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Bild von zwei Personen, die Brustbinders tragen.

Illustration: Marta Pucci

Lesezeit: 9 min

Binding: Tipps und Tricks für trans Männer, nichtbinäre und genderfluide Menschen

by Jen Bell, PhD, und Nicole Telfer
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*Übersetzung: Victoria Wegner

Das Wichtigste zum Thema:

  • Binding (das Komprimieren des Brustgewebes, um den Anschein einer flache(re)n Brust zu erwecken) ist bei allen üblich, die nicht wollen, dass ihre Brust feminin aussieht.

  • Binde deine Brust NICHT mit Klebeband oder Plastikfolie ab. Die beliebtesten, sicheren Methoden sind die Verwendung handelsüblicher Binder, Sport-BHs, strategisches Schichten und Bandagen oder elastische Materialien.

  • Wenn du dich häufig abbindest, achte darauf, dass du über den Tag verteilt Pausen machst und freie Tage einlegst, da kontinuierliches Binding Nebenwirkungen haben kann (2,4).

  • Wenn du dir vorstellen kannst, dich einer Oberkörperoperation (zur Reduzierung oder Entfernung von Brustgewebe) zu unterziehen, kann das häufige Binding die Hautelastizität beeinträchtigen und sich auf das Ergebnis der Operation auswirken (4,5).

Binding (das Komprimieren des Brustgewebes, um den Anschein einer flache(re)n Brust zu erwecken) ist bei allen üblich, die nicht wollen, dass ihre Brust feminin aussieht, wie z. B. trans Männer und AFAB (engl. „assigned female at birth“, für "bei der Geburt weiblich zugewiesen"), die sich maskulin präsentieren.

4.8

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Für einige trans und nichtbinäre Menschen sind Brüste eine Quelle der Geschlechtsdysphorie, da sie eine visuelle Erinnerung an das bei der Geburt zugewiesene Geschlecht darstellen (1). Binding kann Geschlechtsdysphorie reduzieren und so deine psychische Gesundheit verbessern, aber es kann auch zu negativen, körperlichen Symptomen führen (2).

Wie binden Menschen ihre Brust ab?

Menschen binden sich auf viele verschiedene Arten ab: Manche Menschen umwickeln ihre Brust mit elastischen Bandagen, andere tragen einen Sport-BH, Neopren- oder sportliche Kompressionskleidung oder tragen mehrere Sport-BHs oder Shirts übereinander. Andere tragen im Handel erhältliche Binder, die speziell für diesen Zweck entwickelt wurden (2).

Jeder Mensch bindet sich anders ab. Manche Menschen binden sich nur zu besonderen Anlässen ab, andere jeden Tag. Eine Studie, in der Menschen, die sich abbinden, befragt wurden, berichtet, dass die durchschnittliche Person ihre Brust etwa 10 Stunden pro Tag abbindet, wobei die beliebtesten Methoden kommerzielle Binder sind, gefolgt von Sport-BHs, Shirt- oder BH-Schichten und Bandagen oder elastischen Materialien (2).

Risiken und Nebenwirkungen des Bindings

Wie viele Dinge, die Menschen tun, um ihr äußeres Erscheinungsbild zu verändern (z. B. das Tragen von Stöckelschuhen oder das Rasieren der Gesichtsbehaarung), birgt auch das Binding einige Risiken.

Das Binding kann die Haut, die Muskeln und die Bewegung beeinträchtigen, insbesondere bei Anwendung über längere Zeiträume. Das feste Abdecken von Haut und Brust mit Materialien, die keine freie Luftzirkulation zulassen, kann eine warme, feuchte Umgebung schaffen, in der sich Bakterien- und Pilzinfektionen entwickeln können. Das Tragen zu enger Binder kann das darunter liegende Gewebe und die Muskeln schädigen, die freie Bewegung und sogar das Atmen einschränken.

Bisher gibt es nicht viele Studien über die gesundheitlichen Auswirkungen des Bindings, daher ist es wichtig, auf die Erfahrungen anderer zu hören und mit deinem/deiner medizinischen Betreuer:in zu sprechen. (Hier geht's zu unserem Leitfaden, der dir erklärt, wie du nach trans-freundlichen Ärzt:innen suchst und wie du eine bessere Versorgung bei denen, die du schon hast, erreichen kannst).

Es wurden zwei Studien durchgeführt, die sich speziell auf Menschen konzentrieren, die sich abbinden. Es handelte sich um Querschnittsstudien, die eine bestimmte Population (Menschen, die sich die Brust abbinden,) zu einem bestimmten Zeitpunkt beobachteten und in den Jahren 2017 und 2018 veröffentlicht wurden. Beide Studien basieren auf den Daten von 1.800 Teilnehmer:innen einer Online-Umfrage.

In beiden Studien berichtete die Mehrheit der Personen (89-97 %), dass sie mindestens ein negatives Symptom durch das Binding entwickelt haben (2,3).

Häufige Nebenwirkungen des Bindings:

  • 76-78 % der Studienteilnehmer:innen berichteten über Haut-/Gewebeprobleme, wie Empfindlichkeit, Narbenbildung, Schwellungen, Juckreiz, Infektionen

  • 74-75 % der Personen berichteten über Schmerzen in Brust, Schultern, Rücken oder Bauch

  • 51-52 % der Personen berichteten über Atemprobleme (wie Kurzatmigkeit)

  • 47-49 % der Betroffenen berichteten über muskuloskelettale Beschwerden, wie Haltungsschäden, Muskelschwund oder Rippenbrüche (2,3)

Viele Menschen fühlen sich jedoch geistig und emotional besser, wenn sie sich abbinden. Diesen Studien zufolge hilft das Binding den Menschen, ihre Geschlechtsdysphorie sowie Gefühle von Angst oder Suizidalität zu verringern und gleichzeitig ihr Vertrauen, wenn sie in der Öffentlichkeit sind, und ihr Selbstwertgefühl zu steigern (2).

Risikofaktoren der Nebenwirkungen des Bindings

Menschen, die sich häufiger (jeden Tag) abbinden, leiden eher unter Symptomen. Aus diesem Grund kann es helfen, an einigen Tagen eine Pause vom Abbinden einzulegen, um dieses Risiko zu minimieren. Langfristiges Binding (über Jahre) wurde tendenziell eher mit Symptomen in Verbindung gebracht, insbesondere mit Haut- und Gewebeproblemen oder muskuloskelettalen Beschwerden (2). Menschen mit größeren Brüsten hatten häufiger Probleme mit Haut und Weichgewebe (2).

Womit die Menschen sich abbinden, ist eine sehr persönliche Entscheidung, und ein einheitliches "Patentrezept zum Binding" für alle zu finden, ist schwer. Eine Studie zeigte auf, dass Personen, die handelsübliche Binder verwendeten, ein erhöhtes Risiko aufwiesen, eine sehr große Anzahl an Symptomen durch Binding zu entwickeln, gefolgt von denen, die Bandagen und Plastikfolie oder Klebeband verwendeten (2).

Die hohe Anzahl negativer Effekte durch das Tragen handelsüblicher Binder überraschte die Forscher:innen, da Blogs und andere informelle Quellen, die sich mit trans Männern und gesundem Binding beschäftigen, oft handelsübliche Binder empfehlen (2,4). Dies könnte darauf zurückzuführen sein, dass Menschen zu kleine Binder tragen, dass sie sie über einen zu langen Zeitraum oder mehr als nur einen auf einmal tragen. Wenn du dich jedoch für einen handelsüblichen Binder entscheidest, recherchiere, lies Bewertungen im Internet und stelle sicher, dass er die richtige Größe für dich hat.

Das Gesundheitswesen und das Binding

Die Studie aus dem Jahr 2017 ergab, dass fast 9 von 10 Personen mindestens eine negative Auswirkung des Bindings erlebten und 8 von 10 meinten, dass es wichtig sei, das Binding mit medizinischem Fachpersonal zu besprechen. Doch nur 3 von 20 (15 %) nahmen ärztliche Hilfe wegen gesundheitlicher Probleme in Zusammenhang mit dem Binding in Anspruch (3).

Mehr als die Hälfte der Teilnehmer:innen berichtet, dass ihr:e Ärzt:innen wissen, dass sie sich die Brust abbinden, doch nur weniger als die Hälfte der Teilnehmer:innen bespricht ihre Abbindepraktiken mit ihnen. Menschen, die sich sicher und wohl damit fühlten, ein Gespräch zum Binding zu führen, suchten eher Hilfe, wenn Nebenwirkungen auftraten (3). Dies unterstreicht die Diskrepanz zwischen der Gesundheitsversorgung, die trans Menschen benötigen, und der Gesundheitsversorgung, zu der sie Zugang haben bzw. bei deren Inanspruchnahme sie sich sicher fühlen. Fast jeder Mensch, unabhängig von seinem Geschlecht, manipuliert seinen Körper, um sich gut zu fühlen, sei es durch Binding, Rauchen, Schminken oder Epilieren der Schamhaare - wir alle verändern uns auf irgendeine Weise, um uns wie unser "wahres Ich" zu fühlen.

Manchmal bergen diese Aktivitäten Risiken, die ärztliche Hilfe erfordern (z. B. kann Rauchen Lungenkrebs und viele andere Gesundheitsprobleme verursachen, oder das Epilieren deiner Schamhaare kann zu eingewachsenen Haaren oder infizierten Follikeln führen). Es ist keine Schande, mit deiner/deinem Gesundheitsdienstleiter:in zu sprechen, wenn du irgendwelche Nebenwirkungen feststellst. Es ist dein Körper und dein Leben — du verdienst eine sichere und urteilsfreie Gesundheitsversorgung.

Menschen sollten sowohl die Vorteile für die psychische Gesundheit als auch die möglichen körperlichen Symptome abwägen, wenn sie eine Entscheidung zum Binding treffen (2).

Tipps für ein gesünderes Binding

Jeder Mensch bindet sich anders ab. Der Trick ist, herauszufinden, was für dich am sichersten und besten ist.

1. Begrenze die Zeit, in der du dich abbindest.

Tragen deinen Binder nicht länger als 8-12 Stunden und trage ihn nicht während des Schlafs. Zudem ist es äußerst wichtig, dass du täglich Abbindepausen einplanst und dich nicht jeden Tag abbindest. Menschen, die sich häufiger (z. B. täglich) abbinden, neigen eher dazu, Symptome zu entwickeln (2, 4).

2. Vermeide das Tragen eines Binders während des Sports.

Körperliche Bewegung kann die Dysphorie mancher Menschen verschlimmern, dennoch musst du beim Sport tief atmen und dich frei bewegen können, außerdem gerätst du leichter ins Schwitzen. Wenn du deine Brust beim Training trotzdem abflachen willst, suche nach einem Sport-BH, der diesen Effekt hat.

3. Finde die richtige Passform.

Wenn du einen handelsüblichen Binder tragen möchtest, nimm dir die Zeit, sicherzustellen, dass du die richtige Größe kaufst und er dir richtig passt. Wenn du einen Binder kaufst, erkundige dich vorher, wie du den perfekten Binder für dich auswählst und lies Kundenrezensionen, um ein Gefühl für die Größengenauigkeit zu erhalten. Versuche, keinen zu engen Binder zu kaufen — wenn er dir Schmerzen verursacht, einschneidet oder die Atmung einschränkt, benötigst du eine oder zwei Größen größer. Du solltest in einem Binder normal atmen können und sein Material sollte eine Luftzirkulation ermöglichen (achte auf atmungsaktive Stoffe). Nasse, klamme, verschwitzte Haut bietet die perfekte Umgebung für Hautausschläge und Pilzinfektionen (4).

4. Verwende weder Plastikfolie, Klebeband noch Bandagen.

Diese werden mit erhöhtem Auftreten von Symptomen in Verbindung gebracht. Klebeband kann deine Haut schädigen, Bandagen können dich bei Bewegung einschnüren. Vielleicht möchtst du möglichst schnell mit dem Binding beginnen, oder dir fehlen die Mittel, um einen handelsüblichen Binder zu kaufen, doch das ist es nicht wert, deine Gesundheit auf's Spiel zu setzen. Sport-BHs, das Schichten von Shirts oder das Tragen von Sport- oder Neopren-Kompressionskleidung sind die Optionen mit den aussagegemäß wenigsten Nebenwirkungen (2).

5. Binde weniger häufig ab, wenn du eine Oberkörperoperation im Sinn hast.

Wenn du eine Oberkörperoperation (zur Reduzierung oder Entfernung von Brustgewebe) planst, ist es am besten, dich nicht so oft abzubinden, da es die Elastizität deiner Haut beeinträchtigen und Auswirkungen auf das Operationsergebnis haben kann (4,5). Einige Forscher:innen, die zur FtM (Female to Male transgender, Frau zu trans Mann)-Mastektomie forschen, sind der Meinung, dass ein langfristiges Binding zu einer Abnahme der Hautqualität, insbesondere der Elastizität, führen kann, was die Durchführung einer Mastektomie wiederum komplexer machen kann (5).

6. Höre auf deinen Körper.

Wenn du Schmerzen verspürst oder Schwierigkeiten beim Atmen hast, entferne deinen Binder (oder andere einschränkende Kleidungsstücke). Vielleicht war das, was du getragen hast, zu eng, oder du hast deinen Binder zu lange ohne Pause getragen. Du könntest versucht sein, dich ständig abzubinden, wenn es sich positiv auf deine Dysphorie oder psychische Gesundheit auswirkt, aber es ist entscheidend, dass du dabei auf deinen Körper achtest.

Es bedarf noch weitaus mehr Forschung zur Gesundheit und den Bedürfnissen von trans, nichtbinären und genderfluiden Menschen. Diese Bevölkerungsgruppen haben andere medizinische Bedürfnisse, und jeder verdient Zugang zu angemessener und individueller Gesundheitsversorgung.

Wenn du Symptome im Zusammenhang mit dem Binding verspürst, empfehlen wir dir, eine Ärztin / einen Arzt aufzusuchen.

Schaue dir unseren Leitfaden dazu an, wie du trans-freundliche Gynäkolog:innen findest. Wir haben auch über Geschlechtsdysphorie geschrieben, wie Testosteron deine Periode beeinflusst und über die Erfahrungen von trans, nichtbinären und genderqueeren Menschen mit Verhütung.

Manche Menschen finden, dass das Tracking ihrer Periode helfen kann, Dysphorie zu reduzieren: Lade Clue herunter, um zu wissen, wann deine Periode einsetzt.

Dieser Artikel wurde am 20. Mai 2020 aktualisiert.

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