Foto von zwei Personen, die mit ihren Haaren Rücken an Rücken stehen

Foto: Marta Pucci

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Wie Verhütungsmittel Haut und Haare beeinflussen

Wir haben uns mit allen Studien zu dem Thema auseinandergesetzt und sie zusammengefasst.

*Übersetzung: Clara Müller-Kühn

Das Wichtigste zum Thema:

  • Östrogen wirkt sich positiv auf Akne aus, während bestimmte Gestagene (eine synthetische Version des Hormons Progesteron) Akne verschlimmern können

  • Androgene (eine Gruppe von Hormonen, zu der auch Testosteron gehört) können fettige Haut und übermäßigen Haarwuchs verursachen

  • Die Art des im Verhütungsmittel enthaltenen Gestagens spielt eine Rolle, da einige eine stärker androgene Wirkung haben als andere

Was du möglicherweise schon über den Einfluss von Verhütungsmitteln auf Haut und Haare gehört hast

Du hast vielleicht schon gehört, dass hormonelle Verhütungsmittel Akne lindern und dein Haar voller machen können. Vielleicht hast du auch schon gehört, dass hormonelle Verhütungsmittel Akne oder Haarausfall verursachen können.

Das kann verwirrend sein, vor allem, wenn sich deine persönlichen Erfahrungen von denen in deiner Familie und deinem Freundeskreis oder von deinen Erwartungen unterscheiden.

Nicht alle Verhütungsmittel sind gleich, folglich unterscheiden sich auch ihre jeweiligen Nebenwirkungen. Hormonelle Verhütungsmittel gibt es in vielen Formen (Hormonimplantate, Spiralen, Injektionen/Spritzen, Pillen, Pflaster und Ringe) und sie enthalten unterschiedliche Arten und Mengen von Hormonen.

Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel wie die Pille, das Verhütungspflaster oder der Verhütungsring enthalten zwei Hormone (Östrogen und

Gestagen).Verhütungsmittel auf reiner Gestagenbasis* wie hormonhaltige Implantate, Spiralen oder Spritzen oder die Minipille enthalten lediglich eine Form des Hormons Gestagen (eine synthetische Version des Hormons Progesteron). Verschiedene Verhütungsmittel können sich von Mensch zu Mensch unterschiedlich auswirken.

Hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus führen zu Veränderungen bei Haut und Haar. Daher ist es nur logisch, dass auch die in Verhütungsmitteln enthaltenen Hormone auf ähnliche Art und Weise wirken können. Lies weiter, um zu erfahren, wie verschiedene Verhütungsmethoden Haare und Hautbild verbessern oder verschlechtern können.

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Was dein:e Ärzt:in dir womöglich zu diesem Thema sagt

Antibabypillen, die sowohl Östrogen als auch Gestagen enthalten, können zur Behandlung von Akne und Hirsutismus (das Wachstum von mehr dunklen, dicken Haaren als erwartet an Körperstellen wie Gesicht, Brust, Bauch und Oberschenkeln) und manchmal auch von Haarausfall verschrieben werden.

Reine Gestagenpräparate wie Hormonimplantate, -spiralen oder -spritzen können bei manchen Menschen Akne, Hirsutismus oder Haarausfall verschlimmern.

Um diese Wirkungsweisen zu verstehen, folgt nun eine kleine Lektion in Sachen Anatomie und Physiologie.

Wie Hormone Haut und Haare beeinflussen

Die Zellen in der Haut und in den Haarfollikeln sind mit Rezeptoren ausgestattet an denen Hormone andocken und so bestimmte Vorgängen in den Zellen aktivieren.

Östrogen wirkt sich auf Haar und Haut aus, indem es die Talgproduktion verringert und das Haar länger in der Wachstumsphase hält (1).

Androgene (eine Gruppe von Hormonen, zu der auch Testosteron gehört) bewirken, dass die Haut mehr Talg produziert (2) und dass die Haarfollikel in bestimmten Körperregionen dickes und dunkles Haar (2,3) produzieren, während sie bei einigen Frauen auch Haarausfall am Kopf verursachen können (2,4).

Das Östrogen, das in östrogen- und gestagenhaltigen Verhütungsmitteln – wie der Pille – enthalten ist, kann die Androgenproduktion der Eierstöcke unterdrücken und die Menge eines Proteins namens Sexualhormon-bindendes Globulin (SHBG) erhöhen, das die Androgene im Blut bindet, sodass sie nicht in die Zellen der Haut und Haarfollikel gelangen können (5).

Die potenziellen Vorteile eines hormonellen Verhütungsmittels zur Behandlung von Akne, Hirsutismus oder Haarausfall sind ebenso abzuwägen wie das potenzielle Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen. Auch wenn sie selten sind, können sich bei der Anwendung hormoneller Verhütungsmittel Blutgerinnsel bilden, die lebensbedrohlich sein können. Ein Gespräch mit einer ärztlichen Fachkraft kann dir dabei helfen herauszufinden, welche Verhütungsmethode oder Behandlung für dich die beste ist.

Warum es nicht so einfach ist

Nicht alle hormonellen Verhütungsmittel sind gleich. Abgesehen von den Kategorien "kombiniert" und "auf reiner Gestagenbasis" variiert die Art des Gestagens von einem Präparat zum anderen, wodurch die Nebenwirkungen bei Haaren und Haut unterschiedlich ausfallen können.

Einige Gestagene wirken stärker androgen (d. h. sie aktivieren eher die Androgenrezeptoren) und können Haut und Haare fettiger machen oder zu übermäßigem Haarwuchs führen. Andere Gestagene wirken antiandrogen (d. h. sie blockieren die Androgenrezeptoren) und können das Haar und die Haut weniger fettig machen und vor übermäßigem Haarwuchs schützen (6). Deshalb kann es für manche Menschen wichtig sein, die Art des Gestagens zu berücksichtigen.

Das spezifische Hormon, die Dosierung und die Art der Einnahme können sich darauf auswirken, ob jemand positive oder unerwünschte Nebenwirkungen hat.

Was die Forschung zu den verschiedenen Verhütungsmitteln und ihrer Wirkung auf Haut und Haare sagt

Verhütungsmittel auf reiner Gestagenbasis

Hormonimplantate (z. B. Nexplanon, Jadelle): Das Nexplanon-Implantat enthält ein Gestagen namens *Etonogestrel*. Eine Studie mit 942 Personen, die das Etonogestrel-Implantat durchschnittlich zwei Jahre lang verwendeten, ergab, dass 12 % der Befragten angaben, an Akne zu leiden, wobei nur etwa 1 % die Verwendung des Implantats aufgrund dieser Nebenwirkung beendete (7). In einer in Chile durchgeführten Studie, in der Nutzer:innen von *Etonogestrel*-Implantaten vor und während der Einnahme des Implantats zu ihrer Akne befragt wurden, gaben 13 % von ihnen an, während der ersten zwei Jahre der Anwendung sei es zu neuen oder sich verschlimmerdnen Akneausbrüchen gekommen. Allerdings gaben ebenso viele Personen an, dass sich ihre Akne während der Anwendung des Implantats verbessert habe (8).

Das Jadelle-Implantat enthält das Gestagen *Levonorgestrel*: In einer Studie mit 594 Personen, die dieses Implantat über einen Zeitraum von fünf Jahren verwendeten, beendeten fünf Personen die Verwendung wegen Akne, vier wegen Haarausfall, zwei wegen anderer Haarprobleme wie Hirsutismus oder dickem Haarwuchs und vier ließen es wegen "anderer Hautprobleme" entfernen (9). In dieser Studie wurde die Anzahl der Teilnehmenden, die Nebenwirkungen hatten, jedoch mit der Verwendung des Implantats fortfuhren, nicht angegeben.

Höher dosierte Hormonspiralen (z. B. Mirena, Liletta): Die Hormonspiralen Mirena und Liletta enthalten das Gestagen Levonorgestrel. In einer Studie mit mehr als 17.000 Anwender:innen der Hormonspirale in Finnland berichteten 35 % der Befragten von Akne, 16 % von Haarausfall am Kopf und 17 % von "übermäßigem Haarwuchs" am Körper (10). Alle diese Nebenwirkungen traten am häufigsten bei Personen unter 33 Jahren auf und nahmen mit zunehmendem Alter ab (10).

Eine weitere Studie zeigte, dass Personen, die eine Hormonspirale verwendeten, nach einjähriger Anwendung mehr Aknepusteln aufwiesen als Personen, die eine nicht-hormonelle Kupferspirale verwendeten (11). Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war gering, sodass unklar ist, ob tatsächlich von einem spürbaren Effekt bei den Teilnehmenden die Rede sein kann.

In einer neuseeländischen Studie mit Anwender:innen der Hormonspirale gaben 3 von 920 Befragten an, an Haarausfall zu leiden (12). Dieselben Forschenden untersuchten Fälle von Haarausfall im Zusammenhang mit der Anwendung der Hormonspirale, die der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gemeldet worden waren. Obwohl Haarausfall eine seltene Nebenwirkung war, konnten sie anhand des Zeitpunkts des Haarausfalls im Zusammenhang mit dem Einsetzen der Spirale und des Verschwindens des Haarausfalls nach dem Entfernen der Spirale feststellen, dass einige der Fälle in Neuseeland und anderswo "wahrscheinlich" durch die Spirale verursacht wurden (12).

Niedrig dosierte Hormonspiralen (z. B. Kyleena, Jaydess, Skyla): Die Hormonspiralen Kyleena, Jaydess und Skyla enthalten ebenfalls das Gestagen Levonorgestrel, jedoch in geringerer Dosierung als Mirena und Liletta.

In einer dreijährigen Studie, die in Nordamerika, Südamerika und Europa durchgeführt wurde, wurde bei 10 % der Anwender:innen einer der niedriger dosierten Hormonspiralen Akne festgestellt, die möglicherweise mit der Verwendung der Hormonspirale zusammenhing (13).

In einer anderen Studie mit überwiegend asiatischen Teilnehmenden, die Jaydess bis zu drei Jahre lang verwendeten, berichteten nur etwa 3 % der Teilnehmenden von Akne, aber etwa die Hälfte der Betroffenen ließen sich das Implantat aufgrund der Akne entfernen (14).

Die Verhütungsspritze (z. B. Depo-Provera): In einer Studie mit 536 Personen, die die Depo-Spritze verwendeten, traten häufig Nebenwirkungen auf, die Haut und Haare betrafen. Bei den Personen, die die Spritze zum ersten Mal verwendeten, berichteten 8 % nach 3 Monaten von Akne oder anderen Hautproblemen und diese Zahl stieg nach 9 Monaten auf 14 % an (15). In der gleichen Gruppe berichteten bis zu 11 % der Depo-Anwender:innen in den ersten 9 Monaten von Haarausfall und bis zu 3 % gaben an, dass Gesichtsbehaarung eine Nebenwirkung war (15).

In einer anderen Studie kam es bei 6 % der Anwender:innen nach sechsmonatiger Anwendung der Depo-Spritze zu Haarwuchs im Gesicht, verglichen mit 1 % der Anwender:innen, die nicht-hormonelle Verhütungsmethoden verwendeten (16).

Kombinierte hormonelle Verhütungsmittel (Östrogen und Gestagen)

Die Pille (verschiedene Marken): Eine Analyse von 31 Studien ergab, dass Antibabypillen bei der Behandlung von Akne wirksam sind, aber über die spezifische Fähigkeit der einzelnen Pillen, Akne zu verbessern, ist weniger bekannt (17).

In zehn Studien wurde eine Antibabypille mit einem Placebo verglichen. Neun von zehn Studien kamen zu dem Ergebnis, dass die Pille eine Verbesserung der Akne bewirkt und bei einer der zehn Studien lagen nicht genügend Daten vor, um sie in die Analyse einzubeziehen (17).

In siebzehn Studien wurden zwei verschiedene Arten von Pillen verglichen, um festzustellen, ob eine bestimmte Formel oder Dosis einen Unterschied dahingehend ausmacht, ob und wie eine Pille zu einer Verbesserung von Akne führen kann. Auch wenn die Ergebnisse nicht einheitlich waren, hat es den Anschein, dass Pillen mit antiandrogenen Gestagenen sich positiver auf Akne auswirken als Pillen mit androgenen Gestagenen (17).

Kombinierte Pillen werden als Erstbehandlung für Menschen empfohlen, die unter Hirsutismus (übermäßiger, unerwünschter Körperbehaarung) leiden und nicht versuchen, schwanger zu werden (18). Die Pille ist wirksam bei der Behandlung von leichtem Hirsutismus, aber es kann 6 bis 12 Monate dauern, bis eine Besserung eintritt, und sie muss möglicherweise mit anderen Medikamenten oder Behandlungen kombiniert werden (19). Pillen, die die antiandrogenen Gestagene Drospirenon und Cyproteronacetat enthalten, haben möglicherweise größere Erfolgschancen bei der Behandlung von Hirsutismus als andere Formen von Gestagenen (19). Nichtsdestotrotz empfiehlt die Endocrine Society keine bestimmte Pille (18).

In einer kleinen Studie mit ausschließlich weißen Proband:innen, erhielten 31 Personen mit fettigem Haar ein Jahr lang eine Antibabypille mit dem Gestagen Chlormadinon. Die Teilnehmenden berichteten, dass ihr Haar nach drei Monaten weniger fettig war und besser aussah und diese Verbesserung hielt das ganze Jahr über an (20). Auch die Forschenden stellten fest, dass das Haar der Proband:innen nach einem Jahr dichter und weniger schuppig und gereizt war (20). Diese Form der Pille ist in den USA nicht erhältlich, wohl aber in Europa sowie in Mittel- und Südamerika.

Bei Personen, die Antibabypillen mit dem Gestagen Desogestrel einnahmen, kam es in einer zweijährigen Studie seltener zu Haarausfall als bei Personen, die eine nicht-hormonelle Verhütungsmethode wie Abstinenz, Kondome oder eine Operation anwendeten (16). Die Pille kann – oft in Kombination mit anderen Medikamenten – verschrieben werden, um den fortschreitenden Haarausfall bei Menschen zu stoppen, die unter androgenbedingtem Haarausfall leiden (21, 22).

Das Verhütungspflaster (z. B. Xulane): Es gibt sehr wenig Forschung darüber, wie das Verhütungspflaster Haut und Haare beeinflusst. Bei einer kleinen Gruppe von Jugendlichen, die vor der Anwendung des Pflasters Akne hatten, verbesserte sich die Akne nach 7 Monaten bei 33 %, verschlechterte sich bei 17 % und blieb bei 50 % der Teilnehmenden gleich (23).

Der Verhütungsring (z. B. Nuvaring): Auch beim Ring gibt es nur wenig Forschung zu diesem Thema. Eine Analyse von drei Studien ergab, dass weniger Personen, die den Verhütungsring 3 bis 13 Monate lang verwendeten, an Akne litten, als Personen, die die Pille nahmen (P).

Die richtige Methode wählen

Es ist wichtig, medizinischen Rat einzuholen, um die sicherste und beste Methode für sich zu finden. Bevor du mit einer Verhütungsmethode beginnst, solltest du dich ärztlich aufklären lassen und deine Bedenken über mögliche Nebenwirkungen einer medizinischen Fachperson mitteilen, damit ihr gemeinsam entscheiden könnt, welche Methode für dich am besten geeignet ist. Wenn du unter unerwünschten Nebenwirkungen einer Verhütungsmethode leidest, solltest du dich für deine Bedürfnisse einsetzen, damit dein:e Ärzt:in deine Bedenken ernst nimmt.

Mit Clue kannst du den Zustand deiner Haut und deiner Haare tracken, wenn du mit einer neuen Verhütungsmethode beginnst, um zu sehen, ob sich etwas verändert.

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