Illustration: Marta Pucci

Anatomie

Penisgröße: biologische Normen vs. gesellschaftliche Erwartungen

*Übersetzung: Judith Quijano

Wenn Menschen an Penisse denken, kommen ihnen wahrscheinlich als erstes die Begriffe "groß" oder "klein" in den Sinn.

Wie bei Brüsten spielt auch bei Penismerkmalen mehr als nur die Größe eine Rolle.

Die äußeren männlichen Geschlechtsorgane bestehen aus dem Penis und den Hoden. Der Penis wird als das erektile Begattungsorgan definiert, durch das Urin und Sperma aus dem Körper ausgeschieden werden. Der Penis ist also der Körperteil, der beim Sex verwendet wird und der Ejakulat und Urin ausscheidet. Der Hoden wird als eine typischerweise paarige männliche Geschlechtsdrüse definiert, die Spermien produziert und Testosteron absondert. Hoden werden umgangssprachlich als "Eier" bezeichnet und befinden sich im Hodensack (1, 2).

In Bezug auf die Ästhetik der männlichen Genitalien liegt für die meisten Menschen vor allem der Schwerpunkt auf der Beschneidung und der Penisgröße.

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Beschneidung

Bei einer Beschneidung wird die Vorhaut bzw. die schützende Barriere an der Penisspitze aus kulturellen, sozialen, medizinischen oder religiösen (oft jüdischen und muslimischen) Gründen entfernt. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation ist die Beschneidung wahrscheinlich der weltweit am häufigsten durchgeführte chirurgische Eingriff.

Beschneidungen werden in der Regel im Säuglingsalter als einfacher Eingriff durchgeführt und sind in den Vereinigten Staaten, Kanada, Westafrika, Australien und Neuseeland üblich, wo etwa 8 von 10 Männern beschnitten sind. Die Beschneidung von Jugendlichen und Erwachsenen ist komplizierter, aber möglich, wenn sie unter angemessenen medizinischen Bedingungen durchgeführt wird (3).

Die Beschneidung ist in den Vereinigten Staaten so typisch, dass unbeschnittene Penisse gemeinhin stigmatisiert werden. Im Vergleich dazu sind in Europa und Südamerika weniger als 2 von 10 Männern beschnitten (3). Inzwischen wird die Ethik und die Notwendigkeit der Beschneidung in Frage gestellt; einige Menschen sind der Meinung, dass es sich um eine Menschenrechtsverletzung handeln könnte (da die Beschneidung bei Säuglingen nicht einvernehmlich erfolgt) und fordern mehr Transparenz über den medizinischen Nutzen. Da die Entfernung der Vorhaut in den USA fast überall üblich ist, befürchten Eltern auch, dass ihr unbeschnittenes Kind z. B. in sexuellen Situationen oder Umkleideräumen mit einem Stigma konfrontiert werden könnte.

Die Forschung hat jedoch gezeigt, dass eine Beschneidung gesundheitliche Vorteile mit sich bringt. Diese Position wird sowohl von der WHO (Weltgesundheitsorganisation) als auch vom CDC (Centers for Disease Control and Prevention) unterstützt. Untersuchungen haben gezeigt, dass beschnittene Männer ein um 60 % geringeres Risiko haben, sich bei einem:r infizierten Partner:in mit dem Humanen Immundefizienz-Virus (HIV) anzustecken und dass sie auch etwas besser vor anderen Geschlechtskrankheiten wie dem Humanen Papillomavirus (HPV) und Genitalherpes geschützt sind (4). Es ist erwiesen, dass die Eigenschaften der inneren Vorhaut mit einer höheren Anfälligkeit für HIV-Infektionen zusammenhängen (5, 6). Darüber hinaus haben Studien gezeigt, dass weibliche Partner:innen von beschnittenen Menschen ein geringeres Risiko für humane Papillomaviren (HPV) und bakterielle Vaginose aufweisen (7).

Zu den weiteren Bedenken in Bezug auf eine Beschneidung gehört die Angst vor einer verminderten sexuellen Funktion, Sensibilität und/oder Lust des Penis. Dabei haben die meisten Studien kaum Unterschiede festgestellt, was darauf hindeutet, dass diese Faktoren weitgehend von individuellen Erfahrungen abhängen (8-10).

Die ethnische Zugehörigkeit, der religiöse Glaube, soziale Normen und wahrgenommene gesundheitliche und sexuelle Vorteile sind treibende Faktoren für eine Beschneidung (3). Die wichtigsten Faktoren, die für die Vorhaut relevant sind, sind das Sexualverhalten und die gesellschaftliche Einstellung. Penishygiene und Safer Sex helfen, Infektionen und Krankheiten vorzubeugen, und sind sowohl mit als auch ohne Vorhaut notwendig.

Die Gründe für oder gegen eine Beschneidung sind unterschiedlich. Niemand sollte sich dafür schämen, eine Vorhaut zu haben oder nicht zu haben.

Die Größe des Penis

Erbliche Merkmale und die Evolution sind Faktoren, die für Unterschiede der Penisgröße ausschlaggebend sind, darunter die weibliche Partner:innenwahl, die Genetik und die fötale Exposition gegenüber Hormonen.

Beim männlichen Körperbild ist die Penislänge seit jeher etwas, das die Menschen umtreibt. Ein langer Penis wird in der Regel mit traditionell männlichen Eigenschaften wie Macht, Dominanz und Stärke assoziiert und gilt als Werkzeug für überragende sexuelle Lust (11). Es hat sich gezeigt, dass die Größe in vielen sexuellen Beziehungen einen psychosozialen Faktor darstellt.

Entgegen der landläufigen Meinung in heterosexuellen Beziehungen ist für viele Menschen die Penisbreite ein wichtigerer Faktor für ihre sexuelle Befriedigung, wobei die Vorstellung von "Fülle" als psychisch und psychologisch befriedigend gilt. Ein weiterer Grund für die Betonung der Breite ist, dass die Basis des Penis als Grund für eine stärkere Stimulation der Klitoris und der äußeren Genitalien dient (12).

Bei männlichen homosexuellen sexuellen Aktivitäten identifizierten sich Personen mit einem größeren Penis eher als "Top" (aktiv), also als die scheinbar dominante Rolle. Menschen mit einem kleineren Penis identifizierten sich eher als "Bottom" (passiv) bzw. als die scheinbar unterwürfige Position (13).

Die Penisgröße sollte nicht über das sexuelle Erlebnis entscheiden. Geschlechtsorgane und ihre Merkmale sollten nicht bestimmen, wie sich eine Person verhält, wie sie sich fühlt und wie sie sich (im und außerhalb des Schlafzimmers) präsentiert. Das Erfahren von Lust basiert nicht nur auf einem einzelnen penetrativen Objekt, sondern umfasst viele andere Faktoren wie Intimität, Positionierung, Rhythmus und mehr (14).

Die Größe spielt keine Rolle

Er ist nur so groß oder klein, wie du ihn machst. Ob beschnitten oder nicht – jede:r, der:die einen Penis hat, sollte für eine optimale reproduktive Gesundheit hygienisch sein und Safer Sex praktizieren.

Darüber hinaus beeinflussen bei heterosexuellen Präferenzen Merkmale männlicher Geschlechtsorgane die Anziehungskraft weniger, während die Persönlichkeit und das äußere Erscheinungsbild Vorrang haben (11).

Sexuelle Anziehungskraft und Lust hängen nicht nur von den Penismerkmalen, sondern auch von vielen anderen wichtigen Eigenschaften ab, etwa dem aufrichtigen Wunsch, den:die Partner:in zu befriedigen, der Kommunikation von Bedürfnissen, der emotionalen Bindung, dem Respekt, Vertrauen und vielem mehr.

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