Foto von Elliot, der einen Schwangerschaftstest in der Hand hält

Foto: Jen Bell

LGBTQIA+

Als trans Person über eine Schwangerschaft nachdenken

*Übersetzung: Victoria Wegner

"Guten Abend, meine Damen, Herren und der Rest von uns."

Das war mein erster Satz in einem Stück, das jahrelang durch die Welt tourte. In jeder Stadt, in der wir spielten, hassten mich die meisten Zuschauer:innen dafür und hatten keine Angst, es mir zu sagen. Aber "der Rest von uns" lebte für diesen Satz. Und natürlich sprach ich genau diese Zielgruppe mit diesem Satz an.

Später, als die Show nach Broadway ging und Kate Bornstein diese Rolle übernahm, rief eine Zuschauerin eines Abends zu ihnen hoch: "Du bist hier nicht willkommen." Kates Reaktion war natürlich großzügig und warmherzig und hieß diese Frau trotz ihrer Ignoranz willkommen. Aber es ist harte Arbeit, wenn von einem erwartet wird, "den Rest von uns" zu repräsentieren, sei es in einem solchen öffentlichen Forum oder einfach nur auf der Straße. Die Geschichte eines jeden Menschen ist anders, und ich kann nur meine eigene mit euch teilen.

Hey. Mein Name ist Elliott. Meine Pronomen sind auf Englisch they/them. Ich muss mich endlos als trans, als nichtbinär, als queer, outen und wiederholen, dass ich nicht-alle-trans-nichtbinär-queer repräsentiere. Ich benutze die Clue-App jetzt seit etwa sechs Monaten, ich bin in einer Partnerschaft, in der wir eine Schwangerschaft planen. Mein:e Partner:in benutzt auch auf Englisch die Pronomen they/them. Von uns beiden habe ich den geeigneten Körper für die Schwangerschaft.

Wie ich meiner Mutter, meinem Bruder, meiner Versicherung und einer Handvoll neuer und alter Freund:innen erklärte, haben wir mit unseren beiden Körpern theoretisch die Teile, um das zu schaffen.

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Ich fing an, Clue zu benutzen, da ich scheinbar zufällige Blutungen und Schmierblutungen hatte, obwohl ich seit etwa einem Jahr eine Mirena Spirale hatte und seit sechs Jahren Testosteron nahm. Ich habe mich so lange von meinen Geschlechtsorganen dissoziiert, dass es sich wie ein ständiges und unvorhersehbares Eindringen anfühlte, bis mein:e Partner:in anfing, den Zyklus der Veränderungen in meinem Körper regelmäßig zu beobachten.

Ich hatte ein Jahr zuvor in der Zeitschrift LOLA über Clue gelesen und seitdem gelegentlich den Blog von Clue gelesen. Daher war es für mich selbstverständlich, Clue den anderen Apps vorzuziehen. Es hilft, dass das Design spielerisch ist und alle Geschlechter einbezieht.

Sobald ich anfing, andere Symptome — zusätzlich zu den Blutungen und Flecken — in der App zu verfolgen, wie z. B. Zervixausfluss, Haut, Verdauung und Energielevel, konnte ich sehen, dass ich tatsächlich einen vorhersehbaren Zyklus habe.

Es half mir auch, zwischen den zyklischen Schmierblutungen und den Durchbruchblutungen zu unterscheiden, die ich hatte, da sie ähnlich aussehen.

Nach ein paar Monaten begann ich, eine Verbindung zu diesen Organen in meinem Becken zu spüren. Und eines Tages, aus heiterem Himmel, wurde ich vom "Kinderwunsch-Fieber" befallen. Ich wollte noch nie ein Elternteil sein, geschweige denn eine Schwangerschaft durchmachen, aber ich denke, der Umzug in ein Land mit erschwinglichen Lebenskosten und ohne Schulschießereien hat meinen Gefühlen in Bezug auf Elternschaft und Schwangerschaft Raum gegeben, sich zu verändern.

Ich begann zu recherchieren, mich mit anderen queeren und trans Eltern auszutauschen, Artikel, Studien und Bücher zu lesen. Wenn es um trans Gesundheit geht, sind die besten Ressourcen oft eine Kombination aus der eigenen Intuition und der trans Community. Und die trans Gemeinschaft verweist oft auf cis-zentrierte Forschung, um die Lücken zu füllen, mit dem Rat, sich die Nase zuzuhalten. Mit diesem Ratschlag lieh ich mir also Toni Weschlers "Taking Charge of Your Fertility" und las es komplett an einem Tag.

Es gibt so viele Schritte, bevor wir uns einfach "entspannen und es geschehen lassen" können, wie es für heterosexuelle, nicht behinderte, cisgender (nicht trans) Paare üblicherweise vorgeschrieben wird. Und obwohl es möglich ist, während der Einnahme von Testosteron schwanger zu werden, ist es nicht üblich. Und das Verfolgen meiner Temperatur zusammen mit der meiner Periode hat gezeigt, dass meine Blutung anovulatorisch ist.

Es gibt nicht viel Forschung zum Thema Eisprung bei trans und gender-nonkonformen Menschen nach dem Absetzen von Testosteron, aber eine kleine Studie zeigte, dass bei 25 Menschen, die später schwanger wurden, 8 von 10 von ihnen innerhalb von 6 Monaten zu menstruieren begannen (1). Ich bin Mitglied der Facebook-Gruppe "Birthing and Breast or Chestfeeding for Trans People and Allies" (Gebären und Stillen für trans Personen und Verbündete), und Gruppenmitglieder haben berichtet, dass es bei ihnen von ein paar Wochen bis zu einem Jahr gedauert hat, bis sie nach dem Absetzen von Testosteron ihren Eisprung hatten.

Es muss noch viel mehr Forschung betrieben werden. Ich hatte vor drei Jahren eine Oberkörperoperation, und obwohl es Möglichkeiten gibt, die Milchproduktion sowohl bei AMAB (Assigned Male at Birth, zu deutsch: bei der Geburt als männlich zugewiesene) als auch bei AFAB (Assigned Female at Birth, bei der Geburt als weiblich zugewiesene) Menschen (2-7) zu induzieren, bin ich mir nicht sicher, ob das der Weg für mich ist. [Eine Anmerkung des Clue-Wissenschaftsteams: Bei Menschen, die eine Oberkörperoperation hatten, kann es sein, dass das Stillen an der Brust nicht möglich ist, oder es kann schwieriger sein, je nachdem, wie die Operation durchgeführt wurde (8).]

Und ich habe noch nicht entschieden, was ich tun werde, wenn sich herausstellt, dass mein:e Partner:in und ich ohne umfangreiche medizinische Eingriffe nicht schwanger werden können. Es gibt berufliche und wohnungsbezogene Details zu klären. Später stellt sich die Frage, wie unser Kind uns nennen wird, und welchen Namen und welche Pronomen wir verwenden werden, bis es uns sagen kann, wie es genannt werden möchte. Es steht ein ganz neuer sozialer Übergang bevor: Pubertät Nummer drei.

Seitde ich am Oberkörper operiert wurde, bekomme ich in Männerumkleidekabinen immer wieder Seitenblicke. Davor bekam ich Seitenblicke in den Frauenumkleidekabinen.

In welches Badezimmer werde ich mit meinem effeminierten, männlichen, schwangeren Körper gehen? Wo werde ich schwimmen gehen? Werde ich ein Oberteil tragen müssen, weil meine "männlichen" Brustwarzen nun als "weiblich" gelten werden? Wenn ich anfange, in Arztpraxen oder Yogakurse für Schwangere zu gehen und ich dort die einzige Person bin, die sich nicht als Frau identifiziert, was dann?

Es gibt derzeit keine transinklusiven Geburtshäuser oder medizinischen Zentren, wo ich lebe, und das medizinische Personal hier hat eine sehr binäre Vorstellung vom Leben als trans Person. Freund:innen hier in Deutschland, die am Oberkörper operiert wurden, sind von ihren Chirurg:innen gefragt worden, wann sie unten operiert werden. Meine Erfahrung in den USA ist, dass es mehr Flexibilität und weniger Druck gibt, sich einer "kompletten" chirurgischen Rekonstruktion zu unterziehen.

Neueren Forschungen zufolge können sich schwangere trans Personen hypersichtbar und/oder unsichtbar fühlen (9). Ich kann nicht inkognito als cisgender Frau durchgehen, weil mein Körper nicht mehr so aussieht. Es gibt zwar einige grundlegende biologische Überschneidungen, aber meine sozialen, emotionalen und medizinischen Bedürfnisse als trans und nichtbinäre Person werden sich von denen von cisgender Personen unterscheiden — und das schon vor der Zeugung, während der Schwangerschaft, während der Geburt und lange danach als Eltern.

Ich habe jetzt vor zwei Monate das Testosteron abgesetzt. Ich wollte die Einnahme von T früh in diesem Prozess beenden, weil ich Angst hatte, dass die körperlichen Veränderungen, die durch diese Hormonumstellung verursacht werden, zu viel für mich sein würden. Ich hatte Angst, dass ich meine Meinung über die ganze Sache ändern würde.

Vor der Einnahme von T hatte ich keine Verbindung zu meinem Körper. Ich wollte die Beziehung, die ich in den letzten sechs Jahren zu ihm aufgebaut habe, nicht verlieren.

Aber diese Schwangerschaftsreise mit meinem Körper ist kein Rückfall. Anstatt zu verlieren, was ich aufgebaut habe, verbinde ich mich mit meinem Körper auf eine Art und Weise, wie ich es mir als trans Person nie hätte vorstellen können. Ich stehe erst am Anfang, aber schon jetzt ist dies eine tiefe, neue Ebene der Verbindung. Und es wird sich nur noch weiter vertiefen.

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