrhö oder eine andere STI hast, solltest du sofort deinen Arzt oder eine STI-Klinik aufsuchen. Viele Kliniken bieten kostenlose oder kostengünstige STI-Tests an. All dies trägt dazu bei, dass du, deine Sexualpartner und deine Gemeinschaft gesund bleiben.